Mehrheitsgruppe pro Standort im Westerveseder Kindergarten / Bürgermeisterin mahnt zur Vorsicht

Hat die Dorfkrippe eine Chance?

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Ein Schild neben der Eingangstür zeigt es: Der Kindergarten in Westervesede ist eine zertifizierte Einrichtung „mit besonderer Qualität“. Politik und Verwaltung wollen diese auch erhalten – nur eben auf ganz unterschiedliche Weise.

Scheeßel/Westervesede - Von Lars Warnecke. Wo fängt Qualität in der Betreuung von Krippen- und Kindergartenkindern an, wo hört sie auf? Macht eine Krippe auf dem Dorf Sinn oder nicht? Die politischen Lager sind sich uneins. Während die Scheeßeler SPD die Einrichtung einer altersübergreifenden Gruppe im Kindergarten Westervesede durchaus als Chance begreift, wie sie jetzt im Jugend- und Sozialausschuss nochmals bekräftigte, wehrt sich die CDU, aber auch die Gemeindeverwaltung mit Händen und Füßen dagegen.

Wolfgang Kirschstein (SPD) ist überzeugt: „Es wird einmal der Tag kommen, an dem sich unsere Dorfkindergärten entleeren werden.“ Um so wichtiger erscheine es da, schon jetzt zu reagieren, „und nicht erst dann wieder, wenn es zu spät ist“. Eine altersübergreifende Gruppe, in der Krippen- und Kindergartenkinder gemeinsam untergebracht sind, sei da ein ebenso sinnvolles Instrument wie die Einrichtung einer Ganztagsbetreuung – „gerade vor dem Hintergrund, dass in der Westerveseder Einrichtung demnächst ohnehin Umbaumaßnahmen anstehen“, unterstrich Kirschsteins Fraktionskollegin Kirsten Holsten. Und Fraktionschef Johannes Hillebrand ergänzte: „Wir behaupten nicht, das eine altersgemischte Gruppe das pädagogische Allheilmittel ist. Wir sehen nur, dass es dort eine Chance für den Ort gibt und für unsere Kindergartenlandschaft.“

Die sieht Reinhard Frick (CDU) allerdings nicht. „Im Kindergarten sollen Kinder auf die Schule vorbereitet werden, in der Krippe sind Kinder, die Grundlegendes lernen – die Altersspanne ist einfach viel zu groß.“ Ihm zu Folge sei die Gemeinde bei der Versorgung für die Ein- bis Sechsjährigen „hervorragend aufgestellt“. Den Antrag der SPD interpretiere er so, als wolle diese nun dagegen anarbeiten.

Auch Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele distanziert sich von einer altersübergreifenden Gruppe am Standort Westervesede. „Ich werde bei der Ratssitzung auf jeden Fall dagegen stimmen.“ Ihr zufolge könne die Devise „Tür auf, Kinder rein, Tür zu – und das bei gleichbleibenem Personal“ einfach nicht funktionieren. „Von den Kosten, die wir bei einer Personalaufstockung zu hundert Prozent selbst zu tragen hätten, ganz zu schweigen“, erklärte die Rathauschefin weiter. Bereits jetzt habe die Gemeinde im Kita-Bereich schon enorm hohe Personalkosten zu tragen. „Die Ganztagsbetreuung würde dann auch nochmal intensiv zuschlagen.“

Dabei sei gerade für diesen Bereich Bedarf vorhanden, wie Elternvertreter Marc Ostrowski erklärte: „Viele Eltern kommen wegen der Ganztagsbetreuung vom Dorf nach Scheeßel, wenn es so etwas auf dem Dorf gäbe, würden sie das natürlich lieber in Anspruch nehmen.“ Das bestätigt auch Mechthild Göttert, Leiterin des Westerveseder Kindergartens. Von altersübergreifenden Gruppen hält aber auch sie nichts. „Ich finde es einen großen Spagat, den man hinbekommen müsste – gerade in einer so kleinen Einrichtung.“

Dass im Zuge der Umbaumaßnahmen durchaus auch eine räumlich getrennte Krippen- und Kindergartengruppe umsetzbar sei, warf Verwaltungsmann Frank Thies ein. Eine Äußerung, die Johannes Hillebrand nicht nur erfreut zur Kenntnis nahm, sondern auch überraschte: „Damals hieß es von der Verwaltung noch, dass sie die Einrichtung einer Krippe in Westervesede nicht für sinnvoll halte. Wenn das aber ginge, bin ich unbedingt dafür.“

Verwundert zeigte sich Dirk Lange (CDU) über die Diskussion: „Unsere Eltern haben doch schon bei der letzten Fachausschusssitzung geäußert, dass sie es sich nicht vorstellen können, ihren Nachwuchs von Scheeßel in die Dörfer zu bringen. Wenn wir dort nicht genug Kinder haben, die ein Krippenangebot beanspruchen können, dann verbietet es sich doch für uns – so wir denn nicht alle im Schwarzbuch der Steuerzahler landen wollen – das Thema weiterzuverfolgen.“

Pro Kernort sprach sich auch die Bürgermeisterin aus. „Wenn wir Krippen auf dem Dorf haben, müssen wir damit rechnen, dass Eltern nicht nur aus Scheeßel fahren müssen, sondern – sollte es keine regelmäßige Auslastung geben – auch vom einen Dorf ins andere“, gab sie zu bedenken.

Am Ende der hitzig geführten Debatte nahm auch die SPD vom Modell der Altersmischung Abstand. Stattdessen beauftragt sie die Verwaltung zu prüfen, inwiefern nun konkret die Schaffung einer Krippe in Westervesede möglich ist. Ferner hält sie an der Einrichtung einer Ganztagsbetreuung vor Ort fest. Mit ihren Stimmen sowie denen der Grünen und der Gruppe 57 steht das Thema nun am Donnerstag im Scheeßeler Gemeinderat zur endgültigen Abstimmung.

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