Urteilsspruch am Verdener Landgericht

Acht Jahre Haft: Schuldig des Totschlags

Scheeßel/Verden - Weil er seine Frau im Wahn erstochen hat, muss ein 42 Jahre alter Angeklagter aus Scheeßel für acht Jahre in Haft. Der Mann hatte geglaubt, dass seine Frau schwarze Magie betreiben, ihn vergiften und betrügen würde. Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Verden hat den Iraker am Donnerstag des Totschlags schuldig gesprochen.

Das Ehepaar und seine sieben Kinder waren vor der Terrormiliz Islamischer Staat nach Deutschland geflohen. Seit Dezember 2016 lebten sie in Scheeßel. Ein Messer mit einer 19 Zentimeter langen Klinge hatte der Angeklagte schon seit rund einem Monat in der Garage bereitgelegt. Am Morgen des 2. März 2017 entschloss er sich zur Tötung seiner Frau. In der Küche des Hauses stach er mindestens 17 Mal auf seine Frau ein. Das Gericht geht davon aus, dass es zuvor ein Streitgespräch gegeben hatte. Ob die Schilderungen des Angeklagten dazu der Wahrheit entsprechen oder auf seinem Wahn basieren, musste offen bleiben.

Nach der Tat hatte der Angeklagte das Haus verlassen. „Er warf die Tatwaffe in eine Altpapiertonne und rief einen Bekannten an“, hieß es in der mündlichen Urteilsbegründung. Dann stellte er sich der Polizei. Vor dem Haus am Vareler Weg hatte der Angeklagte noch zwei seiner Söhne getroffen und war dann weggelaufen. Sie fanden die verblutende Mutter im Haus.

„Die Frage der Täterschaft wenige Minuten nach Tat geklärt“

„Die Frage der Täterschaft war wenige Minuten nach der Tat geklärt“, stellte Verteidigerin Sandra Beuke am Donnerstag in ihrem Plädoyer fest. In dem Prozess ging es vielmehr um das Motiv und die rechtliche Einordnung. Streit soll es in der Beziehung aber früher schon gegeben haben. „Infolge der Kriegswirren und der Traumatisierungen, die der Angeklagte erlebt hat, kam es dazu, dass sich eine psychische Störung entwickelte“, sagte der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk. Die Ehe soll zudem von der Mutter des Angeklagten arrangiert worden sein. Der Angeklagte soll damals 14 gewesen sein. Seine Frau war zehn Jahre älter.

Einigkeit herrschte unter allen Verfahrensbeteiligten, dass der 42-Jährige sich des Totschlags schuldig gemacht habe. Die Staatsanwaltschaft hatte neuneinhalb Jahre und die Verteidigerin acht Jahre gefordert. Für die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus lagen die Voraussetzungen nicht vor, was auch die Kammer zu bedauern schien. „Dort könnte er behandelt werden, aber die Unterbringung ist vom Gesetz her an starre Voraussetzungen geknüpft“, so der Vorsitzende. Es brauche eine Wahrscheinlichkeit höheren Grades, dass der Angeklagte erneut eine solch schwere Straftat begeht. „Diese Wahrscheinlichkeit liegt nicht vor“, stellte er abschließend fest.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

wb

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