Konzerte in Scheeßel

Maybebop-Sänger über neues Album: „Kinder werden unterschätzt“

Nicht nur mit Maybebop, sondern auch mit seinem Jazz-Ensemble Vocality war Oliver Gies schon in der Region.
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Nicht nur mit Maybebop, sondern auch mit seinem Jazz-Ensemble Vocality war Oliver Gies schon in der Region.

Immer wieder gerne kommt die A-Capella-Band Maybebop in die Region - das nächste Mal nach Scheeßel. Dort geben sie auch ein Konzert für Kinder. Wir haben bei Sänger Oliver Gies nachgefragt.

Scheeßel – Mit ihren A-Capella-Arrangements und eigenen Stücken haben sich die vier Mitglieder von Maybebop, nicht zuletzt dank der geografischen Wurzeln von Mastermind Oliver Gies regelmäßige Gäste in der Region, längst einen Namen gemacht. Nun kommen sie nicht nur für zwei Abendkonzerte in der St.-Lucas-Kirche zurück in den Beekeort, sondern erstmals auch mit einem Kinder- und Familienprogramm – unter anderem mit dem 2020 erschienenen Album „Kinderkram“.

Wir haben mit Oliver Gies, einem gebürtigen Rotenburger, über flache Spaßliedchen, zeitlose Mutmachlieder und den Anspruch von Kinderliedern gesprochen.

Herr Gies, welches sind die Kinderlieder Ihrer eigenen Kindheit, was fanden Sie cool?

Nicht direkt Kinderlieder, aber sehr gefeiert habe ich als Kind „Da steht ein Pferd auf dem Flur” von Klaus & Klaus, „Der Teufel und der junge Mann“ von Paola und die instrumentale Titelmusik der Drei-Fragezeichen-Hörspiele. Wobei ich aber natürlich auch mit Rolf Zuckowski groß geworden bin.

Ist „Kinderkram“ ein Produkt der Pandemie, in der ja viele Kreative die Zeit genutzt haben, um umzusetzen, was man immer schon mal machen wollte? Oder ist das Album eher Ihrer Lebensphase geschuldet – alle von Ihnen sind jetzt Väter?

Väter sind wir alle schon eine ganze Weile, meine Kinder sind inzwischen erwachsen. Die Idee, ein Kinderalbum zu machen, kursierte somit bereits seit vielen Jahren. Tatsächlich haben wir in der Corona-Zeit die Gunst der Stunde genutzt, um diese Idee endlich in die Tat umzusetzen.

Wie sind die Songs entstanden? Textet und komponiert es sich mit einer neuen Zielgruppe im Hinterkopf anders als sonst?

Natürlich, für Kinder schreibt es sich ganz anders als für Erwachsene. Wobei wir erfreulicherweise sehr oft die Rückmeldung bekommen, dass auch die Großen sehr viel Spaß an unseren Liedern für die Kleinen haben.

„Kinderkram“, das klingt nach „mal eben so“. Dabei ist das Ergebnis ja das genaue Gegenteil: sprachlich und musikalisch anspruchsvoll – nicht eben der Standard bei vielen Kinder-CDs. Ein Aufwand, den Sie sich selbst schuldig waren oder auch den Kids?

Von „Aufwand” oder Schuldigkeit” kann da keine Rede sein. Als Papis hören wir Zuhause mit, was unser Nachwuchs an Liedern aus der Schule oder dem Kindergarten mitbringt – und vieles davon entspricht ganz und gar nicht unserem Geschmack. Bei „Kinderkram“ haben wir gemacht, was uns selbst gut gefällt.

Auf Ihrer CD gibt es Abgeh-Hiphop und Beatboxing. Gab es in der Band Überlegungen, wie modern Kindermusik sein darf?

Zur Person

Der Sänger, Komponist und Arrangeur Oliver Gies ist in Rotenburg aufgewachsen und machte sein Abitur am örtlichen Ratsgymnasium. Nach einem Lehramtsstudium (Musik/Mathematik) in Hannover und einem Aufbaustudium in den Bereichen Komposition/Arrangement Jazz/Rock/Pop in Essen machte er sich als Mitbegründer und künstlerischer Leiter des A-Capella-Quartetts Maybebop einen Namen, für das er die meisten Stücke schreibt, arrangiert und textet.
Darüber hinaus schreibt Oliver Gies Auftragskompositionen und coacht Chöre sowie Ensembles.

Nein, gezielt darüber darüber haben wir uns keinerlei Gedanken gemacht, sondern einfach drauf los produziert. Am Ende hatten wir viel zu viele Songs und konnten daraus eine Tracklist zusammenstellen, die musikalisch abwechslungsreich und thematisch breit aufgestellt sollte.

