Kernortbereich fest in den Händen von Bauarbeitern

Mission „Untervogtplatz“ beginnt

Den Beetanlagen geht es an den Kragen: Mit einem Bagger reißt Cord Willenbockel die Rathausbepflanzung aus den Betonkübeln. Sein Kollege entfernt die alten Pflastersteine, die später vom Bauhof an anderer Stelle Verwendung finden sollen. - Fotos: Warnecke

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Kreuz und quer herumliegende Pflastersteine, in den Betonkästen entwurzeltes Grün und als wäre das noch nicht genug, erhebt sich aus dem ganzen Chaos ein windschiefer Laternenmast – wer dachte, das Scheeßeler Rathaus könne an Unattraktivität sich nicht mehr übertreffen, irrt. Grund: Seit Anfang der Woche ist der Vorplatz fest in der Hand von Bauarbeitern. Mit seinem Abriss beginnt gleichzeitig ein Neuanfang – der Startschuss für die Umgestaltung des Untervogtplatzes ist gefallen.

Schon erstaunlich, was die Baggerschaufel von Cord Willenbockel alles zu Tage fördert. Mit präzisem Blick manövriert er sein wendiges Gefährt über die Hochbeete vor dem Rathauseingang, als etwas aus der Erde hervorblitzt: eine Flasche, in der laut Etikett einmal Wodka abgefüllt war. „Ob sich da wohl jemand Mut antrinken wollte?“, entfährt es ihm schelmisch.

Wie dem auch sei – für Willenbockel und seine Kollegen von einem Walsroder Garten- und Landschaftsbauunternehmen geht die Arbeit unvermindert weiter. Immerhin gilt es, die ganzen Gehölze abzusägen und zu schreddern. Seit Anfang der Woche ist ihr Arbeitsrevier der Untervogtplatz – jener Bereich im Herzen von Scheeßel, der für 800 000 Euro eine Rundumerneuerung erfährt. Gefördert zu zwei Dritteln von Bund und Land, wird dort in den nächsten Monaten ordentlich geschuftet. „Und zwar von West nach Ost“, erläutert Stefan Behrens, Allgemeiner Vertreter der Bürgermeisterin, das Prozedere. Konzentrierten sich die Arbeiten anfänglich auf den nördlichen Dachaufbau, wo in Kürze mit dem Abriss der Wasserbecken, der Betonkübel und der Treppe begonnen werde, gehe es Schlag auf Schlag auch schon weiter. Erst in einem zweiten Schritt werde man sich dem südlichen Bereich bis an die Rathauskante annehmen, so Behrens. Dann würden Besucher den Verwaltungssitz allerdings auch nur noch über einen provisorisch eingerichteten Nebeneingang auf Höhe des Ordnungsamtes erreichen können. Bis Mitte Oktober, so das Ziel aller Beteiligten, soll das Projekt „Vorplatzumgestaltung“ seinen Abschluss finden. Und das, was sich das Planungsbüro in – zugegebenermaßen – nicht immer einfacher Abstimmung mit Politik und Verwaltung ausgedacht hat, werde rein gar nichts mehr zu tun haben mit der 70er-Jahre-Betonoptik, die angesichts der inzwischen bereits rundum modernisierten Kernortmitte irgendwie nicht mehr ins Bild passen wollte. „Wir bekommen eine komplett neue Treppenanlage mit einer nach neuesten Bestimmungen geltenden Behindertenrampe, dazu Beetanlagen, Bäume, Fahnenmasten, eine Fahrradstellanlage und sogar eine Hülse für den Weihnachtsbaum, der in Zukunft sein Dasein nicht länger auf dem Rathausdach fristen muss“, gibt Stefan Behrens zu Protokoll. Gepflastert werde der Vorplatz mit Klinkersteinen, so wie man sie beispielsweise schon auf dem gegenüberliegenden Marktplatz verbaut hat.

Nicht alle Beete fallen an diesem Tag der Baggerschaufel von Cord Willenbockel zum Opfer. Und das aus gutem Grund: „Bis zum Scheeßel-Tag am letzten Augustwochenende bleibt das vordere Grün erhalten, so dass es für die Besucher hier nicht ganz nach Baustelle aussieht“, sagt der Fachmann.

Erst der Vorplatz, dann die Straße

Dass überhaupt der Rathausvorbereich nunmehr einem Schlachtfeld gleicht, erntet unter vorbeigehenden Passanten manch verwunderten Blick. „Viele wissen offenbar noch gar nicht, dass nicht nur der Parkplatz erneuert wird“, meint Behrens. Doch bevor sich der Bautrupp dem Untervogtplatz als solchen widmet – spätestens im Mai kommenden Jahres soll die komplette Maßnahme abgeschlossen sein –, sei zunächst einmal die Fahrbahn an der Reihe. „Die wollen wir möglichst bis Weihnachten fertig haben, das Frostwetter schon mit einkalkuliert“, so der Verwaltungsmann, der sich schon einmal auf eine entsprechende Geräuschkulisse vor seinem Bürofenster eingestellt hat. Bis dahin bleibe die Straße „Untervogtplatz“ für den Verkehr gesperrt. Nur Anwohner hätten noch Durchfahrt – zumindest so lange, wie noch unmittelbar vor dem Rathaus gearbeitet werde. „Die Friedrichstraße wird während der gesamten Zeit aber bis zur Baustelle befahrbar bleiben“, versichert Behrens.

Für Cord Willenbockel und seine Kollegen zählt die Mission „Untervogtplatz“ eigenen Angaben zufolge übrigens zu den kleineren Projekten. „Normalerweise machen wir komplette Außenanlagen von Schulen und Kindergärten oder richten Sportplätze her – das ist hier schon alles eine Nummer kleiner“, so der Walsroder. Einen „Schatz“, wie die uralte Wodka-Flasche, berge aber auch er nicht alle Tage.

Mehr zum Thema:

Bayern nach Leipzig-Patzer wieder vorn

Bayern nach Leipzig-Patzer wieder vorn

Riesenjubel in Grün-Weiß

Riesenjubel in Grün-Weiß

DHB-Frauen starten mit Sieg in EM-Hauptrunde

DHB-Frauen starten mit Sieg in EM-Hauptrunde

Weihnachtsmarkt in Sankt Hülfe/Heede

Weihnachtsmarkt in Sankt Hülfe/Heede

Meistgelesene Artikel

Reumütiger Dieb bringt Beute zurück

Reumütiger Dieb bringt Beute zurück

„Der Löwenzahn setzt sich durch“

„Der Löwenzahn setzt sich durch“

Angebliche E-Mail der Polizei - Ermittler warnen vor Schadsoftware

Angebliche E-Mail der Polizei - Ermittler warnen vor Schadsoftware

Buchhandlung Wandel: Ende des Jahres ist Schluss

Buchhandlung Wandel: Ende des Jahres ist Schluss

Kommentare