Maren Kuls blickt auf ein Jahr Freiwilligendienst zurück

„Neue Möglichkeiten für beruflichen Lebensweg“

Maren Kuls aus Lauenbrück hat dank eines freiwilligen sozialen Jahrs als „Bufdi“ an der Grundschule Scheeßel Impulse für die berufliche Weichenstellung bekommen: Die 20-Jährige möchte auch später im pädagogischen oder sozialen Bereich tätig sein. - Foto: hey

Scheeßel - Wenn Maren Kuls dieser Tage in den Sommerferien an „ihrem“ Arbeitsplatz statt durch das Gewusel tobender Kinder über einen verwaisten Schulhof geht, bevor sie dem Hausmeister zur Hand geht, wird die Lauenbrückerin fast ein bisschen wehmütig. Ein Jahr lang hat sie als erster „Bufdi“ an der Grundschule Scheeßel gewirkt, hat in den fünften Stunden oder Nachmittags die Betreuung übernommen, Pausenaufsichten geschoben, AGs geleitet, als Zweitkraft in der offenen Eingangsstufe geholfen oder auch mal allein die Aufsicht in den höheren Klassen übernommen – und nebenbei ihre Berufung gefunden.

Denn dass die 20-Jährige nun weiss, dass sie nach dem Jahr Bundesfreiwilligendienst beruflich ein Lehramtsstudium anstreben möchte, war noch vor elf Monaten völlig undenkbar. „Eigentlich wollte ich nach dem Abi eine Ausbildung zur Mediengestalterin, -designerin oder Bürokraft absolvieren“, meint Kuls. Nachdem keine der Bewerbungen fruchtete, sah sie im Internet auf der Website der Gemeinde Scheeßel eine Stellenausschreibung für den ersten „Bufdi“ in der Grundschule – die Erfahrungen der Vorjahre mit Praktikanten seien so positiv gewesen, „dass sich das, gerade im Hinblick auf die Offene Eingangsstufe, geradezu anbot“, so die pädagogische Mitarbeiterin Gabriele Villwock. Kuls fühlte sich angesprochen und griff zum Telefonhörer, „eigentlich war das eher spontan.“ Und dann ging alles ganz schnell: Noch am selben Tag nahm sie telefonisch Kontakt zur Schulleiterin auf, die sie für den kommenden Tag zum Vorstellungsgespräch einlud.

„Nicht alles war ein Zuckerschlecken“

Dort vermochte die Abiturientin des Ratsgymnasiums zu überzeugen; noch vor Ort gab Rektorin Meike Nerding-Ehlbeck grünes Licht für das Freiwilligenjahr, „die schriftliche nachgereichte Bewerbung war eigentlich nur noch pro forma.“ Im Nachhinein meint Kuls: „Es war, als ob das Schicksal die Hand im Spiel gehabt hätte.“

Was folgte, waren intensive Einblicke in den ganz normalen Arbeitstag von Pädagogen: Bei Nachmittagsbetreuung, der eigenverantwortlichen Leitung von Koch- und Bastel-AGs oder der Betreuung eines Polen-Austauschs inklusive Reise zur Partnerschule in Zielona Gora, wo sie sich, wie auch in der heimischen Schule, gut aufgehoben fühlte.

Die Auslandsreise – Krönung eines erlebnis- und arbeitsreichen Jahres? „Das war schon toll – aber ein Höhepunkt war eigentlich jeder Tag, den ich mit den Kindern verbringen durfte“, meint Kuls, und erinnert sich an ihren Geburtstag: „Da waren die Kinder meiner Bastel-AG so verdächtig still und ich dachte schon: „Was die wohl aushecken?“

Als sie die Tür öffnete, schallte ihr ein Geburtstagsständchen entgegen; die Kinder hatten eine Karte gebastelt, einer einen Kuchen gebacken („Das war schon der dritte, die ersten waren danebengegangen“).

Nicht alles war Zuckerschlecken; „In einer guten halben Stunde beim Kochen etwas in so kurzer Zeit mit wenig Geld zu schaffen, ist schon sportlich“, erinnert sich Kuls. Anfänglich musste sie erst lernen, sich durchzusetzen, Autoritätsprobleme habe es aber nie gegeben: „Die Kollegen haben von Anfang an genau geschaut, was sie einem zumuten konnten.“ Ein wehmütiger Moment war vor einigen Wochen die Verabschiedung der Viertklässler: „Man ist doch ganz schön zusammen gewachsen“.

Nur noch zwei Wochen wird sie an der Grundschule mit den Schülern Umgang haben; Ende August ist das Freiwillige Soziale Jahr schon wieder rum. Während Lehramt noch vor einem Jahr für die aufgeweckte junge Frau nicht in Frage gekommen wäre – „Ich hatte es vorher einfach nicht auf der Kappe, beruflich etwas mit Kindern zu tun zu haben“, und das Freiwillige Soziale Jahr eher als Überbrückung gedacht hatte, ist sie heute sicher, ihre berufliche Zukunft gefunden zu haben: „Das Jahr hat mir ganz neue Möglichkeiten für meinen beruflichen Lebensweg eröffnet. Im Unterschied zum vergangenen Sommer weiß ich nun genau, was auf mich zukommt. Was jetzt folgt? Bewerbungen an den verschiedenen Unis.“ Das Gute ist: Das freiwillige Jahr an der Grundschule Scheeßel wird bei den meisten Unis positiv angerechnet.

hey

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