Gelbe Karten, Info-Abende, Schwimmkurse und Unterstützung für das Personal

Mehr Sicherheit im Beeke-Bad

Handyfotos tabu: Nicht nur Bade-, sondern auch Benimmregeln kamen beim Info-Abend zur Sprache. - Foto: Heyne

Scheeßel - Von Ulla Heyne. Mittwochabend, die reguläre Öffnungszeit des Freibads ist längst vorbei. Schwimmmeister Marcus Hils und seine Kollegin Franziska Dreyer stehen am Beckenrand und erläutern einer Gruppe Flüchtlingen die einschlägigen Baderegeln, zeigen ihnen das Planschbecken für Familien mit kleinen Kindern, aber auch alles andere, Schließfächer, Umkleiden und Duschen. „Wir kommen doch nicht aus dem Dschungel“, meint einer. Wer des Deutschen mächtig ist, lacht.

Doch der erste von drei Info-Abenden hat einen ernsten Hintergrund: Vor gut einer Woche wurde ein syrisches Flüchtlingskind bewusstlos am Boden des Nichtschwimmerbeckens gefunden. Die Sache ging glimpflich aus: Franziska Dreyer war sofort zur Stelle; glücklicherweise hatte auch Hils gerade Dienst. Doch die Doppelbesetzung zur Schichtübergabe ist nicht der Normalfall. Verstärkt werden Forderungen nach einer besseren personellen Besetzung laut. Badegast Angela Bullwinkel. bringt es auf den Punkt: „Das hätte auch anders ausgehen können.“ Die Mitarbeiterin der Notaufnahme des Diako-Krankenhauses leistete Erste Hilfe, als hiervor drei Jahren ein Kind fast ertrank: „So etwas möchte ich nicht nochmal erleben!“

Dass der Betreuungsbedarf sich erhöht hat, seit viele Flüchtlinge das Beeke-Bad besuchen, oft nur mit rudimentären Schwimmkenntnissen, scheint unbestritten. Das sieht auch Schwimmmeister Marcus Hils so: Er suchte das Gespräch mit der Gemeinde, um Abhilfe zu schaffen. Und dort sieht man sich dann auch in der Pflicht. Dazu Gemeindevertreter Frank Thies: „Viele Flüchtlinge haben keine Schwimmausbildung wie in Deutschland üblich genossen, sondern können sich gerade mal über Wasser halten. Das Problem: Ihre Eigeneinschätzung ist anders.“ Ein ganzer Katalog an Maßnahmen soll nun für mehr Sicherheit sorgen. „Wenn die Besucherzahlen steigen, können telefonisch DLRG-Kräfte hinzugezogen werden“, so Thies. Auf diese in der Vergangenheit bewährte Praxis wolle man in Zukunft verstärkt zurückgreifen. Die von Bullwinkel geforderte Einstellung eines DLRG-Mitarbeiters hält er für übertrieben: „Bisher hat es immer auf Abruf geklappt.“

Darüber hinaus habe sich ein syrischer Flüchtling gefunden, der als Aufpasser, aber auch zur Sprach- und Kulturmittlung zur Seite stehe. Für Stammgäste ist Hassan, der zu Spitzenzeiten neben Dreyer und Hils vom Turm aus ein Auge auf die Badenden hat, längst ein vertrauter Anblick. Inwieweit diese Tätigkeit auch in Zukunft ehrenamtlich ausgeübt werde oder entlohnbar sei, werde noch geprüft: „Das hängt davon ab, ob er eine Arbeitserlaubnis bekommt“, so Thies.

Eingeführt werden des Weiteren „gelbe Karten“. Die Piktogramme mit Erklärungen in mehreren Sprachen werden denjenigen ausgehändigt, die die betreffende Vorschrift missachten; bei Wiederholung droht eine Freibadsperre: „Damit wollen wir von Anfang an ein klares Statement setzen“, so Thies.

Bereits am Montag sollen dank Unterstützung der Sparkassen-Bürgerstiftung an den neuen Schwimmkursen auch Flüchtlingskinder teilnehmen können; ein Schwimmkurs für Erwachsene soll folgen. Ob diese Maßnahmen ausreichen, wird die Zukunft zeigen. „Wir beobachten genau, wie es in den nächsten vier Wochen läuft und planen dann weiter“, so Thies.

Ein weiterer Kritikpunkt von Bullwinkel betrifft das Verhalten, das sie an einem Nachmittag beobachtet haben will: „Einige Flüchtlinge hatten sich hinter dem Zaun zum Sportgelände niedergelassen und junge Mädchen angestarrt und gezielt beobachtet. Dabei hatten sie ständig ihre Handys präsent.“ Diese in einem sozialen Netzwerk geteilte Aussage löste eine rege Diskussion aus: „So etwas habe ich hier nicht erlebt“, meint Stammgast Detlev Kaldinski, „und ich schwimme fast jeden Tag hier.“ Auch Hils sind Vorfälle dieser Art noch nicht zu Ohren gekommen. Er appelliert an die Badegäste: „Wenn jemandem etwas auffällt, sollte er uns das sofort melden – dann können wir uns darum kümmern!“ Er hat eher gegenteilige Beobachtungen gemacht: „Im Freibad kommen die Kulturen zusammen, besonders am Volleyballnetz.“

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