„Time-To-Talk“-Vortrag zum Thema „Vergebung“

Loswerden statt Verdrängen

Die Berliner Theologin Birgit Fingerhut appellierte daran, mit sichselbst, anderen und Gott Frieden zu schließen.

Scheeßel - Zwei Mal im Jahr steigt es, das ebenso erfolgreiche wie vielgestaltige Format „Time to Talk“ der Kirchengemeinden Scheeßel und Sittensen. Jetzt schienen die Organisatorinnen mit dem Thema „Vergebung“ wieder den Nerv der Frauen getroffen zu haben – mit 120 Teilnehmerinnen des „Abends für mich“ mit einem Vortrag zum Nachdenken war der Scheeßeler Hof so gut wie ausverkauft.

Bereits beim Betreten des Saals strömt den Besucherinnen, die meisten waren mit mehreren Freundinnen dort, das Herzblut entgegen, mit dem das 16-köpfige Team jede Veranstaltung in sechs Sitzungen plant: Liebevolle Tischdeko, ein Glas Sekt zum Empfang, auf den Tischen Kärtchen für Rückmeldungen, und mit der Sittenserin Anne Thies und ihrem Duopartner Jan-Philipp Grüthusen seit Kinderfreizeittagen eine musikalische Umrahmung, die das Thema mit passenden Songs aufgreift. Das hat es an diesem Abend in sich, ist das Thema „Vergebung“ ganz im Unterschied zum vorigen Fingerfood doch alles andere als leichte Kost.

Fingerhut schildert schwierigen Prozess der Vergebung

Die Referentin, die Berliner Theologin Birgit Fingerhut, weiß, wovon sie spricht. In ihrer Praxis als Internet-Seelsorgerin, aber auch aus eigener Erfahrung, hat sie mit Fällen zu tun, in denen Vergebung schwer fällt: Lügen beim Verkehrsgericht, Verkehrstod der Tochter, Missbrauch durch den eigenen Vater.

Eindringlich schildert Fingerhut den schwierigen Prozess der Vergebung, der ihrer Meinung nach unausweichlich ist – nicht, um den Täter der Verantwortung zu entheben, sondern um des eigenen Seelenfriedens willen: „Ungerechtigkeiten, Verletzungen Kränkungen. Fortgesetzt müsste man sich das jedoch nicht gefallen lassen: Bei Grenzüberschreitungen setzen Sie sachlich und freundlich aber entschieden Grenzen.

Fingerhut verhehlt nicht, dass es sich um einen schmerzhaften Prozess handele, aber: „Sie müssen sich ihren Gefühlen stellen“. Ihr Credo: „Nicht verdrängen, sondern loswerden!“ Sie selbst hat ihren Weg gefunden: „Ich lade meine Last auf Gott“. ; sie rät jedoch auch zu professioneller Hilfe.

Dabei gibt die charismatische Referentin auch ganz praktische Tipps wie: „Schreiben Sie auf: Was will ich von den anderen: Schadensersatz? Reue? Eine Entschuldigung?“

Viel Stoff zum Nachdenken – die ausgelegten, auszufüllenden „Schuldscheine“ und „Mutmachkarten“ sollen helfen, einen Anfang zu machen. An den Tischen wird eifrig diskutiert. Ein weiterer denkwürdiger Abend, bevor „Time to Talk“ am 31. März mit einem Poetry Slam seinen zehnten Geburtstag feiert. 

hey

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