„Es muss, mehr denn je“

„Beekelöwen“ planen zum Tag der Kinderhospizarbeit so viele Aktionen wie noch nie

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Bereits in den beiden Vorjahren wurde das Angebot eines gemeinsamen Gedenkens zum Kinderhospiztag gut angenommen (links im Bild: Thomas Voß).

Scheeßel - Bundesweit wird am 10. Februar der Tag der Kinderhospizarbeit begangen. Warum der äußerst aktive Scheeßeler Unterstützerkreis des Syker Kinder- und Jugendhospizes Löwenherz, die „Beekelöwen“, an diesem Tag so viele Aktionen wie noch nie plant, verrät Mitbegründer Thomas Voß.

Herr Voß, es gibt jede Menge Gedenktage, darunter einen Tag der Hospizarbeit. Ein eigener Tag für Kinderhospizarbeit – muss das sein?

Thomas Voß: Es muss, mehr denn je. Ich habe mir gerade die neuesten Zahlen besorgt: Bundesweit sind aktuell 22 600 Kinder und Jugendliche von einer verkürzten Lebenserwartung betroffen, pro Jahr sterben etwa 1 500 Kinder und Jugendliche – eine ungeheure Zahl! 1998 wurde in Deutschland das erste Kinderhospiz gegründet, 1999 der erste ambulante Kinderhilfsdienst. Auch wenn es sich dabei um erfreuliche Entwicklungen handelt, werden nach wie vor nur ein Drittel der stationären Kosten von den Krankenkassen getragen. Das ist für uns ein Ausrufezeichen für die von uns betriebene Öffentlichkeitsarbeit. Und dafür, weiterhin die Öffentlichkeit zu mobilisieren und an diesem Tag Laut zu geben, wie wir es unter anderem mit der Trompetenfanfare von Dieter Niemeyer tun.

Nun hat das Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz in der Region schon einen recht hohen Bekanntheitsgrad.

Ja, und es feiert in diesem Jahr gleich eine ganze Reihe an Jubiläen: Der Verein „Kinderhospiz Löwenherz“ besteht seit 20 Jahren, das Kinderhospiz selbst seit 15, die Stiftung blickt auf zehn Jahre zurück und vor fünf Jahren wurde das Jugendhospiz eingeweiht. Wir möchten den Tag jedoch weiter fassen und einen großen Bogen schlagen: Bundesweit gibt es nur 14 stationäre Einrichtungen, davon sechs auch für Jugendliche. In Niedersachsen und Bremen gibt es nur das Löwenherz mit einen Einzugsbereich von 200 bis 300 Kilometern. In anderen Bundesländern sind die Familien in Bedrängnis auf sich allein gestellt.

Was passiert an diesem Tag konkret?

Wir haben tolle Partner in der Region und wollen diesen Tag auch als Dank an sie verstanden wissen. So wird es bei der Bäckerei Stelling an der Zevener Straße einen Infostand geben. Dort und in vier weiteren Filialen läuft auch wieder die Brot-Spendenaktion. In der Bremer Straße, wo auch die von uns initiierte Bücherkiste steht, werden von 9 bis 12 Uhr Lesungen abgehalten, schwerpunktmäßig mit Kästner und Ringelnatz. Wenn viele Kinder im Publikum sind, tragen wir dem mit entsprechenden Texten Rechnung. Und wie in den Vorjahren werden wir nach dem Trompetensignal um 15 Uhr vor der Gerichtslinde zu einem kurzen Gedenken zusammenkommen. Außer mir wird auch Pastorin Gunda Handrich einige Worte sprechen. Anschließend ist die Kirche geöffnet, um dort in eigenem Gedenken zu verweilen und auf Wunsch ein Licht zu entzünden.

Wie war in den vergangenen Jahren die Resonanz? Was für Menschen kommen?

Zum einen natürlich die Betroffenen, also die Angehörigen. Aber auch für uns selbst als Beekelöwen und den erweiterten Kreis der Helfer ist dieses Gedenken wichtig. Es bildet ein Gegengewicht oder vielmehr eine Ergänzung zu unseren sonstigen Aktionen, die oft vom Eventcharakter geprägt sind: der Tombolastand beim Flohmarkt oder der Glühwein beim Weihnachtsmarkt. Beides sind zweifellos wichtige Aktionen, die uns einen beträchtlichen Teil unserer Spendengelder einbringen, doch entsteht leicht der Eindruck: Denen geht es doch gut. Fundraising wird oft als buntes Happening erlebt – da geben die Momente der Besinnung, gerade denjenigen, die persönliche Innenansichten der Sterbebegleitung erlebt haben, einen anderen Bezugspunkt. Der Gedenktag im letzten Jahr hat viele Helfer des äußeren Kreises Klarheit gebracht und sie bewogen, sich selbst offensiver einzubringen. Drei haben die Schulung zum ehrenamtlichen Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit absolviert. Ein großer Schritt. Mit neun ausgebildeten Helfern hat unser Unterstützerkreis am meisten in ganz Niedersachsen.

Aber Menschen, die nicht schon vorher mit dem Thema befasst waren, werden sich von Ihren Aktionen wohl kaum angesprochen fühlen?

In der Tat spüren wir, wenn wir zum Beispiel Nachbarn einladen, eine ziemlich hohe Abschattung. Wir wollen Tabus brechen. Letztes Jahr fragte ein Passant: „Was macht ihr hier eigentlich?“ Es folgte ein gutes, intensives Gespräch.

Und dann waren da noch die jugendlichen Skateboardfahrer während der Andacht vor der Kirche ...

Ich habe ein großes Herz für vermeintlich flapsige Jugendliche, seit ich bei unseren Aktionen beim Hurricane erlebt habe, wie ernsthaft sich viele auf das Thema einlassen. Schön ist, dass auch das Pflänzchen der Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde wächst. Und auch von der Gemeinde werden wir inzwischen wahrgenommen: Gerade bekamen wir einen Anruf vom Ordnungsamtsleiter, ob wir die Fundsachen vom letzten Hurricane wie Schlafsäcke und Isomatten nicht wieder für unsere Aktion brauchen können.

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