„Man muss zusammen atmen“

Kantor Andreas Winterhalter konzertiert mit Starpianistin

Andreas Winterhalter

Scheessel - Freitag Abend ab 19 Uhr erleben die Scheeßeler Gemeinde und Klassikfans aus der gesamten Region ein außergewöhnliches musikalisches Ereignis: Kantor Andreas Winterhalter, der sich mit seinen solistischen Saalkonzerten am Klavier in der Vergangenheit ebenso einen Namen gemacht hat wie mit seinen Duo-Aufritten mit dem Pianisten Mo Bessim, wird mit der australischen Starpianistin Primavera Shima in der St.-Lucas-Kirche konzertierten.

Auf dem Programm: Mozart, Milhaud, Rachmaninow. Was es mit der außergewöhnlichen Kooperation an zwei Flügeln auf sich hat, verriet uns der Scheeßeler Kantor im Gespräch.

Herr Winterhalter, wie kam es zur Idee dieses außergewöhnlichen Konzerts?

Andreas Winterhalter: Das Projekt ist mir schon viele Jahre im Kopf herum geschwirrt. Dass es nach langer Vorbereitungszeit nun zu meinem 50. Geburtstag klappt, ist nicht nur ein Geschenk für mich, sondern auch an alle musikalisch Interessierten – geteilte Freude ist ja bekanntlich doppelte Freude. Es wird schön, an diesem Geburtstag meine Freude an Musik mit möglichst Vielen zu teilen.

Wie sind Sie gerade auf Primavera Shima gekommen, die als Australierin in Paris ja nicht gerade eine naheliegende Duopartnerin ist?

Winterhalter: Die internationale Ausrichtung habe ich bewusst gewählt – mir war danach, zu sehen, wie andernorts Kultur- und Konzertbetrieb gelebt wird. Bei der Suche nach einer musikalischen Partnerin hatte ich seit Längerem auf Youtube recherchiert und im Laufe der vergangenen Jahre immer mal geguckt, wie die Pianisten die Stücke interpretieren, die ich selbst schon gespielt hatte oder mal spielen wollte. Es besteht ja auch das Risiko, dass man sich zwischenmenschlich oder musikalisch nicht versteht.

Nun war das mit dem „Beschnuppern“ ja nicht so einfach, weil sie in Paris lebt.

Winterhalter: Ja, sie hatte nach einem Studium in London Französisch und Deutsch gelernt im Hinblick auf das weitere Studium – Deutsch war ihr zu schwer, also ist es Paris geworden… Ich bin im Sommer einmal zur ersten Verständigungsprobe hingefahren – die Tempi hatten wir vorher schon abgesprochen – und es hat gleich von Anfang an harmoniert; wir liegen auf einer Wellenlänge.

Wie haben Sie sich denn verständigt?

Winterhalter: Zuerst mit einer Mischung aus Franglais, später haben wir gemerkt, dass es auf Englisch doch einfacher ist.

Und warum ausgerechnet sie? Was schätzen Sie an ihr?

Winterhalter: Die Mischung aus Ausdrucksstärke ihres Spiels, gepaart mit einer gesunden Portion Virtuosität.

Wie steht es mit Ihrer eigenen Virtuosität – der Rachmaninow gilt technisch nicht gerade als Spaziergang.

Winterhalter: Das ist in der Tat technisch das virtuoseste Stück, das ich je gespielt habe. Ich feile seit 2016 an dem Programm, denn Musik kann man ja erst anfangen zu machen, wenn die Technik stimmt. Und bin sehr zuversichtlich, dass auch da am Freitag eine Menge Musik rauskommt. Auch wenn wir gerade bei diesem Stück gemerkt haben, dass wir bei einigen gleichen Passagen, die beide Flügel an unterschiedlicher Stelle haben, sehr unterschiedlich interpretieren. Das kann wiederum auch einen gewissen Reiz ausmachen.

Sie haben des Öfteren vierhändig an einem Instrument konzertiert. Ist das Spiel an zwei Flügeln noch einmal eine andere Herausforderung?

Winterhalter: Ja, in der Tat. Dadurch, dass der Klavierton durch die Hammer auf den Saiten erzeugt wird und im Unterschied etwa zu Streichern sofort präsent ist, lässt sich nicht kaschieren, wenn man nicht absolut gleichzeitig spielt. Man muss quasi zusammen atmen. Das hat im Sommer bei uns auf Anhieb geklappt.

Wann ist der Moment, wo das Geburtstagskind sich denkt: „Das ist mein schönstes Geschenk?“

Winterhalter: Eigentlich schon die ganze Zeit. Die gesamte Vorfreude, von der Idee mit Anfang 40, einmal mit einem internationalen Pianisten auf einer anderen professionellen Ebene zu spielen, die über Jahre immer mehr Gestalt angenommen hat – diese Dauerfreude lässt sich nicht auf einen bestimmten Moment reduzieren.

hey

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