Nach dem Brand in Bartelsdorf steht Landwirt Henning Meyer vor dem Ruin

„Ein Schlag ins Gesicht“

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Die Polizei hat den Schaden auf eine halbe Million Euro.

Von Ulla Heyne. 80 Tiere starben am vergangenen Mittwoch, als zwei Schweineställe in Bartelsdorf bei einem Feuer komplett zerstört wurden. Die Suche nach den Tätern läuft. Wie es mit seinem Betrieb nun weitergeht, das erzählt Landwirt Henning Meyer im Gespräch mit unserer Zeitung.

Können Sie schildern, wie Sie von dem Brand ihres Schweinestalls erfahren haben?

Henning Meyer: Als Ortsbrandmeister habe ich über Meldeempfänger einen Alarm gekriegt, in dem stand: Großbrand und dann meine Adresse. Da habe ich aus dem Fenster geguckt und den Feuerschein über dem Stall gesehen. Dann habe ich meine Schutzkleidung angelegt. Als ich zum Stall kam, sind die ersten drei Sauen durch die geschlossene Tür gesprungen. Die haben schon gebrannt und mussten hinterher eingeschläfert werden.

Wie ging es weiter?

Meyer: Als die ersten beiden Wehren hier aus Bartelsdorf und Wohlsdorf kamen, habe ich sie gleich eingewiesen, das Nebengebäude zu sichern. 24 Sauen von 100 konnten wir herausholen. Davon haben 16 überlebt.

Sie waren ja gleichzeitig Betroffener und als Ortsbrandmeister Helfer – denkt man da eher an den Hof oder nur an das, was zu tun ist?

Meyer: Man denkt zunächst: „Was können wir retten?“ Da müssen wir anfangen. Ein Stallgebäude und das Wohngebäude konnten wir retten, das war die Hauptaufgabe. So habe ich auch die Ortsfeuerwehren eingewiesen: Hier müsst Ihr eingreifen – alle nachkommenden Wehren haben sich um den Rest gekümmert. …. Als erstes habe ich dafür gesorgt, dass Gasleitungen und Stromversorgungen aus sind, - deshalb habe ich auch den ganzen Morgen nicht als Feuerwehrmann gearbeitet, sondern eher als Koordinator: Wer muss was wissen? Wem welche Gegebenheiten erklären? Wo könnt Ihr rein, wo auf keinen Fall, weil die Decke runter kommt; so ging das von morgens um 4 bis nachmittags um 14 Uhr, abends um 18 Uhr haben wir das letzte Mal abgelöscht.

Also rückt in dem Moment in den Hintergrund, dass man ja eigentlich der eigene Hof ist…?

Meyer: In dem Moment nicht an seinen Betrieb oder an seine Tiere – das habe ich bis heute noch nicht geschafft, mich damit richtig auseinander zu setzen. Seit dem Brand steht man permanent unter Druck: Versicherung, Gutachter, Polizei…

Angesichts all dessen, was passiert ist – haben Sie bis jetzt überhaupt schon Zeit gehabt zu begreifen, was da überhaupt passiert ist?

Meyer: Nein, nicht wirklich. Gestern Mittag hatte ich mal Zeit, Druck abzulassen und habe geweint. Und gestern Abend, als die die vielen Mitteilungen von Bekannten und Freunden gelesen habe…. Oder wenn meine Mutter beim Essen erzählt, wer alles angerufen hat und wer alles helfen will … Aber verarbeitet habe ich das Ganze noch nicht. Heute Mittag hat die Spurensicherung den Hof zum Aufräumen freigegeben. Jetzt ist erstmal wichtig: Hauptsache, dass das aufhört, dass der Gestank weg ist.

Was wohl alle fassungslos gemacht hat, ist der Verdacht, dass selbst ernannte Tierschützer den Brand gelegt haben. Können sie sich vorstellen, wer so etwas tut?

