Mehr Leben auf dem Friedhof

Nabu und Kirchengemeinde kooperieren für Biotop-Projekt

Friedhofsverwalterin Renate Trau (v.l.), Kirchenvorstandsmitglied Friederike Mahnken, Pastor Hartmut Nack und Nabu-Vorsitzender Roland Meyer auf bislang eintönigen Rasenflächen des Friedhofs.
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Neuer Lebensräume schaffen Friedhofsverwalterin Renate Trau (v.l.), Kirchenvorstandsmitglied Friederike Mahnken, Pastor Hartmut Nack und Nabu-Vorsitzender Roland Meyer auf bislang eintönigen Rasenflächen.

Im Beekeort stellen der Nabu und die Scheeßeler Kirchengemeinde gemeinsam ein Projekt auf die Beine: Die Friedhöfe sollen ökologisch aufgewertet werden und erhalten neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Das könnte Vorbildcharakter haben, erhoffen sich beide Seiten.

Scheeßel – Auf den beiden Scheeßeler Friedhöfen am Veerser Weg und am Leehopweg herrscht neben den Gräbern vor allem eines vor: grün. Meistens aber ist das schlicht Rasen – der ist pflegeleicht, aber sehr monoton. Deswegen soll sich das ändern: Der Rotenburger Nabu sowie die Scheeßeler Kirchengemeinde arbeiten zusammen, um fünf Biotope auf verschiedenen Flächen der Friedhöfe zu schaffen. Wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen werden es, sagt Nabu-Vorsitzender Roland Meyer bei einem Pressetermin vor Ort.

Die Biotope erhalten so klangvolle Namen wie „An der Heide“, „Bei den Steinen“, „Durch die Büsche“ und „Am Wasser“. Jedes erhält einen entsprechenden Schwerpunkt. So wird es in einem einen kleinen Teich geben, um den Wege führen. Andere Elemente sind Steinhaufen, Büsche, Beete oder Kräuterreihen. Dafür werden einheimische Sorten gewählt. Bänke laden zum Ausruhen und Betrachten ein. Auch für Schulklassen und Konfirmanden wird es spannend sein, zu sehen, was sich in der Natur tut, ist Meyer sicher.

Durch einen Wandel in der Bestattungskultur wird immer weniger Platz für Grabstellen benötigt. Viele bevorzugen Urnenbestattungen. „Auf den freien Flächen wollen wir daher etwas für die Natur tun“, sagt Friedhofsverwalterin Renate Trau, von der die Idee stammt. Dennoch sind nach wie vor viele Menschen auf den Friedhöfen unterwegs, er ist auch ein Treffpunkt – einer, der nun aufgewertet wird.

Für die Gestaltung hat das Team um Meyer, Trau, Kirchenvorstandsmitglied Friederike Mahnken sowie Pastor Hartmut Nack den Gartengestalter und Pädagogen Hein Benjes aus Hellwege ins Boot geholt. Dieser hat seine Ideen und Erfahrungen einfließen lassen. Denn bei dem Projekt ist vor allem eines allen Beteiligten wichtig: „Wir wollen die Biotope sensibel in das Gelände mit den zum Teil noch belegten Grabstellen einbetten“, erklärt Nack. „Und es ist kompliziert, denn Friedhöfe sind sehr kleinteilig“, fügt Trau hinzu.

Der Nabu und die Kirchengemeinde haben bereits Karten erstellt, die zeigen, wie die Biotope einmal aussehen werden. So wird es künftig statt viel Rasen viel Blühendes und Tiere zu sehen geben.

Seit mehreren Monaten bereiten sie die Umgestaltung vor. Jetzt ist der Grundstein gelegt, der Friedhofsausschuss und der Kirchenvorstand haben grünes Licht gegeben. Und die Finanzierung steht: Mehr als 33 000 Euro stehen zur Verfügung. Der größte Teil stammt mit 12 000 Euro von der Niedersächsischen Bingo Umweltstiftung. Sie fördert das Vorhaben, weil sich Friedhöfe gut für Biotope aus zweiter Hand eignen. „Der Druck auf die Landschaft durch Straßen- und Siedlungsbau sowie durch intensive Land- und Forstwirtschaft führt zu einem Verlust an wertvollen Biotopen, der durch ökologisch gestaltete Friedhöfe gemildert werden kann“, so Geschäftsführer Karsten Behr. Zusätzlich steuert die Kirchengemeinde einen Eigenanteil von etwa 18 000 Euro aus dem Freiwilligen Kirchgeld bei, 1 500 Euro gibt es von der Stiftung der Sparkasse Scheeßel und weitere 2 000 Euro vom Nabu.

Wenn die Pandemie es zulässt, soll der Startschuss für den Biotop-Bau im September fallen. Dafür suchen die Verantwortlichen Helfer. Vieles wird in Eigenregie gemacht, so Trau – auch, wenn es nicht ohne Profis geht, zum Beispiel für das Ausheben des Teichs. Interessierte können sich bei Trau (04263/ 984559) oder Nabu-Ehrenamtskoordinatorin Carola Hoppe (04263 / 6757894) melden.

Wenn alles klappt wie geplant, sind die Biotope bis Herbst 2022 fertig. Um die fertigen Biotope kümmert sich dann die Friedhofsgärtnerei mit. „Sie sollen Freude wecken, es wird deutlich bunter“, so Meyer. Er erhofft sich eine nachhaltige Wirkung: Dass sich Besucher für eine naturnahe Gestaltung ihrer eigenen Gärten inspirieren lassen. „Flächen für Naturschutz sind knapp.“ Deswegen sei es wichtig, die Friedhofsgänger aufzuklären: Dafür werden Schilder an den Biotopen platziert.

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