Mittelstandsforum im Autohaus Holst: Kommunikationstrainer widmet sich dem Thema Respekt

Plädoyer für eine vergessene Tugend

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Das gesellige Gespräch und Vernetzung der mittelständischen Unternehmer ist ein wichtiger Teil des Forums.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Respekt ist eine Tugend, die immer mehr verloren geht. Dabei setzt Respekt unglaublich viel Energie frei: Er macht Unternehmen erfolgreicher und Menschen gesünder. Das will zumindest René Borbonus herausgefunden haben. Am Donnerstagabend war der smarte Kommunikationstrainer, hierzulande einer der bekanntesten überhaupt, „Stargast“ beim zwölften Scheeßeler Mittelstandsforum im Autohaus Holst – und zeigte in 90 kurzweiligen Minuten: Um Respekt zu bekommen, muss man anderen auch Respekt entgegenbringen.

Zunächst die gute Nachricht: Wer anderen gegenüber respektlos ist, tut es meist unabsichtlich und ist nicht gleich ein bösartiger Mensch. Die schlechte Nachricht: Dennoch kränken wir unsere Familienmitglieder, Freunde und Kollegen täglich durch gedankenlose Äußerungen. Auf Dauer, so Borbonus, erzeuge das ein schlechtes Klima und könne sogar krank machen.

Wie sehr das Thema „Respekt“ derzeit in aller Munde ist, zeigte allein schon das übergroße Interesse an dem Abend: Mehr als 250 Gäste aus der regionalen Wirtschaftswelt waren der Einladung der Sparkasse Scheeßel und des Autohauses Holst zum Plausch bei Canapés aus dem Hause Wachtelhof und obligatorischem Vortrag eines hochkarätigen Referenten in den gläsernen Räumlichkeiten am Vareler Weg gefolgt.

Und das Publikum hing dem Rhetorik-Experten förmlich an den Lippen, war dessen Vortrag doch von zahlreichen Anekdoten und Beispielen aus seinem eigenen Leben gewürzt. Mit einer Vielzahl von Denkanstößen inspirierte Borbonus und machte für einen oft unterschätzen Aspekt der Kommunikation bewusst.

Respektlosigkeit, erklärte der 38-Jährige, könne man ganz einfach vermeiden, indem man ein paar Regeln einhält. „Entschleunigung ist ein notwendiger Bestandteil von Respekt“, sagte er. Die Zeit, respektvoll zu Handeln, müsse man sich nehmen, man solle „Vordenken“ und nicht drauflos reden – eine seltene Handlung heutzutage, wie er findet. „Wir sind sicher nicht absichtlich respektlos, wir merken es nur einfach nicht“ betonte der Kommunikationsprofi, der nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann Germanistik, Politik und Psychologie studiert hat.

Und schließlich gebe es fünf Respektlosigkeiten, die man vermeiden sollte. Hierzu zähle unter anderem die Warum-Frage. Sie diene oftmals dazu, Zweifel zu streuen oder, wie Borbonus es formulierte: „Jemandem eins auszuwischen.“ „Warum-Menschen“ würden andere unbewusst an den Pranger stellen und zu Rechtfertigungen nötigen. „Wozu“ sei einfach die bessere Frage, weil man darauf inhaltlich antworten könne.

Auch die Bagatellisierung, bei der man die Gefühle des anderen herunterspiele, gehöre dazu. „Ist doch halb so schlimm“ sei ein Standardsatz, der überhaupt nicht helfe. Stattdessen brauchten Wut, Angst und Trauer erst einmal Aufmerksamkeit – und dann Trost.

Nein, das Rad hat Borbonus an diesem Abend sicher nicht neu erfunden. Aber er brachte in Zeiten von Egoismus und Konkurrenzkampf Werte wie Rücksichtnahme ins Bewusstsein seiner Zuhörer. Und das war doch auch schon mal was.

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