Mehr als 1000 Kilometer

Rainer Bassen fährt mit Rad und Packtaschen durch Weißrussland und Lettland

Für Hingucker ist Rainer Bassen jederzeit spontan vom Fahrrad abgestiegen – so wie hier in der an der Ostsee gelegenen lettischen Hafenstadt Liepaja.

Westervesede - Von Lars Warnecke. Er hat es wieder getan – und ist wohlbehalten ins heimische Westervesede zurückgekehrt. Exakt 1019 Kilometer radelte Rainer Bassen in diesem Sommer durch östliche Gefilde. Zehn Tage lang. Durch Weißrussland und Lettland. Und er genoss jeden einzelnen Kilometer. „Die Begegnungen auf meinen Reisen sind doch immer wieder das Salz in der Suppe“, schwärmt der 51-jährige Weltenbummler, im Berufsleben bei der Sparkasse Scheeßel beschäftigt, mit Blick auf das Erlebte. Ein Reisebericht.

Mit dem Flieger von Hamburg nach Riga und von dort, nach einem Umstieg, weiter nach Vilnius. Hier, in der litauischen Hauptstadt, nur 40 Kilometer von der Grenze nach Belarus entfernt, begann Bassens Abenteuer – allerdings nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte. 

„Leider waren meine Packtaschen nicht in Vilnius angekommen, da stieg erst mal leichte Panik in mir auf“, blickt er auf den Tourauftakt zurück. „Sie trafen zum Glück mit einem Folgeflug noch am Abend des gleichen Tages ein, die Betreiberin der grenznah gelegenen Unterkunft bot sofort an, mich zur Abholung des Gepäcks mit ihrem Auto zum Airport zu fahren, damit war alles wieder gut.“

Eine seiner ersten Stationen führte den Westerveseder in das weißrussische Lebedewo, wo er mit Tamara Anikeeva auf eine alte Bekannte treffen sollte. „Kennengelernt habe ich Tamara, die sich seit Jahrzehnten in der Hilfe für Menschen aus der von der Tschernobyl-Katastrophe geschädigten Gomeler Region engagiert, vor drei Jahren während meiner Tour von Minsk nach Moskau.“ 

Zehn Tage mit dem Rad durch Weißrussland

 © Rainer Bassen
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Schon an der Ortseinfahrt, die eigens für ihn mit einem Deutschlandbanner dekoriert war, sei er begrüßt worden – ein von Kindern gemaltes Plakat sowie Brot und Salz wurden als Willkommensgeschenk überreicht. „Die Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit lassen sich nur schwer in angemessene Worte fassen“, so Bassen. „Wir haben uns viel erzählt, ich habe wieder viel über das Leben, den Alltag, die Nöte und Sorgen meiner Gastgeber erfahren.“ Dass beispielsweise Stifte und Papier in der Schule Mangelware sein können, sei aus westeuropäischer Sicht kaum vorstellbar.

Weiter ging es. In zwei Tagesetappen führte seine Tour nordwärts durch den Narachanski- und den Braslau-Nationalpark. „Viele idyllisch gelegene Streckenabschnitte, sehr wenig Verkehr und gute Straßenbeläge machen das Radeln zum Genuss“, schwärmt Bassen. 

Als „Exot auf einem Fahrrad“ sei er in einem Dorf auch einem jungen Polizisten auffällig geworden. „Der hat meine Papiere kontrolliert, als ich nach dem Einkauf aus einem kleinen Laden heraustrat.“ Beim Herumblättern in seinem Reisepass mit den in den Jahren gesammelten Visa habe der Schutzmann durch seine Körpersprache und Mimik ihm unmissverständlich zu verstehen gegeben, wer in dem Land das Heft in der Hand hat. „Ich habe mich in dem Moment als geduldet gefühlt, mehr nicht.“

An der Grenze hieß es Geduld haben

Ein weiterer Tag bot von morgens bis abends durchgehenden Dauerregen. „Es war lausig und kalt“, erinnert sich der 51-Jährige. „Das lange Stehen am Grenzübergang und die behäbigen Kontrollen muss man einfach schlucken. Eine dreiviertel Stunde hat das Prozedere gedauert, hinter mir mindestens 500 Lkw, die ebenfalls nach Lettland einreisen wollten. Die Kutscher der Lastwagen können einem leidtun. Nach 145 Regenkilometern war Endstation in Jekabpils.“

Von Aizkraukle nahm Rainer Bassen den Zug in die Metropole Riga, zu der verkehrsreiche Straßen ins Zentrum führen. Sein nächstes Reiseziel: die Kleinstadt Kolka am Nordwestzipfel des Landes. „Der Blick über das Wasser, wo sich Ostsee und die Rigaer Bucht vereinen, ist traumhaft. Viele Ausflügler genießen die Weite und die zahlreichen feinsandigen Strandabschnitte, die sich entlang der lettischen und litauischen Westküste erstrecken.“

Von der Öl-Umschlag-Hafenstadt Ventspils mit seinen pittoresken Stadtparkanlagen machte der Osten-Fahrer einen Abstecher zurück ins Landesinnere nach Kuldiga. „Die schick restaurierte Stadt mit dem ehemals deutschen Namen Goldingen hat ihren Hauptanziehungspunkt mit den Stromschnellen des Flusses Venta und erinnerte mich mit ihren Häuserzeilen stark an Orte in Ostdeutschland in Zeiten nach der Wende.“

Viele Menschen sind neugierig, was Bassen antreibt

Die Abschlussetappe in die Hafenstadt Ventspils führte den Pedalritter noch einmal durch zahlreiche landwirtschaftlich genutzte Gebiete, in denen viele Kleinbetriebe neben Silogras und Heu auch Getreide, Mais und Kartoffeln von den Äckern ernten.

Nach 1019 gefahrenen Kilometern stieg der Westerveseder auf dem winzigen Flughafen von Liepaja in den Flieger zurück nach Hamburg. „Es war eine unspektakuläre, aber dennoch schöne Reise“, resümiert er. 

„Du hast als Gepäck-Radfahrer oft den kleinen Bonus, dass sich Menschen aufgrund ihres Interesses an deinem Vorhaben besonders um dich kümmern und wissen wollen, was dich antreibt, allein unterwegs zu sein. Die Verständigung ist kein Problem, mit den Begrüßungs- und Höflichkeitsformeln in der Landessprache öffnest du dich bereits deinem Gegenüber. Der Rest ergibt sich in englischer und deutscher Sprache.“

Die seinen Worten nach beste Erinnerung: Alle Gastgeber hätten sich mit ihrem Namen auf dem Tour-Shirt verewigt. „Meine besondere Freude an den Strecken sind immer wieder die Bilder der kleinen Landwirtschaft. Viele im vergangenen Jahrhundert gebauten Maschinen sind im Echteinsatz, Hingucker gibt es zu Hauf. Du musst nur anhalten und genießen – mit dem Rad geht das immer ganz spontan.“

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