Von A wie Ackerrandstreifen bis W wie Windkraft

Wie nachhaltig ist die Gemeinde?

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Seit rund sechs Jahren sät die Gemeinde auf nicht verpachteten Flächen bienenfreundliche Blumensaatmischungen. So wie hier an der Mühlenstraße.

Scheeßel – In den sozialen Medien kursieren Videos von Menschen, die sich der Müllflut annehmen und sich aus freien Stücken einen Abschnitt ihrer Heimat vornehmen und von Unrat befreien.

Insofern könnte die Gemeinde, die am Samstag zum 16. Mal in Kooperation mit der Freiwilligen Feuerwehr zur Aktion „Scheeßel räumt auf“ aufruft, glatt als Trendsetter durchgehen. Gemeinsam mit Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU), die die Aktion ins Leben rief, gingen wir der Frage nach: Wie nachhaltig ist Scheeßel eigentlich? Eine Analyse.

Müllsammlung

Die ursprünglich nur von den Kameraden rund ums Feuerwehrhaus durchgeführte Aktion wurde ab 2004 in Kooperation auf die Ausfallstraßen des Kernorts ausgeweitet. „Mich hatte die Aktion auf den Dörfern beeindruckt“, sagt die Bürgermeisterin. Seitdem sammeln im Durchschnitt 70 Kameraden, Vertreter der Vereine und Familien. „Das freut mich besonders“, so Käthe Dittmer-Scheele.

Biogas

Im Kernort ist eine ganze Reihe öffentlicher Gebäude ans Abwärmesystem zweier Biogasanlagen privater Betreibergesellschaften angeschlossen, darunter das Sporthaus, die Bücherei, die drei Schulen und die Kindergärten Beekestieg und Schulstraße. Besonders beliebt ist das Beekebad als Abnehmer der anfallenden Abwärme – wo sonst würde im Sommer Wärmeenergie gebraucht? Eine Win-Win-Situation, allerdings auch eine, die ihre Grenzen haben könnte: „Als Gemeinde muss man darauf achten, dass gewerbliche Nutzungen auf öffentlichen Flächen wie etwa einem Schulgelände kritisch zu sehen sind, auch weil Präzedenzfälle geschaffen werden könnten.“

Windkraft

Mehrere Anlagen privater Betreiber in Westeresch, Bartelsdorf und Wohlsdorf, darunter eine auf Gemeindegrund, speisen Strom ins Netz ein, und nicht gerade wenig: „Die Menge würde den Strombedarf aller Haushalte in der Gemeinde mehr als decken“, weiß die Bürgermeisterin, „würde es sich um Grundlast handeln, so wären wir mehr als vollversorgt.“

Blühstreifen

Seit rund sechs Jahren sät die Gemeinde auf nicht verpachteten Flächen bienenfreundliche Blumensaatmischungen, unter anderem am Friedhof, im Amtsvogteipark und in der Poststraße, „eigentlich immer, wenn sich die Gelegenheit ergibt“, so die Rathauschefin. In diesem Jahr kommt erstmals eine Fläche mit Sonnenblumen zwischen Jeersdorf und Westeresch hinzu.

Ackerrandstreifen

Deren Kontrolle ist auch in der Gemeinde Scheeßel ein Thema – noch dazu eins, dessen Ermittlung sich recht aufwendig gestaltet. Um Verstöße, „teils aus Unkenntnis, teils absichtlich“, gemeinsam mit den „Akteuren“ zu beseitigen, werde GPS-Kartenmaterial ausgewertet. „Konkreten Anzeigen gehen wir schon jetzt nach“, meint Dittmer-Scheele, und verspricht: „Wir sind an dem Thema dran!“

Energieeinsparungen

Ein Bereich, in dem die Gemeinde in den vergangenen Jahren eifrig investiert habe. „Der Verbrauch in unseren Liegenschaften und Einrichtungen wie Kindergärten oder Achs wird vor Ort überwacht – so merkt man schnell, wenn irgendwo der Verbrauch aus dem Ruder läuft.“ Bedarf sieht sie bei der Straßenbeleuchtung – sie soll in näherer Zukunft auf Energiesparlampen umgestellt werden.

Biotonne

Sie gibt es in Scheeßel (noch) nicht. „Das ist eine Landkreisentscheidung, die dort unlängst schon zur Diskussion gestellt wurde“, so Dittmer-Scheele.

Tankstellen für Elektroautos

Hier muss unsere Interviewpartnerin vorerst passen. „Befasst haben wir uns in der Verwaltung schon mit dem Thema, es aber vorerst zugunsten anderer Prioritäten wie den Bauarbeiten zur Umgestaltung des Rathauses verworfen.“ Langfristig sei dies sicherlich ein Ziel, beispielsweise am Bahnhof. „Aber im Moment fehlen uns einfach die Kapazitäten.“

Nachhaltigkeit im Rathaus

Seit einigen Jahren hat die Mülltrennung auch im Rathaus Einzug gehalten. Zur Arbeit fahren die Chefin und auch einige Mitarbeiter umweltbewusst mit dem Rad. Ein entscheidender Beitrag zur Papiervermeidung: die Einführung von „iPads“ für die Ratsmitglieder. Denen spricht Dittmer-Scheele ein großes Lob aus: „Nach acht Wochen lief es ganz ohne Ausdrucke!“

Obstbäume

Hier punktet die Gemeinde – nicht nur mit den beiden Obstbaumwiesen, sondern auch mit dem Obstbaum zur Einschulung, die sie 2001 wieder aufleben ließ. Besonders rührend: „Ein Abc-Schütze hatte mir das erste Obst versprochen – einige Jahre später brachte er mir die erste Kirsche vorbei.“

Fazit

Auf die Frage, ob die Gemeinde nachhaltig sei, meint sie: „Wir geben uns Mühe. Nachhaltigkeit heißt, immer wieder neu zu gucken.“ Man sei durchaus gut aufgestellt, „zufrieden kann man aber nie sein, Verbesserungsbedarf gibt es immer.“  

hey

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