Buchhandlung „Lesezeichen“ schließt wegen Personalmangels

„Mit zwei weinenden Augen“

Die Buchtitel täuschen: Kerstin Bredehöft ist guten Mutes, dass sich ein Nachfolger für ihr „Lesezeichen“ findet. Foto: Hey

Scheeßel – Seit einer Woche hatte Kerstin Bredehöft einen Kloß im Hals. Doch ihr Entschluss, den die Inhaberin der Scheeßeler Buchhandlung im Kernort am Freitag per Aushang und in den sozialen Netzen verkündete, ist unumstößlich: Ende März ist Schluss mit dem „Lesezeichen“. „Mit zwei weinenden Augen“, wie die Scheeßelerin betont, die das Geschäft vor drei Jahren als zweite Filiale ihres Zevener Stammhauses eröffnet hatte.

Dabei liegt es nicht an den Umsätzen. „Eine Buchhandlung in Zeiten des Online-Handels ist zwar eine Herausforderung“, wie sie betont, „aber durchaus machbar“. Scheeßel als kleiner Ort sei im Vergleich zum mehr als doppelt so großen Zeven und wenigen großen Unternehmen zwar schwieriger, „aber der Pro-Kopf-Umsatz liegt sogar leicht über dem in Zeven.“ Das eigentliche Problem: der Fachkräftemangel. Mit dem Weggang einer Mitarbeiterin sei die Personaldecke einfach zu dünn – eine Situation wie im vergangenen Sommer, wo das Geschäft krankheitsbedingt zeitweise schließen musste, „das möchte ich den Kunden nicht noch einmal zumuten.“

Bewerbungen habe es durchaus gegeben, aber neben der Anforderung Vollzeit, Wochenendeinsätzen und Mobilität habe es oft an EDV-Kenntnissen gehapert. Neues Personal einzuarbeiten, käme aufgrund der Doppelbelastung mit der anderen Buchhandlung nicht infrage, „genau aus dem gleichen Grund, aus dem wir hier keine Lesungen machen konnten: Ein Tag hat nur 24 Stunden!“ Die Scheeßelerin bedauert das „Aus“ des Lesezeichens selbst zutiefst: „Ich konnte mit dem Rad zur Arbeit kommen, in der Mittagspause mit dem Hund Gassi gehen und habe hier nicht zuletzt ganz tolle Leute kennengelernt!“ Sie habe in ihrer Zeit hier viel Zuspruch erhalten.

Entsprechend bestürzt reagierten die Kunden am Freitag auf die Nachricht: „Die erste Kundin heute Morgen, eine ältere Dame, hat geweint“, sagt Kerstin Bredehöft sichtlich gerührt. Ein Trost: „Es laufen Verhandlungen mit einem Nachfolger“, und die seien schon sehr weit gediehen. „Schließlich möchte ich nach meiner Pensionierung auch noch in einer Buchhandlung vor Ort einkaufen können!“ Sie hofft, dass auch dem neuen Pächter ein ähnlich großer Zuspruch zuteilwerde, wie sie selbst ihn erfahren hat.  hey

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