Mehr als 600 Kinder besuchen die „Kinderkathedrale“ in der St.-Lucas-Kirche

Gottvertrauen und ein Tattoo

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Lange Tage für Erzieherin Elke Meyer: In ihrer Freizeit bringt sie Kindern die biblische Geschichte von Zachäus nahe. Die Puppen und Dekoration für die Szenenbilder haben sie und ihre Mitstreiterinnen in jahrelanger Arbeit selbst gebastelt.

Scheeßel - Ungewöhnliche Besucherströme verzeichnet die St-Lucas-Kirche in dieser Woche. Wenn Scharen von Kindern mit ihren Lehrerinnen oder Erziehrinnen an den Lippen von Elke Meyer und Sabine Gerken hängen, um die biblische Geschichte des durch Jesus geläuterten Zolleintreibers und Geizhalses Zachäus zu hören, wenn der Kirchraum vom Taufzimmer bis zum Altar spielerisch erkundet wird und am Ende ein Tattoo auf dem Unterarm landet , dann lässt sich das in einem Schlagwort zusammenfassen: Kinderkathedrale.

Bereits zum sechsten Mal führen „Swimmies“-Erzieherin Elke Meyer und Jugend-Diakonin Sabine Gerken mit Unterstützung zahlreicher ehrenamtlicher Helfer Grundschul- und Kindergartengruppen aus Scheeßel, Hetzwege, Oster- und Westervesede mit den zu Szenenbildern aufgebauten „Egli“-Erzählfiguren Puppen spielerisch an biblische Geschichten heran. Nachdem in den Vorjahren Geschichten wie die vom verlorenen Sohn in mehreren Akten mithilfe der Szenenbilder und viel altersgerechtem, erzählerischem Geschick zum Leben erweckt wurden, geht es dieses Mal um den Geldeintreiber Zachäus. In vier Akten wird dessen Geschichte greifbar gemacht. Wenn Gerken von der Ausgrenzung der Tochter des mit den Römern kooperierenden Außenseiters erzählt, gucken die Kinder betroffen. „Damit können sie sich identifizieren“, erklärt Meyer, „aber auch ein Stück weit mit dem Protagonisten selbst.“ In der Tat: Wenn die „Swimmies“-Erzieherin erzählt, dass Gott auch diejenigen liebt, „die, die mal schummeln oder lügen“, dann nicken einige der Kinder verständnisvoll, über das Gesicht eines Drittklässlers geht ein Strahlen. „Erstaunlich, welche Details sie wahrnehmen“, so Meyer. So entgeht den Grundschülern kaum ein Detail: „Ist der Zachäus so riesig, weil er in der Geschichte gewachsen ist?“, will einer Schüler der Eingangsstufe von Erika Mlayah-Petersdorf wissen. Andere machen sich Gedanken: „Wenn es eine Tochter und einen Vater gibt, wo ist dann die Mutter?“

Auch in der sechsten Auflage scheint die so gar nicht dem digitalen Zeitalter entsprechende Erzählform nichts an Faszination eingebüßt zu haben: „Normalerweise veranstalten wir die Kinderkathedrale alle zwei Jahre im Wechsel mit den Kinderkirchentagen“, so Meyer, sei aber den zahlreichen Anfragen von Schulen und Kindergärten nachgekommen. Auf das Team aus Ehrenamtlern kam im Vorfeld einiges an Arbeit zu, schließlich galt es, die erstmalig präsentierte Erzählung in vier Akten zusammenzufassen, die Kulissen für die einzelnen Szenen zu bauen und passende Lieder und Abschluss-Aktionen zu finden. Zu Hilfe kam die enge Kooperation mit der Rotenburger Stadtkirche: „Die haben das schon mal gespielt, das haben Bianca Schubert und ich uns das angeguckt“, so Meyer. Ferner helfe man sich gegenseitig mit dem Ausleihen von Dekorationen. Dieses Mal seien die Szenen in Arbeitsteilung entstanden: „Elke Kuhlmann, Sabine Böhm und ich haben je eine Kulisse jeweils mit unseren selbst gestalteten Figuren übernommen“.

Inzwischen ist die Schülergruppe im Taufzimmer angelangt. Dort wird, ganz wie in der gehörten Geschichte, ein kleines Fest gefeiert. Das zur Gitarre begleitete Lied kennen die meisten aus dem Religionsunterricht bei Annette Lange –wie die meisten Besucher wird sie den Besuch im Unterricht auch thematisch im Unterricht aufgreifen. Während ein Tattoo an den Besuch hier erinnert, wird in der Sakristei schon die nächste Gruppe, ein Kindergarten aus Ostervesede, auf den Besuch der Kirche vorbereitet. Massentourismus? „Ach was“, meint Meyer (trotz heiserer Stimme nach täglich rund sechs Gruppen) gelassen. „Jede Gruppe ist anders. Den Drittklässlern erzählen wir von Juden und Römern, bei Kindergartenkinder fällt die Geschichte entsprechend einfacher aus.“ Den Goldtaler, den der geläuterte Zachäus in der Bibel am Ende den Geprellten zurückgibt, bekommen alle Teilnehmer am Ende aus Schokolade.

hey

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