Gestörte Schatzsuche

Auf Nimmerwiedersehen: Unbekannte entfernen Geocaching-„Schätze“ in Ostervesede

Andrea und Frank Grant haben Spaß an der modernen Schatzsuche – und legen auch selbst gerne sogenannte Caches, wie hier in einem Wald bei Ostervesede. Foto: Warnecke
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Andrea und Frank Grant haben Spaß an der modernen Schatzsuche – und legen auch selbst gerne sogenannte Caches, wie hier in einem Wald bei Ostervesede.

Ostervesede - Die Zahl 37 – für Andrea und Frank Grant hat sie neuerdings ein Geschmäckle. Geocaching ist das aus den USA stammende Freizeitvergnügen, das es dem Ehepaar aus Ostervesede angetan hat. Mit GPS-Gerät oder Smartphone begeben sich die beiden, so oft es ihnen möglich ist, auf Schatzsuche – deutschlandweit und, wenn es in den Urlaub geht, auch mal darüber hinaus.

Dass es in ihrem Heimatdorf und der umliegenden Gemarkung ebenfalls inzwischen Verstecke gibt, die über Koordinaten aufgespürt werden können, ist vor allem ihnen zu verdanken. Unzählige solcher sogenannten Caches haben sie schon „gelegt“, wie es in der Fachsprache heißt – an Wirtschaftswegesrändern oder im Wald, an Bäumen befestigt oder hinter Büschen versteckt. Aber immer auf öffentlichem Grund und Boden, versichern sie. Und immer mit dem Ziel, die Schatzsucher an bestimmte Orte zu führen, die man vielleicht sonst nie im Leben aufgesucht hätte.

Seit dem vorvergangenen Wochenende seien es nun aber 37 Caches weniger. Irgendwer hat in einer Nacht- und Nebelaktion die oft gut versteckten Schätze, bei denen es sich in der Regel um kleine Dosen mit einem Logbuch handelt, in das sich der Finder einträgt, auf Nimmerwiedersehen entfernt. Sie lagen ausschließlich im Außenbereich des Dorfes, unter anderem an der öffentlichen Straße zwischen Benkeloh und Einloh. „Uns hat der Diebstahl echt umgehauen und sehr traurig gemacht, weil wir uns damit echt Mühe geben“, klagt Frank Grant, der sich unter den Geocachern den Internet-Namen „Frankivesede“ verpasst hat, sein Leid. „Klar, dass ein Cache mal fehlt, etwa, weil ein unwissender Passant denkt, es handele sich um Müll, kommt hin und wieder schon mal vor“, weiß Ehefrau Andrea alias „Andivesede“. „Aber in dieser geballten Menge und binnen so kurzer Zeit – das hat schon eine ganz andere Dimension.“

Dabei sind es bei Weitem nicht nur bloße Kunststoff-Döschen, die das Paar in der freien Natur versteckt, um so vor allem Familien mit Kindern eine Freude zu bereiten. Nein, einige Caches sind richtig kniffelige Apparaturen der Marke Eigenbau, bei denen die Finder erst ihre Fingerfertigkeit unter Beweis stellen müssen, um an das begehrte Logbuch zu kommen, über welches eine erfolgreiche Suche dann letztendlich dokumentiert wird. „Und da steckt richtig viel Arbeitszeit drin, die Dinger zu bauen“, sagt der gelernte Tischler, der heute im örtlichen Altenpflegeheim eine Anstellung hat. So stünden immerhin 200 Stunden, die er für die Herstellung der nunmehr gestohlenen Caches aufgewandt habe, einem ebenso nicht unerheblichen Materialschaden von 300 Euro gegenüber. „Wenn man solche Gerätschaften machen lassen würde, gingen die Ausgaben dafür in die Tausender“, macht Andrea Grant in Anbetracht der verwendeten Materialien wie beispielsweise den Einsatz von Starkmagneten deutlich.

Sich von den dreisten Dieben einschüchtern lassen – das haben sich die zwei Geocacher nicht. „Ich habe schon wieder neue Verstecke gelegt, und zwar ein paar Mysteries, bei denen man erst auf dem Computer ein Puzzle zusammensetzen muss, um an die Koordinaten zu kommen“, berichtet die Versicherungskauffrau. Und: Die Grants haben bei der Polizei Strafanzeige gestellt. Sie vermuten, dass die Täter selbst im Dorf beheimatet sind. Und dass sie sich mit einem entsprechend großen Fahrzeug sowie dem nötigen Werkzeug auf ihre Einsammeltour begeben haben. „Einige Caches mussten ja auch erst abgeschraubt werden“, so Frank Grant, der es bedauern würde, dass man in der Angelegenheit nicht einfach erst das Gespräch mit ihm und seiner Frau gesucht habe. „Wir hätten die Stellen dann einfach im Internet anklicken und deaktivieren können – dann würde auch keiner mehr kommen, wenn zum Beispiel gerade eine Treibjagd stattfindet.“ Irgendjemanden mit der Schatzsucherei zu stören, sei jedenfalls nicht ihr Anliegen gewesen, betont der 50-Jährige. „Am Ende wollen wir wirklich nur Spaß und Freude verbreiten.“

Und den haben die Geocacher allen Alters offenbar, wie diverse Bewertungen auf der Plattform www.geocaching.com, beweisen. Alleine im vergangenen Jahr, ist dort ersichtlich, haben mehr als 200 Personen Ostervesede mal jenseits bekannter Pfade an der frischen Luft kennengelernt. Bei vielen, erzählt das Paar, habe es sich um Auswärtige gehandelt.

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