Außer anspruchsvoller Musik wird die CD auch für seine starken Botschaften gelobt. Wie wichtig war es Ihnen, neben Spaßliedern wie „Bäm“ oder dem Mittanz-Song „Tanz alles, was du hast“ auch ernste Themen wie den Mut zum Anderssein (wie bei „Gut für die Hyäne“) oder Selbstvertrauen (in „Glaub an Dich“) zu behandeln oder zum Einmischen („Bundeskanzler*in“) aufzufordern?

Wir sind ja nun schon eine ganze Weile dabei und machen uns andere Gedanken als vor zehn oder 20 Jahren. Das spiegelt sich in unseren regulären Songs genauso wider wie bei der Kinderkram-Tracklist: Es würde uns einfach nicht mehr entsprechen, ausschließlich flache Spaßliedchen zu singen. Wobei wir aber auch ganz allgemein der Meinung sind, dass Kinder diesbezüglich unterschätzt werden. Deshalb gibt es so viel Kindermusik, die für Erwachsene nur schwer zu ertragen ist.

Gab es Themen, die Sie bewusst ausgeklammert haben?

Die Frage beantworte ich mal mit Nein. Wobei es schon Ideen zu eher schwierigeren Themen gab, für die wir keine gute Form der Umsetzung gefunden haben. Mal sehen, bestimmt kommt irgendwann „Kinderkram 2”, dann werden wir uns diese Ideen wieder vorknöpfen.

„Glaub an dich“ ist ein Mutmachlied“ – haben die Kinder in der Pandemie solche Songs momentan besonders nötig?

Sicherlich haben viele Kinder unter den vergangenen eineinhalb Jahren sehr gelitten und das Ausmaß der Wunden, die dort gerissen wurden, wird sich erst nach und nach offenbaren. Mutmachlieder sind aber zeitlos. Einen Song wie „Glaub an Dich” hätte ich selbst in meiner Kindheit auch schon gut gebrauchen können.

Als Alter ist auf der CD „ab vier“ vermerkt, viele der Texte sind aber deutlich für Ältere oder sogar Erwachsene – wie kann der Spagat einer so großen Altersspanne gelingen?

Beim Schreiben hatten wir Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren vor Augen, tatsächlich richten sich ein paar der Songs nun eher ans untere und ein paar eher ans obere Ende der Alterspanne. Die Stücke sind aber hoffentlich vielschichtig genug, dass man in jedem Alter etwas daraus ziehen kann.

Tickets

Das Konzert am 6. Oktober in der Scheeßeler St.-Lucas-Kirche beginnt um 16 Uhr. Für Erwachsene ab 16 Jahren kostet es 20 Euro, darunter 15 Euro. Karten gibt’s per E-Mail an info@kis-scheessel.de.

Sie haben eine Kinderjury entscheiden lassen, welche Songs veröffentlicht werden sollen. Gab es da Überraschungen?

Unsere „Jury” bestand aus über 30 Kindern aus unserem Umfeld. Die große Überraschung war, wie ausgewogen das Feedback war: Jedes Kind hatte andere Highlights. Und manche Songs haben polarisiert: Was für die einen eher ein Flop war, war für die anderen der absolute Hit.

Waren auch die eigenen Maybebop-Kinder dabei? Sind sie härtere Kritiker?

Klar, unsere Kinder waren natürlich dabei! Sie waren aber deshalb weder härter noch gnädiger.

Wenn man sich die Videos, etwa zu „Tanz alles was du hast“ ansieht, sieht das nach einem Riesenspaß aus – war es für Sie die Möglichkeit, ein paar Momente selbst Kind sein zu dürfen?

Da haben wir großes Glück mit unserem Beruf: Wir dürfen in jedem Konzert das Kind in uns von der Leine lassen.

Haben Sie das Album schon mal live auf Familienkonzerten spielen können? Wie geht es da zu – wilder, chaotischer und direkter als bei Erwachsenen?

Im September haben wir endlich unsere ersten Kinderkram-Konzerte gegeben. Wie das junge Publikum zum Beispiel bei „Tanz alles, was Du hast” abgeht, ist schon wirklich irre. Das kannten wir von unseren sonstigen Konzerten noch nicht.

Seit Erscheinen des Albums ist fast ein Jahr vergangen. Maybebop gelten als „Vielschreiber“ – ist schon ein Nachfolgealbum für Kinder in Arbeit?

Wir haben ja wie gesagt schon einen Batzen fertiger Songs in der Hinterhand. „Kinderkram 2” wird kommen.

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