Manuela und Sylvia Graser betreiben privaten Gnadenhof

Die Stallgemeinschaft

Manuela Graser verzichtet für ihre Tiere gerne auf Urlaubsreisen.
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Manuela Graser verzichtet für ihre Tiere gerne auf Urlaubsreisen.

Manuela und Sylvia Graser aus Scheeßel betreiben einen privaten Gnadenhof für Tiere. Sie pflegen dort unter anderem elf Hühner, die zuvor in einer Massentierhaltung untergebracht waren. Ältestes Tier auf dem Hof ist Esel-Oma Scotty mit 36 Jahren. „Die Tiere sind unsere Kraftquelle“, sagt Manuela Graser.

Scheeßel – Gerade einmal sechs Wochen ist es her, seit die elf Hühner Stall und Gehege auf dem privaten Gnadenhof von Manuela und Mutter Sylvia Graser in der Nähe von Scheeßel bezogen haben. Fotos zeigen die Tiere kurz nach ihrer Befreiung durch den Verein „Rettet das Huhn“ aus einer Massentierhaltung in Schleswig-Holstein. Dort waren sie eingepfercht mit 125 000 Artgenossen, dicht an dicht – ohne frische Luft und Sonnenlicht.

Als die beiden Tierschützerinnen ihre elf Hühner aus einem Tierheim in Hamburg abgeholt haben, waren diese abgemagert und blass, ihre gerupfte Haut war gezeichnet von Kampfspuren. „Sie gaben ein trauriges Bild ab – als wir gesehen haben, in welchem Zustand sie sind, schossen uns Tränen in die Augen. Es ist schlimm, was der Mensch Tieren antut. Bodenhaltung wie diese sollte endlich verboten werden“, fordert Manuela Graser.

Der Verein „Rettet das Huhn“ befreit Tiere aus schlechter Haltung und vermittelt sie an Interessierte, die ihnen ein artgerechtes neues Zuhause bieten. „Wir wollen damit etwas wiedergutmachen, den Tieren ihre Würde zurückgeben und ihnen ein schönes restliches Leben ermöglichen“, betont Manuela Graser.

Mit Erfolg: Die elf Hühner sind heute kaum wiederzuerkennen: Die Federn wachsen nach, der Kamm ist kräftig rot und sie haben bereits deutlich zugenommen. Die Tiere haben auch ihr Verhalten geändert, hat Manuela Graser beobachtet: „Als sie zu uns kamen, waren sie sehr hektisch und haben sich gegenseitig gehackt – inzwischen sind sie ruhiger, entspannen auch mal in der Sonne und genießen ihr Sandbad. Es macht mich glücklich, sie dabei zu beobachten. Sie danken uns die gute Pflege jeden Tag mit bis zu zehn Frühstückseiern.

Die beiden Ziegen übernehmen die Weidepflege.

Manuela und Sylvia Graser widmen ihr Leben ihren Tieren. Auf ihrem Bauernhof leben derzeit drei Pferde, ein Esel, sechs Katzen, drei Hunde, drei Ziegen, zwei Rinder und insgesamt 15 Hühner. Jedes der Tiere hat dort einen Platz auf Lebenszeit. „Wir möchten keines von ihnen missen. Keine Frage: Wir wurden schon oft belächelt, und ein bisschen verrückt ist es ganz bestimmt. Denn es kostet uns viel Zeit und Geld. Urlaub ist nicht drin. Aber das ist uns egal, denn die Tiere geben uns viel zurück“, erklärt Manuela Graser, die als soziale Begleitung im Rotenburger Tine-Albers-Haus arbeitet und nebenbei Landwirten beim Melken hilft.

In den frühen Morgenstunden übernimmt Mutter Sylvia den Stalldienst: „Das ist für uns keine Arbeit, sondern Entspannung. Wenn wir eine Auszeit brauchen, dann setzen wir uns an die Weide und gucken den Tieren zu. Sie sind unsere Kraftquelle“, sagt die Rentnerin, die ehrenamtlich als Grüne Dame im Tine-Albers-Haus tätig ist.

Esel-Oma Scotty genießt die Fellpflege von Sylvia Graser.

Während die beiden über ihre Tierschutzarbeit berichten, wird es plötzlich laut. Esel-Oma Scotty fordert mit einem lang gezogenen „I-Aaah!“ Aufmerksamkeit –  und bekommt sie. Scotty ist 36 Jahre alt, hat altersbedingt kaum noch Zähne und ist fast blind. „Solange sie ihr Leben genießt, bleibt sie bei uns“, betont Sylvia Graser und bürstet das Fell des starrköpfigen Tieres.

Auf der Weide nebenan toben derweil Willy und Welana in der Sonne. Der Ochse und die Kuh sind Zwillinge. „Sie sollten zum Mäster und wären dann bald zu Fleisch verarbeitet worden. Wir haben sie als Kälber bei uns aufgenommen – im November werden sie ein Jahr alt“, berichtet Manuela Graser.

Die Hühner erholen sich nach der Rettung.

Als sie und ihre Mutter Gesellschaft für ihren Wallach „Sir“ gesucht haben, stießen sie auf den Verein „Vier Hufe im Glück“, der Pferde vor dem Schlachthof rettet oder aus schlechter Haltung befreit. „So kamen wir zu Gibsy und Coco – die Drei verstehen sich sehr gut“, freut sich Manuela Graser.

Sie hatte gezögert, ehe sie dem Besuch der Presse zugestimmt hat. „Denn das, was wir machen, ist für uns etwas ganz Normales“, erklärt die Tierschützerin. Sie möchte für sich selbst keine Spenden sammeln („Wir kommen schon irgendwie zurecht“), sondern hofft darauf, dass der ein oder andere die Tierschutzvereine unterstützt, die ihr am Herzen liegen: Rettet das Huhn (www.rettet-das-huhn.de), 4 Hufe im Glück (www.4hufeimglueck.com) sowie den Tierschutzverein für den Landkreis Rotenburg (www.tierschutzvereinrotenburg.de). „Wie viele andere Vereine machen die Drei wichtige Arbeit“, betont Manuela Graser. Sie appelliert an Verbraucher, ihr Konsumverhalten zu ändern: „Wir müssen weg von dem Gedanken: Geiz ist geil. Denn dafür bezahlen vor allem die Tiere. Nach 16 bis 18 Monaten in Gefangenschaft werden Hühner in der Massentierhaltung entsorgt. Es gibt im ländlichen Bereich viele Landwirte, denen das Wohl ihrer Tiere – Hühner genauso wie Schweine und Rinder – am Herzen liegt, sie gilt es zu unterstützen.

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