140 Jahre und kein bisschen leise

Männerchor Scheeßel feiert Ende Oktober runden Geburtstag mit einem Chorfest

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Geballte Sangeskraft: der Männerchor Scheeßel beim diesjährigen Museumstag im Meyerhof.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. 140 Jahre Männerchor Scheeßel: Ein so imposantes Alter erreicht ein reines Männerensemble nur selten. Für die Sänger, die bis heute den Chorgesang mit Leidenschaft pflegen, ist ihr stolzes Alter Anlass für ein großes Konzertfest mit verschiedenen Chören aus Scheeßel und Umgebung. Gefeiert werden soll das Ende Oktober.

„Anfang 1878 hat alles begonnen“, sagt der jetzige erste Vorsitzende Karsten Volckmer und nimmt eine alte Zeitung zur Hand. Darin ist folgende Meldung zu lesen: „Am Sonnabend ist hier ein Gesang-Verein unter Leitung des Organisten Herrn Brunkhorst gegründet worden. Als Vorstand ist der Bahnmeister Herr Kümmel gewählt. Möge der Verein recht zahlreich werden: Wie verlautet, sollen die Uebungen im Wohlberg‘schen Gasthause (heute Scheeßeler Hof, Anm. d. Red.) stattfinden.“

Es sind spannende Daten, die Volckmer aus alten Unterlagen und Schriften zusammengesucht hat. Das älteste Dokument des Chores sind die 15-bändigen, in sorgfältiger, reich verzierter Handschrift abgefaßten „Statuten des Gesangvereins Scheeßel“. In 16 Paragraphen ist dort bis ins Kleinste geregelt worden, was für ein ordnungsgemäßes Vereinsleben als nötig erachtet wurde. So hieß es für die ersten 20 Chormitglieder (vor allem Handwerker, Kaufleute und Bahnbedienstete, aber auch Landwirte), dass sie sich verpflichten mussten, sich jeden Sonnabendabend – im Winter um 8 Uhr und im Sommer um 8 1/2 Uhr – pünktlich im Vereinslokal einzufinden. „Zehn Pfennige Strafe gab es bei einer Viertelstunde Verspätung“, berichtet der Vorsitzende. „Entscheidend war die Zeit, die die Kirchturm-Uhr anzeigte.“

Überhaupt ging alles sehr streng zu, so war dem damaligen Dirigenten, Lehrer und Organisten Jakob Gotthold Brunkhorst im Hinblick auf den Gesangverein unbedingt zu gehorchen. Während der Übungsstunden durfte weder geraucht, noch durften „geistige Getränke“ zu sich genommen werden. Wer ohne Entschuldigung fehlte, musste 25 Pfennige, also die Hälfte des Monatsbeitrages, bezahlen.

Über die Aufnahme in den Verein entschied seinerzeit das sogenannte „Ballotement“: Am Übungsabend wurde mittels weißer und schwarzer Kugeln über einen Aufnahme-Antrag abgestimmt. Aus späteren Protokollen ist ersichtlich, dass nur selten Ablehnungen erfolgten. Heute ist die Aufnahme aller Schichten der Bevölkerung längst eine Selbstverständlichkeit. Mehr als 35 aktive Sänger zählt der Chor aktuell, dazu gesellen sich noch weit über 100 fördernde Mitglieder. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Volkmar Hank. Jeden Dienstag trifft man sich ab 20 Uhr im Übungszentrum am Scheeßeler Kreuzberg. Gesungen werden, damals wie heute, Lieder mit deutschem Text. Alte Stücke aus der Gründungszeit („Es löscht das Meer die Sonne aus“, „Wie ein stolzer Adler“) werden vom Männerchor auch heute noch intoniert. Darüber hinaus studiert die Gruppe aber auch modernere Lieder ein.

Zurück zur Chronik: Im Jahre 1924, mit der Gründung eines Frauenchores im Beeke-Ort, entschloss man sich zur Namensänderung: Aus dem Gesangverein wurde der Männerchor Scheeßel. Bedingt durch Krieg und dem Mangel an Leitungskräften ruhte die Chorarbeit über viele Jahre hinweg. Am 22. Februar 1969 aber, mit dem traditionellen Heringsessen, nahm man auf Initiative von gut einem Dutzend ehemaliger Sänger die Chorproben unter der Leitung von Karl Römer wieder auf.

Junger Zuwachs gerne gesehen

Unzählige Konzerte und Veranstaltungen sind in der Chor-Chronik verzeichnet, darunter auch ein TV-Auftritt mit James Last sowie ein Geburtstags-Ständchen für die Volksschauspielerin Heidi Kabel im Ohnsorg-Theater. Auch gesellige Veranstaltungen, wie eben das alljährlich stattfindende Heringsessen, Ausflüge und Reisen hätten beim Chor hohen Stellenwert, wie Karsten Volckmer betont. „Jungen Zuwachs können wir aber immer gut gebrauchen“, so der Vereinschef. Im Chor könne jeder mitmachen, der Spaß am Singen hat. Notenkenntnisse seien nicht erforderlich.

Erst kürzlich hat das Ensemble sein 140-jähriges Bestehen zum Anlass für ein Grillfest mit mehr als 60 Feiernden genommen. Die eigentliche Feier soll jedoch erst im Herbst, am Sonntag, 28. Oktober, über die Bühne gehen – dann unter anderem mit Auftritten des Frauenchors Scheeßel, des Chors Continuo mit Kantor Andreas Winterhalter sowie mit Teilen der St.-Lucas-Kantorei. Beginn des zweistündigen Konzertreigens ist um 17 Uhr in der Aula der Grundschule.

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