Flüchtlinge aus dem Sudan bewirtschaften ihr eigenes Beet

Mehr als nur Gartenarbeit

Kümmern sich fast täglich um ihren eigenen Gemüsegarten: Moaiad Awad Suleiman (rechts) und Taj Fazil Alsaid. - Foto: Rutzen

Westervesede - Von Hannelore Rutzen. Es wächst und gedeiht auf dem länglichen Gemüsebeet am Rande von Westervesede. Moaiad Awad Suleiman (37) und Taj Fazil Alsaid (42) sind gerade dabei, die Früchte ihrer Arbeit zu ernten. Gurken, Radieschen, Paprika und Dill haben sie hier, auf dem Grundstück von Familie Semmelroggen, angebaut. Für die beiden Flüchtlinge aus dem Sudan ist die Gartenarbeit eine willkommene Abwechslung zum Alltag.

Seit etwa einem Jahr leben die beiden Männer in Deutschland, untergebracht sind sie derzeit in dem kleinen Scheeßeler Dörfchen. Dass sie hier Ackerbau im kleinen Stil betreiben können, ist Liselotte Semmelroggen zu verdanken. „Ich habe die beiden zufällig in Scheeßel kennengelernt. Für mich lag es nahe, sie einmal zu uns einzuladen.“ Aus der einen Begegnung wurden schließlich mehrere. Immer zwecks der Verständigung mit dabei: die ebenfalls aus Westervesede stammende Doris Weimann, die Suleiman, Alsaid und anderen Flüchtlingen einmal in der Woche die deutsche Sprache beibringt.

Was Semmelroggen in den Gesprächen mit den beiden Sudanesen erfahren habe: „Sie waren total gespannt darauf, die deutsche Küche kennenzulernen und, wenn es ginge, einen eigenen Garten anzulegen – so wie sie ihn zu Hause gern gehabt hätten.“

Sie und ihr Mann überlegten nicht lange –und stellten ihnen am Stall einen Streifen Sandboden zur Verfügung. „Anderen Boden hatten wir leider nicht. Den Streifen besserten wir mit einigen Kubikmetern Muttererde auf.“

Und dann ging es schon los mit dem Umgraben, Säen und Pflanzen. Fast jeden oder jeden zweiten Tag sind Suleiman und Alsaid da, gießen, hacken und können inzwischen schon ernten. „Früher habe ich 20 Jahre als Farmer gearbeitet, nicht als Angestellter“, erzählt Alsaid. „Ich hatte selbst Landbesitz unter mir und baute unter anderem Äpfel, Guaven und Weintrauben an, die auf dem Markt verkauft wurden.“ Etwa 30 Arbeiter hätten ihm zur Seite gestanden. „Da reizte es mich, hier im Kleinen auszuprobieren, was möglich ist.“ Er selbst würde in Deutschland nun gerne ins Landwirtschaftsmanagement einsteigen. „Wenn wir tatsächlich eines Tages in die Heimat zurückkommen sollten, wäre das ein guter Einstieg und ein großer Vorteil, um unser Land nach vorn zu bringen“.

Die Zeit nicht einfach verstreichen lassen möchte der 37-Jährige Moaiad Awad Suleiman. Zwei Jahre habe er an der technischen Hochschule in Khartum Mechanik studiert, erzählt der Sudanese. „Wenn ich zurück könnte, würde ich das Studium fortsetzen wollen.“ Dem Vorschlag, einen Garten anzulegen, habe der leidenschaftliche Hobby-Maler sofort zugestimmt. „Ich möchte etwas tun, die Zeit nutzen, meine Deutschkenntnisse verbessern und einen Fuß in die Tür bekommen.“ Ob er sein Studium hierzulande fortsetzen kann – Suleiman zuckt mit den Schultern. „Ich weiß nicht wie groß die Unterschiede und welche Voraussetzungen notwendig sind. Aber das lässt sich ja alles klären.“ Inzwischen unterstützt er die Lehrer an der Beekeschule beim Übersetzen und Englischunterricht.

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