Combi, Netto, Aldi: Bürgermeisterkandidat Braumüller legt Pläne der Supermärkte vor

„Niemand hat Geheimnisse“

Wollen beim Thema Supermärkte für die Bürger eine Diskussionsgrundlage schaffen: Bürgermeisterkandidat Bernd Braumüller (Mitte) und seine Unterstützer Detlev Kaldinski (v.l.), Uta Hoops, Ursel Brüning-Wildhagen, Johannes Hillebrand, Gabriela Villwock, Ralf Münkel und Klaus Lempert. ·
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Wollen beim Thema Supermärkte für die Bürger eine Diskussionsgrundlage schaffen: Bürgermeisterkandidat Bernd Braumüller (Mitte) und seine Unterstützer Detlev Kaldinski (v.l.), Uta Hoops, Ursel Brüning-Wildhagen, Johannes Hillebrand, Gabriela Villwock, Ralf Münkel und Klaus Lempert. ·

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Die SPD spricht von einem „Foul gegen die Bürger“, und der Bürgermeisterkandidat findet es „bedauerlich, wie mit der Bevölkerung umgegangen wird“.

Was Bernd Braumüller und die Kommunalpolitiker so in Rage bringt: Bis heute soll die Gemeindeverwaltung nur wenige Anstrengungen unternommen haben, die Öffentlichkeit in die Planungen jener drei Märkte einzuweihen, die in Scheeßel expandieren oder sich neu ansiedeln wollen.

So könnte der Combi-Markt einmal aussehen, hier aus der Perspektive Mühlenstraße.

„Den Bürgern fehlt es schlichtweg an Hintergrundwissen, um sich eine eigene Meinung bilden zu können“, kritisiert der Bewerber auf das höchste Amt der Gemeinde. Braumüller und seinen Unterstützern aus den Reihen der SPD, der Grünen und der Gruppe 57 geht es um Transparenz: „Wir wollen die Bevölkerung informieren, damit alle auf der gleichen Fachgrundlage diskutieren können“, sagt er. Und Ursel Brüning-Wildhagen (Bündnis 90 / Die Grünen) ergänzt: „Es soll besser alles rechtzeitig klargestellt werden, damit die Leute ihre Meinung kundtun können.“

Braumüller hatte am Mittwoch die Investoren nacheinander im Gasthaus Götze empfangen, um sich im Beisein seiner politischen Mitstreiter – die Gemeinde war nicht eingeladen – die einzelnen, vom Gemeinderat noch zu diskutierenden Vorhaben vorstellen zu lassen. Seine Erkenntnis im Anschluss an die Gesprächsrunden: „Die beteiligten Partner sind sehr offen mit uns umgegangen, jeder von ihnen hat ein großes Interesse daran, dass die Bürger ihre Pläne kennen.“ Seiner Meinung nach seien keine Fakten auf den Tisch gelegt worden, die hätten geheim gehalten werden müssen. Das bestätigt auch Ralf Münkel, Sprecher der Gruppe 57: „Da hat wirklich niemand Geheimnisse.“

Umso unverständlicher sei es für Braumüller, dass die Verwaltung die Informationen nicht schon eher publik gemacht hat. Immerhin, ergänzt Detlev Kaldinski (SPD), seien den Scheeßeler Volksvertretern die Unterlagen seit September vergangenen Jahres nach einer nicht-öffentlich tagenden interfraktionellen Sitzung bekannt gewesen. „Nur dem Bürger sind die seit etlichen Monaten vorenthalten worden“, sagt der Ratsherr, der ebenso wie Braumüller davon überzeugt ist, dass ein Einzelhandelsgutachten schon sehr viel früher hätte auf den Weg gebracht werden können – wenn die Verwaltung von Anfang an eine offenere Politik mit den Bürgern und dem gesamten Rat betrieben hätte. „Da ist wenig Bewegung reingekommen, das hat uns schon sehr gestunken“, so Kaldinski.

