19 in Scheeßel lebende Flüchtlinge bestehen Deutschprüfung mit Bravour

Mehr als Sprachvermittlung

Insgesamt 19 Flüchtlinge bestanden die A1-Deutschprüfung, die Voraussetzung für einen Integrationskurs ist. - Foto: Heyne

Schessel - Dieser Vormittag ist anders als die anderen im Sportlerheim „Waidmannsruh“ am Helvesieker Weg. Statt Vokabeln und Sätzen stehen heute Selfies auf dem Programm – und viel erleichtetes Gelächter. Gerade war offizieller Besuch der Rotenburger VHS da. Im Gepäck 19 Urkunden für die 22 Teilnehmer des seit vier Monaten laufenden Deutschkurses.

19 Menschen aus dem Iran, Syrien, dem Libanon oder dem Sudan haben es nach zwei schriftlichen Prüfungen von je 90 Minuten und einer mündlichen Befragung geschafft und halten ihre „A1“-Urkunde in der Hand – und damit die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Zwischen fünf Monaten und zweieinhalb Jahren sind sie schon in Deutschland, die Menschen, die seit vier Monaten gemeinsam lernen – einige haben sogar Traumbewertungen von 58 von 60 Punkten erreicht, wie Achmed Elghoali und seine Frau Rasha aus dem Sudan. Besonderer Respekt ringt Kursleiterin Roueida Kara die Leistung dreier Flüchtlinge aus dem Iran ab: „Sie machen erst seit einem Monat mit und haben die Prüfung mit gut, zwei sogar mit sehr gut bestanden!“, zeigt sich die gebürtige Libanesin sichtlich beeindruckt.

Hossein Azadi dankt den ehrenamtlichen Unterstützern in Abbendorf, die sie kurz zuvor sogar am heimischen Wohnzimmertisch für die Prüfung fit gemacht haben: „Ohne Rosi und Doro hätten wir das nicht geschafft!“

Überhaupt wird viel gedankt, an einem der letzten Kurstage – allen voran der Kursleiterin, Dass sie Arabisch spricht, empfinden die meisten hier als Segen. Mohammad bemüht sich, seinem Dank mit dem jüngst Gelernten Ausdruck zu verleihen: „Wir danken den deutschen Menschen, dass wir hier sein dürfen!“ und betont, weil große Worte in der noch fremden Sprache mitunter noch schwer fallen, auf Arabisch: „Wir wollen uns nützlich machen!“

Egal, ob die schüchterne junge Frau mit dem Kopftuch, den wohl überlegten Worten und der guten Aussprache, das lebenslustige Ehepaar, das stolz die Urkunden schwenkt oder die junge Frau mit dem sechs Monate alten Baby – eines ist allen gemeinsam: Sie möchten Deutsch sprechen, wacker kämpfen sie sich durch die Deklinationen und Artikel. Auf die Frage, was am schwersten sei, kommen viele Zurufe: „ä und ö“, „wann schreibt man d und wann t“, oder, von einem Fortgeschrittenen „der Dativ!“ Einige finden das Verstehen schwierig, „das geht oft so schnell“, andere finden die Aussprache des „r“ schwer; viele andere haben zunächst die lateinischen Buchstaben lernen müssen.

Eintrittsticket für Arbeit

Alle wissen: Sprachkenntnisse sind das Eintrittsticket für Arbeit. Einige wenige haben schon erste Kontakte geknüpft: Achmed hat bereits zwei Praktika absolviert, die Syrer Fadih und Hassan dürfen morgen bei einem örtlichen Schlachter zur Probe arbeiten, ein anderer hilft einige Stunden im Fitnessstudio aus. Ein Landsmann hat weniger Glück: Der gelernte Motorradmechaniker hat bereits ein Jobangebot in einem Verpackungsunternehmen, aber: Er darf noch nicht arbeiten, weil keine Erlaubnis vorliegt.

Wie es weiter geht für die eifrigen Schüler, wenn der vom Landkreis finanzierte VHS-Kurs im Sportlerheim am Freitag zu Ende geht? Fast alle haben sich bereits für den Folgekurs angemeldet, der zum Teil selbst getragen werden muss und nur noch zwei Mal pro Woche zwei Unterrichtsstunden umfasst. Und: Haidar will die erfolgreichen Teilnehmer für einen Integrationskurs in Rotenburg anmelden – die Eintrittskarte halten sie seit heute in der Hand.

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