Vize Hilken geht ebenfalls

Nach 30 Jahren ist Schluss: Reinhard Frick, Ortsbürgermeister von Hetzwege und Abbendorf, legt Amt nieder

Haben jahrzehntelang die Geschicke von Hetzwege und Abbendorf mitgelenkt: Ortsbürgermeister Reinhard Frick (r.) und sein Stellvertreter Hermann Hilken. Demnächst gehen beide in politische Rente.
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Haben jahrzehntelang die Geschicke von Hetzwege und Abbendorf mitgelenkt: Ortsbürgermeister Reinhard Frick (r.) und sein Stellvertreter Hermann Hilken. Demnächst gehen beide in politische Rente.

Hetzwege/Abbendorf – Als Reinhard Frick Ortsbürgermeister wurde in Hetzwege und Abbendorf, bestimmten das Weltgeschehen vor allem der zweite Golfkrieg, die Kriege im ehemaligen Jugoslawien und die endgültige Auflösung der Sowjetunion. Nicht zu vergessen: In den Ötztaler Alpen entdeckten Wanderer eine Steinzeit-Mumie, die unter dem Namen „Ötzi“ Berühmtheit erlangen sollte. Und: Der Deutsche Bundestag beschloss den Umzug von Bonn nach Berlin. 30 Jahre ist das nun her. „Hätte mir damals jemand gesagt, ich würde mich mal derart lange im Amt halten, hätte ich ihm wohl den Vogel gezeigt – in Gedanken, versteht sich“, sagt der heute 73-Jährige. Und da ist es wieder, dieses für ihn typisch leicht schelmische Grinsen.

Keine Frage: Wenn sich Mitte November für die benachbarten Dörfer der neue Ortsrat konstituiert, dann endet ganz offiziell auch eine Ära: Vier Jahrzehnte kommunalpolitisches Engagement, davon drei Jahrzehnte Ortsbürgermeister und ebenso lange Mitglied im Scheeßeler Gemeinderat – das muss dem CDU-Mann, der, wie er angibt, bei der letzten Kommunalwahl ganz bewusst nicht wieder für ein politisches Amt kandidiert habe, erst mal einer nachmachen. Er selbst, so Frick, werde der Sitzung natürlich noch als Wahlleiter beiwohnen. So verlangen es die Statuten. „Danach ziehe ich aber einen Schlussstrich.“ Wer sein Nachfolger respektive seine Nachfolgerin wird? „Es gibt da schon eine Interessentin“, sagt der pensionierte Lehrer. Festgezurrt sei die Personalie derweil noch nicht.

Dass in der Politik tatsächlich auch echte Freundschaften entstehen können, beweist sein Verhältnis zum Parteikollegen Hermann Hilken (69). Der Abbendorfer, ganze 20 Jahre als stellvertretender Ortsbürgermeister an Fricks Seite, blickt auf eine ähnlich lange Gremienarbeit zurück, in Scheeßel wie auch in Abbendorf und Hetzwege. Beide vertrauen sie sich blind – ein eingespieltes Team wie aus dem Bilderbuch. „Wir haben uns immer gegenseitig unterstützt, Reibereien hat es zwischen uns eigentlich nie gegeben“, bemerkt der frühere Maurer, der nun ebenfalls der Kommunalpolitik Lebewohl sagt. Ohnehin, ergänzt Frick, sei das Miteinander im Ortsrat bis auf wenige Momentaufnahmen stets von konstruktiver Harmonie geprägt gewesen – etwas, was er im Gemeinderat, dessen Vorsitzender er die letzten fünf Jahre war, persönlich zuletzt schon sehr vermisst habe. „Ich werde das Gefühl nicht los, dass manche Leute lieber kämpfen und nicht diskutieren wollen – und das ist wirklich schade.“

Ich werde das Gefühl nicht los, dass manche Leute lieber kämpfen und nicht diskutieren wollen – und das ist wirklich schade.

Reinhard Frick

Auch das Persönliche, so die Beobachtung der politischen Urgesteine, sei in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten doch immer mehr in den Hintergrund gerückt. Hilken etwa erinnert sich: „Früher ist man nach Sitzungen noch gemeinsam in die Kneipe gegangen und hat dort auch noch ein bisschen Politik gemacht – heute ist das Zwischenmenschliche fast weg.“

Immerhin: Was das Mitspracherecht der Ortsräte anbelangt, habe hier laut Reinhard Frick auch eine positive Entwicklung stattgefunden: „Als wir beide 1981 als Frischlinge dazugestoßen sind, und damit keine zehn Jahre nach der Gebietsreform, konnten die Ortsräte wirklich noch sehr wenig bewirken – Gott sei Dank hat sich das im Laufe der Zeit geändert, man findet im Gemeinderat durchweg Gehör.“ Ein Verdienst, an dem er und Hilken nicht ganz unschuldig gewesen seien.

Viele die beiden Dörfer prägende Projekte haben der bald scheidende Ortsbürgermeister und sein ebenfalls bald das Amt verlassene Stellvertreter angestoßen oder mitbegleitet – so viele, dass sie aufgelistet gleich zwei ganze DIN-A4-Seiten füllen. Und das sind nur einige Meilensteine – angefangen von der Entwicklung des Abbendorfer Baugebiets Am Boormfeld über die Gründung des Kulturvereins Hekiswidi bis hin zur Grundschulerweiterung und dem Radweg nach Hesedorf. Nur allzu gerne erinnert sich Reinhard Frick an seine erste größere „Baustelle“ im Amt des Ortsbürgermeisters zurück, die ihn Jahre zuvor unter anderem auch dazu veranlasst hätten, überhaupt in die Politik zu gehen: „Ich wollte schon immer gerne hinter dem Hetzweger Friedhof ein Feldgehölz als Windschutz anlegen.“ Das Gehölz kam – im Rahmen einer Erweiterung des Gottesackers um knapp die Hälfte mitsamt neuer Hecke und Zaun.

Überhaupt seien es immer wieder Friedhofsangelegenheiten gewesen, die ihn über die Jahre in seiner Funktion begleitet hätten. Eine wichtige Aufgabe, wie der 73-Jährige betont. „Der Ortsrat darf ja auch die Beiträge festlegen, nein, er muss es sogar.“ Und dann seien da ja auch noch Zuschüsse, die man den örtlichen Vereinen aus dem Ortsratsbudget gewähre – für ihn ein wichtiges Instrument, um das Dorfleben intakt zu halten.

Ihm selbst habe das Amt, an dem selbstverständlich Arbeit und Verantwortung hängen würden („Es reicht nicht, nur dazusitzen und Bürgermeister zu spielen“), immer sehr viel Spaß bereitet – in guten wie in weniger guten Zeiten. Nur irgendwann sei es auch mal an der Zeit, das Feld Jüngeren zu überlassen, sagt Frick. Und Hermann Hilken nickt zustimmend. Reinquatschen wolle er seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin übrigens nicht. „Ich werde von außen auch keine Tipps geben, wenn ich nicht gefragt werde.“ Wenigstens die jährlichen Lichtmess-Veranstaltungen, in denen die Einwohner aus Hetzwege und Abbendorf sich über aktuelle Themen austauschen, wollen Frick und Hilken auch in Zukunft noch besuchen – dann aus einer anderen Perspektive.

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