Nachwuchswerbung mit Beigeschmack

Stipendien für Schüler in der Erzieherausbildung in der Diskussion

Ob die Gemeinde Fachschüler in den Erzieherberufen künftig finanziell unter die Arme greift oder nicht, bleibt abzuwarten. - Foto: imago
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Ob die Gemeinde Fachschüler in den Erzieherberufen künftig finanziell unter die Arme greift oder nicht, bleibt abzuwarten.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Die Idee der SPD/UGS-Gruppe klingt eigentlich vernünftig: Warum nicht in Zeiten, in denen es auch für die Gemeinde Scheeßel immer schwieriger wird, geeignetes Fachkräftepersonal für ihre Kindergärten und Krippen zu finden, Schüler der pädagogischen Fachschulen, deren Ausbildung noch immer nicht vergütet wird, mit Stipendien unterstützen, um so den Einstieg in den Erzieherberuf attraktiver zu gestalten?

Ein entsprechender Antrag zur Nachwuchswerbung, die aus Haushaltsmitteln bestritten werden könnte, liegt vor und wurde jetzt im Sozialausschuss recht leidenschaftlich diskutiert.

Nicht abwarten und Tee trinken, sondern in der Sache vorankommen, den ersten Schritt machen – darum würde es seiner Gruppe gehen, gab Marc Ostrowski (SPD) eingangs zu verstehen. 

Dabei sei die Idee, zwei in der Ausbildung befindlichen Sozialassistenten eine monatliche Vergütung von je 450 Euro und zwei Erziehern je 750 Euro als Anreiz aufs Konto zu überweisen, keineswegs neu, bemerkte, der Ratsherr. Auch andernorts würden einige Kommunen und Landkreise schon eine Art Stipendienprogramm anbieten, in unterschiedlichsten Ausprägungen.

Allerdings, und da lag für die Vertreter anderer Fraktionen der Hase im Pfeffer: Als Bedingung sollen nach Ansicht der SPD und UGS Schüler ihre Praktika in gemeindeeigenen Einrichtungen ableisten, in der Ferienzeit, sollte Not am Mann sein, als Springkraft Spalier stehen und sich darüber hinaus verpflichten, am Ende ihrer Ausbildungszeit für mindestens drei Jahre fest für die Gemeinde zu arbeiten. Eine Grauzone, in der man sich da bewege, gab Arthur Lempert (Bündnis 90/Die Grüne) zu bedenken: „Wir finanzieren bestimmten Leuten über das Stipendium die Ausbildung, die können sich aber durchaus am Ende für eine andere Kommune entscheiden.“

Noch schärfer äußerte sich Reinhard Frick (CDU): „Wenn jemand so einen Antrag stellt, sollte er sich erkundigen, ob das überhaupt rechtlich möglich ist.“ Die von der Gruppe geforderten Gegenleistungen seien jedenfalls allesamt illusorisch.

Dem setzte Ostrowski entgegen, dass andere Kommunen es ja auch schon so umgesetzt hätten. „Das von Anfang an niederzumachen, finde ich unmöglich.“ Rückendeckung erhielt er von seiner Parteikollegin Bettina MacGregor: Sie selbst sei Volljuristin und sehe keine Probleme. Die Beschlussvorlage der Verwaltung, in der eben auch die Rechtmäßigkeit solcher Bedingungen infrage gestellt wird, sei ihren Worten nach „das Machwerk eines juristischen Dilettanten und kompletter Schwachsinn“.

Dass tatsächlich einige Gemeinden so vorgehen würden, bestätigte Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU). „Da mag jeder seine eigene Haltung zu haben, ich werde für meinen Teil aber rechtswidrigen Ding tun – und das ist eindeutig rechtswidrig.“ Den Vorwurf des Dilettantismus wies die Verwaltungschefin entschieden zurück: „Als Volljuristin kann uns ja Frau MacGregor ausarbeiten, wie das rechtssicher funktionieren kann.“

Womöglich wird die Ostervesederin das auch. Denn mehrheitlich, mit einer Gegenstimme von Reinhard Frick, empfahl der Fachausschuss schlussendlich, die Verwaltung mit weiteren konzeptionellen Überlegungen zu einer Förderung von Schülern der pädagogischen Fachschule zu beauftragen und diese zur erneuten Beratung den Politikern vorzulegen.

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