Scheeßeler Geschäfte verzeichnen erhöhtes Kundenaufkommen

Mit Volldampf in den Lockdown

Voller Einsatz an der Kasse: Laut Bernd Kolkmann vom Kaufhaus Kolkmann wären die Schlangen in den Geschäften vermeidbar gewesen.
+
Voller Einsatz an der Kasse: Laut Bernd Kolkmann vom Kaufhaus Kolkmann wären die Schlangen in den Geschäften vermeidbar gewesen.

Scheeßel – Im Kernort brummt es, vor vielen Geschäften bildeten sich am Montagmorgen Schlangen. Die Zahl derer, die die beiden Tage vor der Schließung der Geschäfte nutzen, um noch schnell vor Weihnachten Geschenke für andere oder Dinge für den Eigenbedarf zu kaufen oder auch den lokalen Handel zu unterstützen, ist groß.

Petra Scharf und Auszubildende Sophie Muche sind in der Buchhandlung Vielseitig am Rotieren. An Mittagspause ist nicht zu denken; „Wir machen durch“, heißt die Devise. Dabei, so erklärt Scharf, bräuchten sich Leseratten auch danach keine Sorgen zu machen: „Wir sind auch nach Dienstag noch für unsere Kunden da.“ Der bestehende Online-Handel laufe selbstverständlich weiter, telefonisch oder per E-Mail eingehende Bestellungen werden abgearbeitet.

Was viele Kunden nicht wissen: Innerhalb von 20 Kilometern Umkreis werden die Bücher frei Haus ausgeliefert, und das sogar ohne Aufpreis. Ob die Buchhandlung im Kernort eine kontaktlose Übergabestelle einrichten darf, werde derzeit noch mit den Behörden geklärt. „Dabei ist sicherlich von Vorteil, dass in unseren Läden in Verden und Schneverdingen beim ersten Lockdown schon Erfahrungen gesammelt werden konnten“, so Scharf.

Auch bei der Beeke-Manufaktur werden eifrig Geschenke verpackt – auch wenn eine Kundin gemurrt hätte, in der Schlange warten zu müssen, ist Geschäftsinhaberin Angela Brinkmann überzeugt: „So viel Service muss sein.“

Sie hatte schon Mitte vergangener Woche geahnt, worauf die Beschlüsse der Bundesregierung hinauslaufen würden und eine 30 Prozent-Nachlassaktion gestartet. Für die verbleibenden zwei Tage sind es 50 Prozent. „Wir haben unseren für Januar geplanten Räumungsverkauf einfach vorverlegt“, so die Scheeßelerin.

Das Weihnachtssortiment sei ohnehin schon überschaubar gewesen. Die Engpässe in den Lieferketten hatten sich bei der Adventsdekoration bemerkbar gemacht. Sie geht davon aus, dass die Geschäftsschließungen nicht nach dem 10. Januar aufgehoben werden. Ihren neuen Laden will sie im März eröffnen, „wenn es geht, öffnen wir im Februar vielleicht spontan einige Wochen.“ Kundin Petra Gallo schaut an ihrem freien Tag vorbei. Wie vielen Stammkunden geht es der Jeersdorferin auch darum, das Geschäft zu unterstützen. Der Renner sind momentan Gutscheine.

Geöffnet ist an diesem Montag auch das „Kopf.Atelier“. Inhaberin Ina Heupel-Becker hat am Sonntag ihre Kunden mit Terminen von Mittwoch bis Freitag angerufen und ihnen eine Verlegung auf heute angeboten. Am Telefon läuft nur noch der Anrufbeantworter, „sonst würde es hier alle 20 Sekunden klingeln“.

Den Kunden, die jetzt noch auf Band sprechen oder sogar persönlich vorbeischauen, nützt indes alles Bitten und Betteln nichts: Obwohl das Team von 8 bis 20 Uhr durcharbeitet, sind die restlichen Termine vergeben, „neue machen wir erst aus, wenn wir Planungssicherheit durch die Behörden haben.“

Die würde sich auch Bernd Kolkmann wünschen. Denn wie es ab Mittwoch mit dem Kaufhaus weitergeht, ist noch völlig unklar. Während des vergangenen Lockdowns im Frühjahr durfte das Traditionsgeschäft zunächst öffnen, später durften nur noch Süßwaren, Zeitschriften und Parfümerieartikel verkauft werden.

Aber: Die Spieleabteilung musste geschlossen bleiben, während einige hundert Meter weiter in einem Drogeriemarkt Spiele über das Kassenband gingen. Auch deshalb hat der Unternehmer gestern an den Landkreis geschrieben, um einer Wettbewerbsverzerrung vorzubeugen. Eine Antwort hat er bis dato noch nicht.

Grundsätzlich steht er hinter der Maßnahme zur Kontaktreduzierung; „allerdings hätte man diese Woche geöffnet haben sollen – so ist das etwas kontraproduktiv“, meint er und deutet auf die langen Schlangen vor den Kassen. Um die möglichst klein zu halten, sind momentan sämtliche Mitarbeiter aktiviert – ab Mittwoch wird es dort ruhiger, vielleicht sogar ganz still.  hey

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

So fährt es sich im Ford Mach-E

So fährt es sich im Ford Mach-E

Desserts mit Gemüse zubereiten

Desserts mit Gemüse zubereiten

Die Samsung Galaxy S21 im Test

Die Samsung Galaxy S21 im Test

Rüstige Rentner statt Hippies und Hare Krishna

Rüstige Rentner statt Hippies und Hare Krishna

Meistgelesene Artikel

Widerstand gegen Sperrung der Goethestraße in Rotenburg

Widerstand gegen Sperrung der Goethestraße in Rotenburg

Widerstand gegen Sperrung der Goethestraße in Rotenburg
Zweieinhalb Jahre nach CDU-Austritt: Andrea Kaisers AfD-Beitritt mit Ankündigung

Zweieinhalb Jahre nach CDU-Austritt: Andrea Kaisers AfD-Beitritt mit Ankündigung

Zweieinhalb Jahre nach CDU-Austritt: Andrea Kaisers AfD-Beitritt mit Ankündigung
1,8 Millionen Euro für Radschnellweg von Brockel nach Rotenburg

1,8 Millionen Euro für Radschnellweg von Brockel nach Rotenburg

1,8 Millionen Euro für Radschnellweg von Brockel nach Rotenburg
Start des Impfzentrums in Zeven ist noch unklar

Start des Impfzentrums in Zeven ist noch unklar

Start des Impfzentrums in Zeven ist noch unklar

Kommentare