Neues Kapitel im Kostenstreit um Jeersdorfer Dreschplatz / Ausschuss gegen Kompromiss-Lösung

Eine unendliche Geschichte

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Ein kleiner Ort mit großem Konfliktpotenzial: der Dreschplatz in Jeersdorf.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. In einem waren sich die Mitglieder des Bau-und Planungsausschusses an diesem Abend im Rathaus ausnahmsweise mal alle einig: Die Neugestaltung des Jeersdorfer Dreschplatzes, sie ist ein leidiges Thema. Zu verhärtet sind die Fronten zwischen Ortsrat und der Gemeinde, als dass sich in der Vergangenheit eine Lösung gefunden hätte. Daran änderte auch die jüngste Diskussion um die Kostenübernahme nichts.

Detlev Kaldinski (SPD) brachte es auf den Punkt: „Wir sollten den gordischen Knoten endlich durchschneiden!“ Tatsächlich beschäftigt der Dreschplatz schon seit geraumer Zeit die politischen Gremien, nicht zuletzt deswegen, da sich der Jeersdorfer Ortsrat einstimmig dafür ausgesprochen hatte, sich nicht mit 1500 Euro aus der eigenen Kasse an den Investkosten zu beteiligen. Er sieht zu 100 Prozent die Gemeinde in der Pflicht.

Dass dies jedoch jeglicher Rechtsgrundlage entbehre, merkte Bürgermeistermeisterin Käthe Dittmer-Scheele an. Durch kommunalaufsichtliche Stellungnahmen sei klargestellt, dass Grünlandpflege eindeutig eine Angelegenheit der örtlichen Gemeinschaft sei – und somit auch mit Ortsratsmitteln zu bestreiten wäre. Aus ihrer Sicht würde ein anderes Vorgehen zu einer „massiven Ungleichbehandlung zu anderen Ortschaften führen“ und entsprechende Begehrlichkeiten wecken.

Dass eine Neugestaltung herbeigeführt werden müsse, stehe nach den Worten von Jürgen Wahlers (SPD), zugleich Jeersdorfer Ortsratsmitglied, außer Frage: „Die Wege sind alt, die Bäume nicht mehr vernünftig zu beschneiden – wir schaffen es nicht mehr, das durch die Anlieger in den Griff zu bekommen“, äußerte sich der SPD-Mann. Was die Kosten für Pflegemaßnahmen angehe, fühle er sich falsch verstanden: „Die übernehmen wir ohnehin schon zum Großteil aus unseren Ortsratsmitteln. Uns geht es ganz klar um eine einmalige arbeitswirtschaftliche Neugestaltung für die kommenden Jahrzehnte – und da gelten die gleichen Argumente wie für die Außenlagen des Dorfgemeinschaftshauses in Ostervesede, für die die Gemeinde im übrigen schon Planungskosten eingestellt hat.“

Dennoch, für derartige Äußerungen hat Bauamtsleiter Joachim Köhnken kein Verständnis: „Mir leuchtet nicht ein, warum sich der Ortsrat nicht mit einem einzigen Cent an dieser Maßnahme beteiligen will.“ Immerhin würden die 1500 Euro genau jener Summe entsprechen, die das Gremium für die kommenden drei Jahre sowieso in die reine Unterhaltung hätte investieren müssen, „und das völlig unabhängig davon, wie teuer das Projekt am Ende wird“.

Ein wesentliches Kriterium, wieso die Jeersdorfer eine Kostenbeteiligung scheuen, seien laut Wahlers die örtlichen Sportanlagen. „Wir schaffen das nicht, weil wir drei Jahre lang jeweils 4000 Euro jährlich für deren Neu- und Ausbau ausgeben“, klärte der Ratsherr auf.

Nachdem im Ausschuss vertretende Bürgermeister anderer Ortschaften ebenfalls ihre Bedenken äußerten, meldete sich Detlev Kaldinski zu Wort. Sein Vorschlag beinhaltete einen Kompromiss. So solle die Gemeinde dem Ortsrat eine Summe über 10000 Euro gewähren, mit der er die Maßnahme dann planen müsse. Für die Kosten, die damit noch nicht gedeckt sind, könnte die Gemeinde ein Darlehen gewähren. Die Kosten für Spielgeräte und weitere Anschaffungen habe der Rat dann allerdings selbst zu bestreiten. „Wir sollten endlich mal versuchen, eine vernünftige Lösung herbeizuführen, und am besten gemeinsam“, so Kaldinskis Plädoyer.

So vernünftig erschien der CDU dieser Kompromiss jedoch nicht. „Der Schluck aus der Pulle ist schon enorm“, konstatierte der Ausschussvorsitzende Ernst Behrens mit Blick auf die in den Ring geworfene Summe. Und sein Parteikollege Ernst-August Kröger fand noch deutlichere Worte: „Mit einem Darlehen kann ich leben, aber nicht mit der Höhe über 10000 Euro – das würde nur zum Streit auf den Dörfern führen.“

Selbst aus den Reihen der SPD gab es Skeptiker. „ Pauschal eine Summe X zur Verfügung zu stellen, könnte durchaus auf anderen Dörfern Begehrlichkeiten wecken“, warnte Frithjof Hellwege. Der Büschelskamper warb dafür, mit der Umgestaltung solange zu warten, bis die Maßnahmen an den Sportanlagen abgeschlossen sind, um anschließend einen Neuanlauf zu unternehmen.

Von Prioritäten sprach auch Ursel Brüning-Wildhagen (Bündnis 90/Die Grünen). „Es ist doch alles eine Frage, wie man sie setzt“, brachte sie sich in die Diskussion ein. Ihre Fraktion tue sich schwer mit der Kostenhöhe. Am Ende saß die Union am längeren Hebel: Mit ihren vier Stimmen wurde Kaldinskis Antrag abgelehnt. Die unendliche Geschichte – sie geht in die Verlängerung.

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