Über Bands und Preise

FKP-Scorpio-Chef: „Musik steht immer im Vordergrund“

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Festivals wandeln sich und bieten allen Geschmäckern ein Programm – so wie hier beim Hurricane.

Scheeßel/Hamburg - Von Lars Warnecke. Der Kampf um die Künstler im kommenden Sommer ist entschieden. Die großen Festivals haben ihre Headliner und all die anderen Bands weitgehend beisammen. Jetzt läuft der Kampf ums Publikum in einer sich laufend wandelnden Festivallandschaft.

Einer der besten Kenner der Szene ist Stephan Thanscheidt, Geschäftsführer bei FKP Scorpio und verantwortlich für das Festivalbooking beim Hurricane. Wir sprachen mit ihm über Preise, Bands sowie den Spagat zwischen Kult und Kommerz.

Herr Thanscheidt, das Programm beim Hurricane füllt sich – wie zufrieden sind Sie bisher?

Stephan Thanscheidt: Sehr zufrieden. Natürlich gibt es immer noch weitere Bands auf der Wunschliste, aber diese werden dann halt im nächsten Jahr eingeladen.

Sie sind „Head of Festivalbooking“ bei FKP Scorpio. Was heißt das genau?

Thanscheidt: Dass ich mit meinem Team für die Programmgestaltung bei unseren Festivals, also auch für das Hurricane, verantwortlich bin und wir das ganze Jahr daran arbeiten, das bestmögliche Programm für unser Publikum zusammenzustellen.

Wie bucht man Bands für Festivals wie das Hurricane?

Thanscheidt: Das Festivalbooking hat viele Faktoren und richtet sich immer am musikalischen roten Faden und der Gesamtausrichtung des Festivals aus. Der Schlüssel ist immer die richtige Mischung aus nationalen und internationalen Künstlern aller relevanten Musikgenres. So beobachten wir das ganze Jahr über immer alle Entwicklungen auf dem Musikmarkt und stellen daraus diese Mischung her, um unsere Besucher für das Festival zu begeistern.

Ist es schwieriger geworden, große internationale Stars zu holen?

Thanscheidt: Es ist und war immer eine Herausforderung, die Topstars für das jeweilige Festival einzusammeln. Heutzutage wird der Pool an echten Headlinern allerdings nicht größer und der weltweite Wettbewerb macht sich deutlich stärker bemerkbar, was für uns in den letzten Jahren aber nie ein unlösbares Problem dargestellt hat.

Schauen Sie manchmal neidisch auf größere Festivals mit größeren Bands, etwa „Rock am Ring“?

Thanscheidt: Sorry, aber beide Festivals sind und waren in der Vergangenheit immer auf Augenhöhe und das werden sie wohl auch bleiben.

Erst kürzlich haben Sie neue Bands angekündigt, dabei handelt es sich um viele bekannte Gesichter. Ein häufiger Vorwurf der Fans lautet, dass man immer die gleichen Bands zu sehen kriegt – für immer mehr Geld. Können Sie solche Äußerungen nachvollziehen?

Thanscheidt: Unser Festival hat schon immer die größten uns besten Künstler aus den jeweiligen Musikgenres präsentiert. Dabei achten wir natürlich darauf, mit nicht zu vielen Wiederholern zu arbeiten, und orientieren uns natürlich auch an Wünschen unserer Besucher, die wir immer sehr genau abfragen.

Gibt es eine Schmerzgrenze beim Ticketpreis?

Thanscheidt: Ja, die gibt es ganz sicher. Wir versuchen, den Grund für die Ticketpreise immer sehr transparent zu kommunizieren und müssen die gestiegenen Herausforderungen in den Bereichen Sicherheit, Wetterfestigkeit, Service und Komfort sowie vor allem die hohen Künstlergagen in den Ticketpreis einbinden.

Viele Fans wünschen sich alljährlich große Namen. Über was für Summen reden wir bei Festival-Headlinern eigentlich?

Thanscheidt: Die Headliner sind heutzutage generell sehr teuer geworden, wobei dies sich aber auch in einer relativ breiten Preisspanne ausgestaltet.

Eine Band, die vor zehn Jahren 30.000 Euro kostete, was verlangt die heute im Durchschnitt?

Thanscheidt: Das kann man so nicht beantworten, weil sich dies sehr individuell gestaltet. Sicher ist aber, dass diese Band heute sehr deutlich teurer wäre.

Wenn ein Auftritt am Ende nicht stattfindet, hapert es dann am Geld?

Thanscheidt: Das kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Sollte ein Künstler zu absurde Vorstellungen bezüglich seiner Gage haben, dann lehnen wir sicherlich auch mal ab, wobei es in der Regel aber so ist, dass es in den meisten Fällen, wenn eine Band nicht spielen kann, an logistisch-terminlichen Punkten scheitert.

Kritiker sagen, es gehe nicht mehr genug um die Musik. Ein berechtigter Vorwurf?

Thanscheidt: Generell arbeiten wir natürlich mit treuen und guten Sponsoren, versuchen aber immer diese auf eine coolere Art und Weise in das Festival einzubinden, was allen Beteiligten am Ende auch den größten Vorteil bringt. Bei uns steht die Musik immer im Vordergrund und das wird auch so bleiben!

Wenn Sie eine Band, die nicht mehr unter uns weilt, noch einmal buchen könnten – welche wäre das?

Thanscheidt: Beastie Boys.

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