Auf zu neuen Sichtweisen

Rathaus-Ausstellungsmotto „Filigranes“ stellt Mitglieder des Fotoclubs Creative auf Probe

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Rosemarie Ullmann (l.) vom Rotenburger Fotoclub Creative freut sich über das rege Interesse der Besucher an der neuen Jahresausstellung im Scheeßeler Rathaus.

Scheeßel - Langweilig wird es schon mal nicht, wenn der Rotenburger Fotoclub Creative seine Jahresausstellung im Scheeßeler Rathaus abhält – dafür sorgt schon die Vielzahl der aktiven Mitglieder, dieses Mal 16, die ihre ganz unterschiedlichen Sichtweisen und Interpretationen zu einem Thema großformatig präsentieren. Das lautete in dieser Runde „Filigran“. „Ein demokratischer Mehrheitsbeschluss, der unter den Vorschlägen sofort einen Konsens erzielte“, erläuterte Vorstandsvorsitzende Rosemarie Ullmann in ihrer Rede.

Dass die Umsetzung des im November ausgerufenen Oberbegriffs sich dann doch schwieriger gestalten sollte als ursprünglich angenommen, habe die aktiven Hobbyfotografen gefordert: „Der einfache Griff ins Archiv tat es nicht – es mussten neue Bilder her, und so soll es ja auch sein“, so Ullmann. Sie schätzt die Zahl der so entstandenen neuen Motive auf rund 80 Prozent – und die haben es in sich, hat doch jeder der ambitionierten Fotografen ganz unterschiedliche Assoziationen zum Thema umgesetzt: Von der Landschaftsfotografie mit Eismustern oder Strukturen bei Pflanzen über Architektur bis zum Innenleben eines Computers reicht die Bandbreite der im Rathaus gezeigten 50 Werke. Letzteres stammt von der Scheeßelerin Jutta Frenzel, seit drei Jahren Mitglied bei den Kreativen. Für ihre erste Ausstellung musste Sohn Fabian seinen „Elektroschrott“ hergeben; das Bild eines Lamellenpilzes mit dem Titel „Gelbes Gift“ ist ein älteres Werk, „das einfach passte“.

Einige Fotografen haben ihre Fotostrecken einem bestimmten Genre gewidmet – etwa die eindrücklichen Strukturen im Bereich der Architektur, die Helmut Fiedler mit dem Inneren eines Tempels, eines Oktoberfestzeltes und der Weihnachtsdekoration im Sony Center festgehalten hatte oder die wunderschön abstrakt gebrochene Astspiegelungen oder die Strukturen im Sand durch Ebbe und Flut von Hannelore Piehl-Raschke – „da muss man schon zwei Mal hingucken, bevor man sieht, was das eigentlich ist“, meinte die Gastgeberin, Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele.

Das technische Niveau ist hoch, gezielt mit Unschärfe gearbeitet und ein traumgleiches Szenario hat Regina Scheller mit ihrer Streckerspinne geschaffen. „Ich wusste erst gar nicht, was das genau ist und musste erstmal googeln“, so die Lauenbrückerin, die auch mit ihrem Wasserfederballett bei der Tierfotografie geblieben ist.

Breiter aufgestellt hat sich der Jeersdorfer Olaf Gay mit Aufnahmen aus dem Weserpark, Halmen und einem Spinnennetz. Auch er hat sich mit der Umsetzung des Filigranen zunächst schwergetan. Als er bei der Arbeit auf einem Schrottplatz in Hittfeld ein Spinnennetz entdeckte, war der Knoten geplatzt. Für ihn das Wichtigste: „Das Motiv im richtigen Moment zu erkennen.“ Das ist vielen hier gelungen – entsprechend angetan zeigten sich die Besucher: „Da wird einem gut vor Augen geführt, dass das, was man selbst macht, bestenfalls Knipserei ist“, so Besucher Jochen Proeck begeistert. Die Begeisterung bei der Vernissage war jedoch keineswegs einseitig: „Wir kommen immer wieder gern her“, betonte Ullmann, „nicht nur wegen der schönen Atmosphäre, sondern auch, weil wir hier genügend Platz haben, die große Bandbreite unseres Schaffens zu präsentieren.“ hey

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