Julian von Bothmer macht per Schleppflug Werbung fürs Geschäft

Marketing aus der Luft

Seit einem Jahr nennt Julian von Bothmer die C42, die er bis dato nur leihweise fliegen durfte, sein Eigen. - Foto: Heyne

Lauenbrück - Wenn Julian von Bothmer aus dem Fenster seines Büros schaut und an das Marketing für seine vor einem Jahr gegründete Immobilienfirma denkt, würde er am liebsten in die Luft gehen. Wenn dann auch noch Schäfchenwolken am Himmel zu sehen sind, so wie früher, tut der 37-Jährige es tatsächlich. Wohl als erster und einziger Unternehmer in der Region macht der Lauenbrücker Werbung aus der Luft: Nämlich mit einem Banner an seinem Ultraleichtflugzeug.

Das ist 290 Kilo schwer und kann 180 Kilogramm Zuladung aufnehmen. Das Banner aus Spezialtextil, aus dem auch Fallschirme gemacht werden und das nur von einer Firma in Deutschland angefertigt wird, wiegt bei 130 Quadratmetern gerade mal sechseinhalb Kilogramm. An den „Bannerschlepp“, so der offizielle Begriff im Fachjargon der Luftfahrtbehörde, musste der passionierte Hobbyflieger sich erst gewöhnen. 

Zur Schulung flog von Bothmer nach Stechow in Brandenburg. Fünf erfolgreiche Starts und Landungen sind vorgeschrieben; von Bothmer absolvierte sicherheitshalber acht. „Es fliegt sich schon ein bisschen anders: Beim Start steigt man langsamer, und fliegt langsamer bei höherer Drehzahl, dafür sinkt man schneller.“ Bis sechs Knoten, Seitenwind kein Problem.

An diesem Nachmittag hängt die Windhose am Rande der kleinen Graspiste schlaff herunter: es ist fast windstill – optimale Bedingungen. „Das hat man selten“, meint von Bothmer und steigt in seine Maschine. Zum zweiten Mal in diesem Jahr bläht sich der Stoff hinter der C42, Baujahr 2002. Der Schriftzug „Hausverkauf? Bothmer.com“ wird an diesem Nachmittag zuerst über Sittensen, später über Sottrum zu sehen sein, „in Scheeßel war ich neulich schon“, erklärt von Bothmer seine Route.

Der Nachmittag im Flugzeug: Hobby oder als Werbung für die eigene Firma Teil des Berufs? Diese Frage stellt sich für den zweifachen Familienvater nicht. Er lebt seit dem Erwerb seiner Lizenz 2010 einen Kindheitstraum. Das war nach einer schweren Krebserkrankung. „Ich wusste, wenn ich die überstehe, möchte ich mir einige Träume erfüllen.“ Das Fliegen stand ganz oben auf der Liste. Die Faszination, die er schon als Kind entwickelte, lange vor der Leidenschaft für Immobilien während des BWL-Studiums, erklärt der ehemalige Eichenschüler so: „Hier ist man frei, kann abschalten, auftanken und sich eine Auszeit nehmen.“

Und irgendwie schließen sich hier auch Kreise: Als Kind war von Bothmer oft mit dem älteren Bruder hier. „Mein Vater war leidenschaftlicher Hobbyflieger – leider haben wir das nie aktiv zusammen ausüben können.“ Er habe damals auch den kleinen Privatflughafen gebaut. „Als Kinder wollten wir immer mitfliegen. Es hieß: Wenn Ihr Schäfchenwolken seht, dürft Ihr vor beikommen!“ Vor dem Abheben hätten die Kinder allerdings noch Knoten lernen müssen, „der anschließende Flug war quasi die Belohnung“.

Zwischen 1 500 und 2 000 Fuß fliegt von Bothmer, vorbei am Tister Moor, in der Ferne ist der Eichenring zu sehen. Schon bald kommt der Kirchturm von Sittensen in Sicht. Das weiß-blaue Ultraleichtflugzeug macht eine Schleife am Golfplatz vorbei; über Ortschaften darf nicht geflogen werden. Die 80-PS-Maschine schnurrt. Über Funk hält der Immobilienmakler, der mit Leidenschaft und Offenheit gegen das schlechte Branchenimage kämpft, zum Funkleiter am Boden Kontakt. „Sieht‘s nach Regen aus?“, will er wissen. Dann müsste er nämlich umkehren. Doch er hat Glück: Es kann weiter gehen – nach Zeven.

hey

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