Neubürger kandidieren

Kommunalwahl in Scheeßel: Neuer Blick auf neue Heimat

Olga Kröger (v.l.), Frank-Michael Embers, Marcus Williams, Claudia Kröger und Raphael Brinkmann vor einem Ortsschild „Scheeßel“.
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Olga Kröger (v.l.), Frank-Michael Embers, Marcus Williams, Claudia Kröger und Raphael Brinkmann ziehen in ihrer Wahlheimat für den SPD-Ortsverband in den Wahlkampf ein.

Die Scheeßeler SPD gönnt sich eine neue Perspektive. Gleich eine Handvoll Zugezogene ist auf den vorderen Listenplätzen zur Gemeinderatswahl am 12. September zu finden. Wir haben uns mit ihnen getroffen, um zu erfahren, was sie verändern wollen.

Scheeßel – Als Scheeßeler gilt man, so besagt es ein Schnack an der Beeke, erst in fünfter Generation. Davon sind einige der Kandidaten, die sich zur diesjährigen Kommunalwahl am 12. September haben aufstellen lassen, weit entfernt. „Frisch zugezogen“, würde man nach Alt-Scheeßeler Maßstäben wohl sagen. Auf den vorderen Listenplätzen der SPD finden sich einige dieser Scheeßeler „Neubürger“. Und wollen ihren Teil zur Zukunft der Beeke-Gemeinde beitragen.

Aber warum sich mit Marcus Williams, Claudia Kröger, Raphael Brinkmann, Olga Kröger und Frank-Michael Embers lauter politische und geografische Neuzugänge im Rat genau engagieren möchten? Einige der eklatanten Zustände im Beekeort hätten einfach danach geschrien, sich einzumischen, bemerkt Claudia Kröger, seit gut einem Jahr an der Doppelspitze des SPD-Ortsvereins – aber nicht ohne ein kleines Schmunzeln.

Denn den Eindruck, der Ort sei nicht lebenswert, will sie wie auch ihre Mitstreiter auf keinen Fall erwecken: „Dies ist ein großartiger Ort zum Leben“, spricht die 36-Jährige allen aus Seele, „nur eben in einigen Bereichen mit Luft nach oben für Veränderungen.“ Bei Kröger war das konkret die Kinderbetreuung, vor allem die Platzvergabe für Kitas und Krippen. Durch den Gemeindeelternrat sei sie in ihre Rolle hineingerutscht, „dann habe ich geguckt, in welcher Partei ich meine Ziele am besten verwirklichen kann“. Dabei unbelastet und vorurteilsfrei in die Gespräche gehen zu können, empfand sie als Vorteil.

Auch für Olga Kröger ist die Kinderbetreuung eines der Wahlkampfthemen mit oberster Priorität: „Wenn ich meinen Kolleginnen aus dem Frankfurter Raum erzähle, dass ich für meinen Sohn mit 20 Monaten noch keinen Krippenplatz habe, können sie das kaum glauben“, erzählt die Ärztin, die in Scheeßel eine Praxis mitbetreibt und erst im Frühjahr zur SPD-Ortsgruppe dazu gestoßen ist. Ebenfalls neu für sie sei die mangelnde Flexibilität und Gesprächsbereitschaft im Rathaus: „Das kannte ich aus Frankfurt ganz anders, und das ist immerhin eine Großstadt, wo viel mehr Leute betreut werden.“

Ähnlich erging es auch Marcus Williams, der vorher in Hamburg gewohnt hatte und hier seinen Traum vom eigenen Haus finanziell verwirklichen konnte. Er würde im Fall seines Einzugs in den Rat die Kommunikation mit den Bürgern verbessern wollen: „Auf Anfragen keinerlei Antwort zu bekommen, das kenne ich aus Hamburg nicht, auch wenn es nur eine E-Mail-Auskunft war.“ Digital, das ist auch für Frank-Michael Embers ein wichtiges Stichwort – nicht nur für die Gemeinde-Website, bei der er sich digitale Formulare oder einen Chat-Bot wünschen würde. Der didaktische Leiter einer Harburger Oberschule hat in seiner Zeit als Anleiter von Studienseminarteilnehmern festgestellt, dass bei den hiesigen Schulen gerade in punkto Ausstattung noch Bedarf bestehe.

Er will sich für eine größere Attraktivität der hiesigen Schullandschaft einsetzen: „Die Gelder sind da, sie müssen nur abgerufen werden.“ Dabei möchte er die guten Erfahrungen, die er in Hamburg, Bremen und im Hannoveraner Umland mit externen Coaches zur Stärkung der Schulen gemacht hat, auch hier zur Stärkung des Bildungsstandorts einbringen.

Der Blick von außen, der Vergleich mit anderen Orten, wo einiges anders – und mitunter auch besser – läuft: ein Vorteil für die Zugezogenen? „Manchmal tut frischer Wind ganz gut“, meint Raphael Brinkmann, der als Einziger vorher schon im Ruhrgebiet parteipolitisch aktiv war und den Empfang durch die hiesigen Genossen „mit offenen Armen“ zu schätzen weiß. Die Akquise neuer Mitglieder und deren Betreuung: Ein Wahlversprechen von Claudia Kröger, das diese auch eingehalten hat, „die Partei hat sich deutlich erneuert.“ Das würde von den „alten Hasen“ auch mitgetragen, wie ein Blick auf die Wahlliste zeige: „Viele Ältere haben bewusst den Jüngeren den Vortritt überlassen“, so die Vorsitzende .

Die Verjüngung spiegelt sich auch in den Themen wider, für die die „Newcomer“ auch vor dem Hintergrund ihrer persönlichen Erfahrungen stehen. Neben Kinderbetreuung und Schule ist das für Williams und Brinkmann auch bezahlbarer Wohnraum oder die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr: „Warum hält nur jeder zweite Metronom in Scheeßel – in Tostedt klappt es doch auch?“, fragt sich zum Beispiel Olga Kröger.

Während Embers die Attraktivität des Orts für den Zuzug von Familien aus dem Umland steigern will, geht es Brinkmann auch um die, die hier schon wohnen. Einig sind sich alle in der Forderung nach mehr Bürgernähe durch die Gemeinde: „Der Bürger sollte als Kunde verstanden werden“, meint Embers. Wichtig ist ihm aber auch zu betonen, dass hier vieles schon sehr gut laufe: „Wir wollen hier keine ganz neue Suppe kochen, sondern sind ein zusätzliches Gewürz.“  

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