Melvin hat das große Losglück

Zehnjähriger aus Westerholz wird erster männlicher Kinderbürgermeister

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Ehre, wem Ehre gebührt: Als neuer Kinderbürgermeister darf Melvin Kusebauch (3.v.l.) im Chefsessel der echten Bürgermeisterin Platz nehmen. Ihm zur Seite steht Michelle Schmidt (3.v.r.) als Stellvertreterin.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. „Kinder an die Macht“ singt Herbert Grönemeyer. Nun gut, wirklich Macht haben die Kinderbürgermeister der Gemeinde Scheeßel nicht, obliegt ihre Aufgabe doch vornehmlich darin, die echte Bürgermeisterin bei einem ihrer öffentlichen Termine zu begleiten. Aber auch ohne die Aussicht auf Einfluss, das zeigte am Montag die alljährlich im Rahmen des Kinderferienprogramms abgehaltene Wahl eines neuen Amtsinhabers im Rathaus einmal mehr, macht Demokratie sehr viel Spaß.

Melvin Kusebauch ist zehn Jahre alt. Was der junge Westerholzer werden möchte, wenn er groß ist? „Polizist, ist doch klar!“ Dass er später in seine Bewerbung schreiben kann, er sei mal für ein Jahr Kinderbürgermeister gewesen, dürfte für ihn sicher nicht von Nachteil sein. Auch wenn am Ende nicht etwa Volkes Stimme, sondern das Los entschieden hatte. Denn, das zeigte sich dieses Mal beim strenggeheimen Wahlgang, der mit Cola und Smarties versüßt worden war: Jeder der sieben teilnehmenden Kandidaten, neben Melvin sind das Mika Funke, Lina und Nele Huthmann, Bastian Putze, Michelle Schmidt und Zoé Schwichtenberg, wollte Kinderbürgermeister beziehungsweise Kinderbürgermeisterin werden – und so gab sich ein jeder die ihm zur Verfügung stehende Stimme auch prompt selbst, wie die Auszählung durch Wahlleiterin Anna Luise Bellmann (9) und Verwaltungsmitarbeiterin Cathérine Moryson schlussendlich ergab. Ja, auch das ist Demokratie. Für Gelächter unter den Kindern sorgte das Wahlergebnis allemal.

Das blieb Melvin förmlich im Halse stecken, als nach der anschließenden Auslosung der eigene Name fiel. Sein Kommentar als frischgebackener Kinderbürgermeister, bisher übrigens der erste männliche überhaupt in der Gemeinde: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich es so weit schaffe!“ Und sichtlich stolz erzählt er weiter: „Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich beim Losen gewonnen habe.“

Gemeinderat ein Buch mit sieben Siegeln

Gewonnen hatten eigentlich alle Kinder an diesem Nachmittag: an Wissen, wie es hinter den Kulissen einer Kommunalverwaltung zugeht, zum Beispiel. Dazu informierte Käthe Dittmer-Scheele, die echte Bürgermeisterin, die Kinder zunächst über ihre Aufgaben als Repräsentantin der Gemeinde, als Chefin der Gemeindeverwaltung und als Mitglied des Gemeinderates. Nur gut, dass die 59-Jährige auch über die Funktion des obersten politischen Gremiums in Scheeßel berichtete (Zitat Dittmer-Scheele: „Das entscheidet, wofür das Geld, das eure Eltern uns als Steuern abgeben, verwendet werden soll.“), denn „Gemeinderat“, dieses Wörtchen hatte dann doch noch niemand unter den Neun- bis Zwölfjährigen zuvor gehört.

Antworten darauf, was sie denn ändern würden, wären sie anstelle Dittmer-Scheeles Gemeindeoberhaupt, hatten die Mädchen und Jungen viele. „Ich würde Gelbe Säcke abschaffen und dafür Gelbe Mülltonnen einführen“, meldete sich die elfjährige Zoé zu Wort. Bastian, zwölf Jahre alt, möchte lieber, dass Kinder besser über die Straße kommen – mit mehr Ampeln und Zebrastreifen. „Auch würde ich mich dafür einsetzen, dass nicht zu viel Essen verschwendet wird.“ Und Michelle Schmidt (9), die übrigens als stellvertretende Kinderbürgermeisterin ausgelost worden war, erklärte, ihr liege sehr daran, dass „Tiere nicht an den Autobahnen ausgesetzt werden, die können dabei ja auch sterben“.

Das Thema Umweltschutz, das zeigte sich in der Runde, stand ganz hoch im Kurs der Kandidaten – etwaige Veränderungen in und an den Schulgebäuden hingegen nicht. „Die scheinen euch in den Ferien wohl auch nicht zu interessieren“, kommentierte die Verwaltungschefin scherzhaft, die am Ende die gesamte Gruppe noch durchs Rathaus führte.

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