Das Mähwerk im Nacken

Brut- und Setzzeit: Hegeringleiter sieht gesetzliche Auflagen nicht erfüllt

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Was Hegeringleiter Hubertus Steinke am Rand dieser frisch gemähten Wiese entdeckte, war nicht schön. 

Helvesiek - Von Lars Warnecke. Ob junge Hasen, Rehkitze oder Vogelküken – von Anfang April bis Mitte Juli verwandeln sich Feld und Flur in eine regelrechte Kinderstube. In Niedersachsen gilt dann die jährliche Brut- und Setzzeit. Um die Tiere nicht zu stören, sind bestimmte Arbeiten wie das Mähen oder Mulchen von Wegeseitenränder nicht erlaubt. Doch genau das scheint etlichen Landwirten in Helvesiek offenbar egal zu sein, empört sich Hubertus Steinke, Leiter des Lauenbrücker Hegerings. „Hier im Ort schert sich kaum jemand um das Gesetz.“

Der Anblick ist nichts für Zartbesaitete: Drei Feldhasen liegen leblos im Gras. Zerstückelt, qualvoll verendet. Vor wenigen Wochen waren die Jungtiere in der Helscher Feldmark einem Kreiselmäher zum Opfer gefallen, mitten in der Schonzeit. Vom Trecker aus waren die Tiere, die sich im hohen Gras versteckten, schlicht nicht zu sehen. Steinke, selbst in Helvesiek wohnhaft, hat die Kadaver fotografiert. „Jedes Jahr passiert es so regelmäßig wie Weihnachten, dass hier schon ab Mitte Mai die Feldseitenränder gemäht beziehungsweise gemulcht werden, obwohl dies laut Naturschutzgesetz erst nach dem 15. Juli erlaubt ist“, sagt der 59-Jährige. Durch radikale Aktionen vor Ablauf der Brut- und Setzzeit würden immer wieder wichtige Rückzugsgebiete für junges Niederwild, Insekten, Spinnen und Kräuter zerstört – Nahrungsgrundlage auch für viele Vögel. „Seit Jahren schon fordere ich als Vertreter der Jägerschaft, diese Mahd- und Mulchpraxis zu beenden, passiert ist aber noch nichts“, meint er.

Einhaltung des Bundesnaturschutzgesetzes macht sich bezahlt

Dabei sieht der Hegeringleiter auch die Samtgemeinde Fintel in der Pflicht, sensibler mit dem Thema umzugehen. Würden sich die meisten Wegeseitenränder doch in deren Besitz beziehungsweise im Eigentum der Mitgliedsgemeinden befinden. „Das Mähen oder Mulchen vor Ende der Schonzeit macht zwar einen gepflegten Eindruck, zerstört aber erhaltenswerte Vegetationsbestände.“ Seinen Worten nach habe der Landkreis in selbiger Sache schon mehrfach an die Gemeinden appelliert, „eine spürbare Änderung der Praxis ist aber noch nicht eingetreten“. Dabei mache sich die Einhaltung des Bundesnaturschutzgesetzes buchstäblich bezahlt. Denn ein Verstoß könne eine hohe Geldbuße nach sich ziehen, sagt Steinke. Nämlich bis zu 10.000 Euro.

Im Rathaus der Samtgemeinde will man jedenfalls Besserung geloben, was das durch sie während der Brut- und Setzzeit in Auftrag gegebene Mulchen der Wegeseitenränder an den Gemeindeverbindungsstraßen betrifft. „Die zuständigen Kollegen wurden angewiesen, künftig in jedem Einzelfall eine sorgfältige Abwägung zwischen den Belangen der Verkehrssicherheit und des Naturschutzes vorzunehmen“, lässt Ordnungsamtsleiterin Henrike Hoppe wissen.

Zugleich habe man bereits mit mehreren Bürgermeistern der Mitgliedsgemeinden bereits Kontakt aufgenommen, um auch diesen nochmals die Dringlichkeit des Anliegens vor Augen zu führen.

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