17 Jugendliche kochen für Senioren

Beekeschüler unterstützen Tagespflege auch bei Unterrichtsausfall

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Birgit Petersen gibt den Jugendlichen Kochtipps. Die Pflegedienstleiterin ist froh über die Unterstützung der Beekeschule.

Scheeßel - Von Joris Ujen. Früh am Morgen. Zeit für die Tageszeitung, ein gutes Frühstück und ein paar nette Gespräche. In der Tagespflege Scheeßel an der Friedrichstraße ein ganz normaler Start in den Tag für die Senioren. Doch am Freitag ist der Altersdurchschnitt in der Einrichtung der Diakonie-Sozialstation drastisch gesunken.

Es sind 17 Beekeschüler des Profils Gesundheit und Soziales, die für diese Statistik verantwortlich sind. Abseits der Schulbank lernen die Zehntklässler hier viel über Verantwortung, soziales Engagement und Teamarbeit. Selbst wenn ihre Lehrerin krank ist und der Unterricht und die Besuche eigentlich ausfallen, kommen sie hierher.

Wildes Treiben an der Küchenzeile. 17 Schüler laufen umher, rühren Teig, schneiden Zwiebeln, bereiten ein Dessert vor. Eine von ihnen, Jule Rohloff, nimmt sich die Zeit und gesellt sich zu den Senioren, die am Esstisch schon auf die Mahlzeiten warten. Denn es ist Grillfest, seit drei Jahren ein fester Bestandteil der Zusammenarbeit zwischen Tagespflege und Beekeschule. 

Jule nimmt die aktuelle Rotenburger Kreiszeitung in die Hand und liest ihren Sitznachbarn vor. Heute ist die „ruhigere“ Seniorengruppe zu Gast, erklärt Pflegedienstleiterin Birgit Petersen, „aufregende Themen werden dann eher nicht vorgelesen“. Und so erfährt die Runde von der Schülerin, was heute beim Erntefest in Höperhöfen so los sein wird. „Ich lese einfach sehr gerne und mag den Kontakt zu den Älteren“, sagt Jule. „Für die Schüler ist es natürlich super, etwas außerhalb der Schule zu machen“, erklärt Lehrerin Christiane Sündermann.

Beekeschülerin Jule Rohloff liest den Senioren aus der aktuellen Tageszeitung vor.

Neben dem Grillfest kommen seit drei Jahren, also seitdem es die Tagespflege überhaupt gibt, einmal die Woche zwei ihrer Schüler in die Einrichtung. Sie lesen den Senioren vor, spielen Brettspiele mit ihnen und helfen im Garten und in der Küche aus. Davon profitieren beide Seiten: Petersen und ihre Mitarbeiterinnen bekommen Unterstützung, und die Schüler erhalten einen Einblick in die Arbeit. Und für die Senioren ist es natürlich auch schön, mit der jungen Generation in Kontakt zu treten. 

Auch wenn nicht alle Jugendlichen das Gespräch mit den Älteren suchen, gib es immer wieder Ausnahmen, so Sündermann. Einige von ihnen möchten sogar auch nach der Schule im Pflegebereich arbeiten, was auch schon bei ihren vorherigen Jahrgängen passiert ist. So hatte die Pädagogin vor drei Jahren einen syrischen Flüchtling in ihrer Klasse, der anfangs kein Wort Deutsch konnte und heute als Altenpfleger arbeitet.

Das Konzept funktioniert und führt so weit, dass die Profilklasse Gesundheit und Soziales in diesem Jahr von der Gemeinde Scheeßel geehrt wird, verrät Sündermann. Die Scheeßelerin war eine Zeit lang krank und somit fiel auch ihr Unterricht und die Besuche der Schüler in der Tagespflege aus. Aber anstatt die freien Stunden für ihre Freizeit zu nutzen, setzten sich die Schüler trotzdem zu den Senioren an den Tisch, halfen im Garten und in der Küche. „Das war für mich ein toller Moment. So viel Einsatz ist bemerkenswert“, lobt Christiane Sündermann ihre Klasse.

Das Grillfest neigt sich nun dem Ende. Die Bratwürste, Salate und Desserts haben ihre jungen und alten Abnehmer gefunden. Nächste Woche kommen wieder zwei Schüler vorbei und lesen bestimmt auch diesen Artikel den Senioren vor.

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