Meyer: Dazu kann ich gar nichts sagen – ich habe mit niemandem Probleme, keine Auseinandersetzungen mit Tierschützern. Im Gegenteil: Ich habe ganz viel Öffentlichkeitsarbeit betrieben, zu Feldrundfahrten eingeladen, die Ställe für Besucher geöffnet. Mein Betrieb konnte zu jeder Zeit besucht werden. Wenn der Kreistierarzt sich angemeldet hat und morgens um 11 Uhr wissen wollte: „Wann könnte ich denn kommen“ und ich sagte: „Heute Nachmittag“, war er ganz baff. Ich brauche nicht zu aufzuräumen – bei mir kann jeden Tag jemand reinkommen.

Also kam der Brandanschlag, worauf gegenwärtig ja alles hindeutet, aus heiterem Himmel? Hat es nie Anfeindungen von Tierschützern gegeben?

Meyer: Nein. Ich weiß nicht, was das für ein Mensch sein muss. Das kann man sich überhaupt nicht vorstellen. Die 120 Sauen waren alle tragend. 60 von ihnen hätten nächste Woche ferkeln müssen. Das ist Hardcore.

Ihr Betrieb galt in der Nachbarschaft sogar als vorbildlich…

In dem Bereich, der gebrannt hat, waren alle Sauen freilaufend. Das ist zwei Jahren Gesetzesvorlage, dafür habe ich vor zwei Jahren investiert. Wir haben im Hinblick auf das Tierwohl bei der Ferkelumzucht auf Stroh umgestellt. Das war alles ordnungsgemäß. Insofern haben die gar keinen Grund gehabt, mir so etwas anzutun.

Wie geht es weiter?

Meyer: Das weiß ich nicht. Das muss man erstmal alles verarbeiten. Grundsätzlich ist das für mich der Ruin. Seit 1987 arbeite ich hier auf dem Hof, habe alles aufgebaut, zuletzt der große Umbau vor zwei Jahren… 128 Sauenplätze sind weg, die Hälfte meiner Kapazität. Das ist für mich ein Schlag ins Gesicht. Das Problem war in der Sauenzucht immer: Immer wenn man dachte, jetzt ist mal Ruhe, dann kam die nächste Geschichte: Ein gewaltiges Preistief oder neue Auflagen.

Die Versicherung rechnet damit, dass wir frühestens in einem Jahr wieder produktionsfähig sein können. Nach einem Feuer muss alles neu genehmigt werden – wer weiß, wie lange so etwas dauern kann.

Ist denn alles versichert?

Meyer: Schon. Aber der Ferkelpreis ist so schlecht, dass wir eh schon minus gemacht haben. Die Versicherungen ersetzen natürlich nur die aktuellen Preise. Ich habe auch keinen Wert, was eine Sau in diesem Status kostet. Die eine Hälfte war 65 Tage tragend, die andere 105. In guten Jahren kann man so einen Schlag in drei Jahren wieder aufholen. Aber wenn das Jahr sowieso so knapp läuft, dauert es mindestens fünf – und wer weiß, was in der Zeit passiert. Man weiß ja nicht, was in der Politik abgeht.

Ist es überhaupt denkbar, unbelastet weiterzumachen – solange der Täter nicht gefasst ist?

Meyer: Das ist genau der Punkt, der mich umtreibt. Leute fragen mich oft: „Wie geht es dir?“ Jeden Tag schlechter. Der erste Tag war stressig, gestern hatte ich auch noch bis in den späten Abend zu tun. Ich glaube, das kommt erst, wenn man zum Nachdenken kommt und in die Zukunft blickt.

Andererseits haben wir eine Menge Zuspruch erfahren. Von Dorfbewohnern, die den Feuerwehrleuten Getränke und Verpflegung gebracht haben, von Bekannten, die mir geschrieben haben oder anrufen, die ihre Unterstützung anbieten und signalisieren: „Wir stehen hinter dir.“ Sogar Zugezogene, die man sonst nur vom Sehen kannte – alle haben geholfen. Der Alarm kam um 4.08 Uhr. Um halb fünf standen die ersten mit Kaffeekannen vor der Tür. Auswärtige, die das mitbekommen haben, haben gesagt: „Das haben wir so noch nicht erlebt!“

Für diese Unterstützung gilt den Nachbarn, Bekannten, Ortsbewohnern, aber auch den Feuerwehrleuten mein großer Dank.

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