Begegnungsstätte ist Geschichte

Neuer Immobilieneigentümer kündigt der Awo Scheeßel das Mietverhältnis

Heino Dreyer, zeigt auf die Stelle, an die noch ein Hinweisschild auf den Ortsverband angebracht werden soll.
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Neues Domizil: Heino Dreyer, Co-Vorsitzender des VdK Scheeßel, zeigt auf die Stelle, an die noch ein Hinweisschild auf den Ortsverband angebracht werden soll.

Mehr als drei Jahrzehnte hatten die Awo und der VdK in Scheeßel mit der Begegnungsstätte an der Fliederstraße ein festes Domizil. Doch der neue Hauseigentümer stellte Bedingungen, die für die Vereine nicht zu erfüllen gewesen wären.

Scheeßel – 35 Jahre lang war sie eine verlässliche Adresse für Klönschnack, Spielenachmittage, Grillfeste und viele weitere Aktivitäten – die Begegnungsstätte an der Fliederstraße in Scheeßel. Tausende Mitglieder von Awo und VdK wussten in all der Zeit die Räumlichkeiten in der Altenwohnanlage zu schätzen. Nun ist der Treffpunkt für die Partner-Ortsvereine aber Geschichte. Und auch die Arbeiterwohlfahrt selbst gibt es nicht mehr. Sie hat sich aufgelöst.

Warum das Ganze, wissen Heino Dreyer und Hans Hillermann zu berichten. Letzterer soll im März nächsten Jahres beim VdK zum neuen Co-Vorsitzenden gewählt werden – für Dieter Martens, mit Dreyer weiterhin an seiner Seite. Es sei ein trauriges Ende einer jahrzehntelangen Erfolgsgeschichte, bedauern beide. Ein Ende, das man so gar nicht erwartet habe. Warum man den Standort schweren Herzens habe aufgeben müssen? „Es gibt einen neuen Besitzer für die Immobilie, der uns über seinen Hausverwalter hat ausrichten lassen, dass der wirtschaftlich denken und Mieteinnahmen haben müsse“, sagt Hillermann. Monatlich rund 500 Euro, inklusive Nebenkosten, seien ohne Umschweife verlangt worden. „Das kann aber kein Verein bezahlen.“ Letztendlich, befindet er, sei dem noch frischen Hausherren eine Rendite also wichtiger gewesen als der Fortbestand des schon lange etablierten Treffpunktes. „Ein soziales Gedankengut hat der anscheinend nicht.“

Heino Dreyer ergänzt: Mindestens fünf Eigentümerwechsel, alles Baugesellschaften, habe es gegeben, seitdem die Awo nach Verhandlungen der Gemeinde eine der Wohnungen für ihre Zwecke zur Verfügung gestellt bekommen hatte – und zwar mietfrei. Die Gemeinde selbst habe bis zuletzt die Unterhaltskosten für Strom und Wasser gezahlt, immerhin fast 2 000 Euro pro Jahr. „Die letzten Besitzer haben sich das angeschaut und waren begeistert, was wir da alles auf die Beine gestellt haben“, erinnert sich der Westerholzer.

Tatsächlich hatten beide Vereine erst vor acht Jahren die Begegnungsstätte in Eigenleistung aufwendig renoviert, mit finanzieller Unterstützung von Gönnern wie der Sparkasse Scheeßel, der Volksbank Wümme-Wieste und dem Lions-Club Scheeßel. Neben einer neuen Küche seien so unter anderem auch neue Böden verlegt worden, erinnert sich Dreyer. Nur habe der Hausverwalter die gar nicht mehr haben wollen, sondern gefordert, die Wohnung wieder in ihren Ursprungszustand zurückzubauen – „das heißt, Fliesen und Laminat wieder raus, Stragula wieder rein.“

Was laut Hillermann aber „das Schärfste“ bei dieser Angelegenheit gewesen sei: „Da soll vor 35 Jahren, bevor die Wohnung zu einem größeren Raum umgebaut worden war, mal eine Zwischenwand drin gewesen sein – die sollte nun auf unsere Kosten wieder eingezogen werden.“ In den damaligen Bauunterlagen sei eine solche Wand in der Tat eingezeichnet gewesen – „nur hat keiner von unseren Mitgliedern, die heute noch leben und den Treffpunkt von Anfang an kennen, sie jemals gesehen.“

Früher Begegnungsstätte, heute Privatwohnung: die Liegenschaft an der Fliederstraße.

Der Osterveseder bringt es schließlich auf den Punkt: „Man hat uns die sprichwörtliche Pistole auf die Brust gesetzt, da gab es nur ein ,entweder oder‘“. Im Oktober vergangenen Jahres sei schließlich die Kündigung des Mietverhältnisses mit der Awo ausgesprochen worden. Inzwischen wohne ein älteres Ehepaar in der wieder zurückgebauten Wohnung.

Und heute? Heute gibt es zwar den VdK in Scheeßel noch (aktuell 343 Mitglieder gehören dem 70 Jahre alten Ortsverband an), die zuletzt mit 23 Mitgliedern im Durchschnittsalter von 75 Jahren „bestückte“ Awo seit Jahresbeginn aber nicht mehr. „Die ganze Geschichte jetzt um die Kündigung hat die Vereinsauflösung nur noch beschleunigt“, weiß Heino Dreyer.

Immerhin: Ein neues Domizil hat der VdK bereits gefunden – am Kreuzberg im Übungszentrum des Männerchors Scheeßel. Der Co-Vorsitzende erinnert sich an eine schwierige Suche: „Wir haben mehrere Versuche gestartet, wollten uns schon in Gastwirtschaften einmieten, im Meyerhof oder im Nötel-Haus – allerdings ohne Erfolg.“ Am Ende habe der Gesangsverein seine Bereitschaft signalisiert. „Der freut sich jetzt, dass wir ein bisschen mehr Leben in die Bude reinbringen.“ Selbst die Gemeinde, freuen sich er und Hans Hillermann, sei unterstützend weiterhin mit an Bord. „Solange wir den Chorbetrieb nicht stören, können wir hier eigentlich tun und machen, was wir wollen“, sagen die beiden VdK‘ler. Und das ist, bei allem faden Beigeschmack, dann doch irgendwie ein Happy End.

VdK plant Aktivitäten

Bis zum Jahresende plant der VdK-Ortsverband Scheeßel drei Veranstaltungen, für die sich die Mitglieder ab sofort bei Heino Dreyer (Telefon 04263 / 8492) oder bei Dieter Martens (04263 /2739) anmelden können. Am Freitag, 27. August, ist am Kreuzberg ab 17 Uhr ein Grillfest vorgesehen. Am Mittwoch, 13. Oktober, steht ab 15 Uhr ein Bingo-Nachmittag mit Vortrag auf dem Programm. Der Referent ist noch nicht bekannt. Zur VdK-Weihnachtsfeier lädt der Vorstand für Freitag, 10. Dezember, in den Meyerhof ein. Es gelten jeweils die aktuellen Corona-Hygieneregeln. Darüber hinaus sucht der VdK noch händeringend Mitspieler für seine wöchentlichen Skatnachmittage. Die finden immer donnerstags in der Zeit von 14.30 bis 18 Uhr im Zentrum am Kreuzberg statt.

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