Und so sehen die teilweise millionenschweren Vorhaben der Märkte im Einzelnen aus:

Combi: Die Verbrauchermarktkette, ein Unternehmen der Leeraner Bünting-Gruppe, möchte am Standort Bremer Straße/Ecke Mühlenstraße in Zusammenarbeit mit einem Rotenburger Architektenbüro auf rund 2 800 Quadratmetern Nutzfläche einen Vollsortimenter errichten, der 27 000 Artikel vorhält. Bis auf das Grundstück der Gemeinde hat sich der Konzern bereits alle Flächen hierfür gesichert. Auf dem Areal sollen etwa 100 Stellplätze entstehen. Zu den Service-Leistungen gehören unter anderem eine Geschenk-Boutique, ein Blumenbote sowie ein Online-Shop. Zwischen 50 und 60 neue Arbeitsplätze werden geschaffen. Im Vorfeld, so Braumüller, sei das Projekt in verkehrstechnischer Sicht sowie im Hinblick auf mögliche Lärmimmissionen untersucht worden. „Im Ergebnis sehen die Gutachter bei diesen beiden Angriffspunkten keine Probleme.“ So dürfe beispielsweise in der Zeit von 22 bis 6 Uhr nicht angeliefert werden.

„Laut dem Expansionsleiter, der uns das Projekt vorgestellt hat, würden gleich mehrere Gründe, wie mehr Auswahl für die Bürger, eine Reduzierung der Kaufkraftabflüsse oder zusätzliche Steuereinnahmen für eine Ansiedlung sprechen“, so der Bürgermeisterkandidat. Dass ein zweiter Vollsortimenter im Kernort dem bestehenden Edeka-Markt gefährlich werden könnte, sei nicht zu befürchten. „Grundsätzlich können zwei Vollversorger am Standort Scheeßel existieren, in Gnarrenburg, Sittensen und Zeven funktioniert das schließlich auch sehr gut“, sagt Ratsherr Ralf Münkel. Und das Einzelhandelsgutachten? „Bünting hat überhaupt kein Problem damit, darauf zu warten“, so Braumüller.

Aldi: Ebenso der Discounter Aldi, der den vorhandenen Standort am Vahlder Weg aufgeben möchte, um auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen modernen Neubau mit größerer Verkaufsfläche (1 200 Quadratmeter) sowie 85 Stellplätzen zu errichten. Hierfür hat sich die Firma das Grundstück von Manfred Cordes bereits gesichert; der Markt soll nach der Planung einen Großteil der Fläche einnehmen. „Was das verbleibende Teilstück hin zur Sparkasse betrifft, ist Aldi für alle Möglichkeiten offen“, sagt Braumüller. Möglich sei beispielsweise eine Nutzung mit Geschäftsbüros oder Praxen. Angeregt worden sei in den Gesprächen, die Bahnhofstraße im Zuge der Baumaßnahme fußläufig zu erschließen. „So könnten dann auch die dortigen Geschäfte ein bisschen mehr belebt werden.“

Netto: Das kleinste Verfahren will Netto an der Bremer Straße einleiten. Der Marken-Discounter strebt eine Vergrößerung seiner Verkaufsfläche um maximal 100 Quadratmeter an. „Für das Einzelhandelsgutachten ist diese Maßnahme sicher nicht so wichtig, allerdings muss auch hier ein Bauleitverfahren eingeleitet werden“, so Braumüller. Konkret ist geplant, den Sozialraum besser zu stellen, den Bäcker zu vergrößern sowie die Leergutannahme in den Außenbereich zu verlagern.

Was ihm und seinen Unterstützern aus der Politik bis dato nicht bekannt war: Sollte die Maßnahme genehmigt werden, will Netto seinen Mietvertrag nochmals um 15 Jahre verlängern. Bernd Braumüller: „Das heißt, es gibt statt möglichem Leerstand eine Sicherheit für Scheeßel.“

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