Mobile Wissenschaftswelt „Biotechnikum“ zu Gast in Scheeßel / Gymnasiasten werden zu Forschern

Schüler schnuppern Laborluft

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In dem zweistöckigen Fahrzeug gab es für die Gymnasiasten Wissenschaft zum Anfassen.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Auf dem Pausenhof der Eichenschule an der Königsberger Straße steht ein riesiger Lastwagen. Etliche Meter hoch, mehrere Meter breit und lang, zwei Etagen. Die Aufschrift „Biotechnikum“ ist von Weitem zu lesen. Im Innern stehen rund 30 Elftklässler eines Biologiekurses mit ihrer Lehrerin Dorothea Voßmeyer und experimentieren. Der Truck kommt vom Bundesministerium für Forschung und Bildung (BMBF) – mit dem selbsterklärten Ziel, Schüler für die Arbeit mit Pipetten und Enzymen zu begeistern.

Beinahe sieht es im Inneren aus wie in einer Cocktailbar. Die Decke ist verspiegelt, das Flair königsblau. Nur dass Chemiecocktails und Messgeräte auf der Theke stehen. Es ist der Arbeitsplatz der beiden Diplom-Biologinnen Anne Wiekenberg und Aline Anton. Unter ihrer Leitung hatten die Gymnasiasten die seltene Gelegenheit, in biotechnologischen Praktika Laborluft zu schnuppern und in die Fußstapfen von Forschern zu treten. Auch informierten sich die Jugendlichen über Berufsperspektiven in der Branche. Und die würden nach den Worten der Wissenschaftlerinnen, die im Rahmen der 2008 ins Leben gerufenen „Biotechnikum“-Kampagne derzeit wieder mit dem Labor-Truck durch die Lande touren, gar nicht schlecht stehen. „Es mangelt am wissenschaftlichen Nachwuchs. Bald werden Fachkräfte in der Biotechnologie fehlen“, weiß Aline Anton. Und ihre Kollegin ergänzt: „Unser Anliegen ist es, den Schülern Biotechnologie näher zu bringen und ihnen klarzumachen, wo diese den Alltag tangiert.“

Auf Initiative von Dorothea Voßmeyer hin machte der Truck gestern in Scheeßel Station. Und auch heute wird in dem rollenden Labor weiter experimentiert. „Insgesamt nehmen rund 120 Schüler aller fünf Biologiekurse unseres elften Jahrgangs an den Praktika teil“, so die Lehrerin, die schon vor vier Jahren an das Ministerium herangetreten war. „Jetzt hat es ja endlich geklappt“, sagt Voßmeyer freudestrahlend.

Das mobile Labor sei auch für sie eine neue Erfahrung: „Viele Bereiche aus der Biotechnologie kommen im Alltag vor und werden hier anschaulich erklärt. Das geht von der Kunststoffherstellung bis hin zur Energiegewinnung“, sagt sie. Und: Der Truck sei auch deswegen eine Bereicherung des Unterrichts, weil in der Eichenschule nicht diese ausgefeilte Technik zur Verfügung stehe. „Die Ausstattung mit Labormaterialien, chemischen Stoffen und Multimedia-Geräten sucht man bei uns im Schullabor vergebens“, macht Voßmeyer deutlich.

Zum Teil widmeten sich die Jugendlichen recht anspruchsvollen Aufgaben, so etwa dem sogenannten „Elisa“-Verfahren, welches zum Nachweis von HIV-Viren angewandt wird. Die Schüler führten das Verfahren modellhaft durch, indem sie mit nichtinfektiösen Viren arbeiteten, die es festzustellen galt.

Auch der genetische Fingerabdruck war Thema. Die Aufgabe der „Nachwuchsforscher“ bestand darin, ein fiktives Verbrechen durch die Erstellung eines genetischen Fingerabdrucks aufzuklären. Dazu mussten sie Speichelproben entnehmen, daraus die DNS isolieren und nach Polymerase-Kettenreaktion die DNS sichtbar machen.

Die Schüler nahmen den Ausflug in die Forschungswelt begeistert auf. „Der ist auf jeden Fall besser als der theoretische Unterricht“, meinten sie einhellig. Neben ihnen hatten übrigens gestern auch Interessierte die Möglichkeit, sich im Truck umzuschauen und zu informieren.

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