Lehrer, Sozialarbeiter und Polizisten lassen sich für Programm „Wir sind stark“ fit machen

Für mehr Zivilcourage

Das „Stopp“-Sagen in heiklen Situationen haben die Teilnehmer des Polizei-Präventionskurses selbst schon internalisiert. Foto: Heyne

Scheeßel – In brenzligen Situationen „Stopp“ sagen, Selbstvertrauen entwickeln – das haben die 17 Teilnehmer des Präventionskurses, allesamt gestandene Lehrer, Schulsozialarbeiter und Polizisten, doch gar nicht nötig, oder? Jein. Als sie jüngst zwei Tage lang im Scheeßeler Feuerwehrhaus unter Anleitung von Karin Stabbert-Flägel und Fred Krüger das Präventionsprogramm „Wir sind stark“ durchliefen, ging es nur zum Teil um eigene Erfahrungen bei den Rollenspielen – Übungen, zu denen sie ihre Schüler später selbst anleiten. Die Workshop-Teilnehmer aus den Landkreisen Rotenburg und Harburg sind Multiplikatoren. Sie tragen das vor mehr als zehn Jahren in Bayern entwickelte Konzept zur Stärkung von Zivilcourage und Verantwortungsbewusstsein sowie Kompetenzen im Anti-Gewalttraining, aber auch des Klassenzusammenhalts, in die Schulen.

„Ein echtes Erfolgsprogramm“, meint Stabbert-Flägel, „sonst hätte es sich über die Jahre nicht wie im Schneeballsystem auch hier bei uns im Norden verbreitet, von Osterholz über Rotenburg nach Harburg und Stade.“ Fast alle weiterführenden Schulen seien beteiligt, die Nachfrage nach Nachschulungen für ausscheidende Lehrer groß. Dabei sei vor allem Sensibilität und Fingerspitzengefühl gefragt, meint der Rotenburger Kontaktbeamte Fred Krüger, „jede Klasse ist unterschiedlich“. An diesen beiden Tagen bekommen die Moderatoren in spe viele Hinweise.

Teilnehmerin Lydia legt sich auf den Boden. Die Übung „Menschen ertragen“ geht an Herz und Nieren, und das nicht nur im übertragenen Sinne. „Würdest du erlauben, dass Sabine sich auf deine Körperteile stellt?“ „Ja“ – bei den Oberschenkeln sind sich die am Boden Liegende, und die Kollegin, die über ihr steht, einig. Aber wie sieht es mit Füßen, Oberkörper oder gar dem Kopf aus? Die Kriminalhauptkommissarin und Beauftragte für Jugendsachen sensibilisiert, wie fragil auch robuste Körperteile sind. Aufgearbeitet wird in der anschließenden Gesprächsrunde auch, was sich gegen den „Bystander“-Effekt, die Gruppendynamik, die eigenes Eingreifen lähmt, tun lässt.

Es ist nicht die einzige Situation an diesem und dem nächsten Tag, die an die Nerven geht. „Sich selbst zu überwinden, über den eigenen Schatten zu springen und Nähe zuzulassen – das ist schon spannend“, meint Kilian Kremer vom Jugendzentrum Tostedt, das mit der Durchführung Schulprojekten in der Samtgemeinde betraut ist. „Die Klassen lernen ihre Mitschüler auf einer anderen Ebene kennen und sehen sich mit anderen Augen“, ist auch Kai Lührs überzeugt, der bei der Präventionspuppenbühne der Polizei Lüneburg arbeitet.  hey

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