Alternatives Gottesdienstformat

Christliche Rockband „Stereo Heaven“ in der St.-Lucas-Kirche

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Bei ihren christlichen Liedern steht für „Stereo Heaven“ aus Elsdorf die Lobpreisung Gottes im Vordergrund.

Scheeßel - Wabernde, elektronisch verstärkte Ambient-Klänge, der Altarraum voller Kabel, dahinter eine Leinwand mit frohen Botschaften und Symbolen auf bonbonfarbenen Hintergründen – ein gewöhnlicher Gottesdienst war es nicht, der da am Sonntagabend in der St.-Lucas-Kirche gefeiert wurde. Sollte es auch gar nicht, richtet sich das Format „Abendz ... – dieses Mal mit einem Konzert der Band „Stereo Heaven“ aus Elsdorf – doch an alle, die andere Formen des Gottesdienstes suchen.

Ausdrücklich eingeladen waren bei diesem „KU 7 Start“ die neuen Konfirmanden. Ausgerechnet von denen fanden sich unter den rund 50 Besuchern nur wenige. Vielmehr bestimmte eine bunte Mischung aller Semester das Bild – ein Zeichen, dass auch bei den Erwachsenen der Wunsch zur Reformation der Gottesverehrung besteht? Wie dem auch sei: Die fünfköpfige Band hat mit meist poppigen, gefälligen Songs für sich diesen Weg gefunden. Mal Ballade, mal Rocksong, wechseln sich eher kontemplative Stücke mit schnelleren Beats ab. Klatschen ist erwünscht, Tanzen und Mitsingen (die Texte werden eingeblendet) auch – „Lasst uns gemeinsam Gott loben“, lädt Sängerin Louisa Wilkens ein. Erstaunlich viele der Besucher erweisen sich bei den modernen christlichen Liedern auf Deutsch und Englisch mit den eingängigen Melodien und griffigen Botschaften als textfest. Und genau deshalb sind die Elsdorfer gern zum zweiten Mal in Scheeßel zu Gast: „Letztes Mal seid ihr so gut mitgegangen hier!“

Wilkens und ihre Mitstreiter lassen zwischen den Songs kaum Zeit für Applaus. Der ist auch gar nicht unbedingt erwünscht, denn, so die charismatische Abiturientin: „Es geht nicht darum, uns in den Vordergrund zu stellen – sondern darum, Gott zu danken.“ Und das machen sie gut: mit ausdrucksstarker Stimme, stimmiger Instrumentierung mit Keyboard, Synthesizer (Bandgründer und „Pate“ Winfried Sembritzki darf von hier aus die Fäden ziehen, auch wenn die Band seit Längerem auf eigenen Beinen stehen und musizieren kann), Cajon/Schlagzeug sowie, ganz klassisch, Gitarre und Bass. Von den Saitenzauberern Jost Höfer und Finn Stockmann ist leider wenig zu hören – schade, dass das Bekenntnis der Veranstalter zu neuen Wegen sich nicht im Mut zu den im Rock erforderlichen Dezibel niederschlägt, ohne die seltenen, aber famosen Gitarrensoli schlichtweg untergehen.

Auch, wenn sich hier sehr professionell agierende junge Musiker zusammengefunden haben, besteht kein Zweifel: Das Konzert lebt vom Charisma der Frontfrau Louisa Wilkens. Die erzählt frei heraus und eindringlich von ihren persönlichen Erfahrungen mit Gott, von ihren Zweifeln und ihrem Glaubensweg – ein Weg, der sich unter anderem in der berührenden, nur mit Keyboard begleiteten Eigenkomposition „For You“ niederschlägt. In den von Balladen geprägten 90 Minuten sticht noch ein Song hervor: Eine Coverversion von Goldfingers „What if God was one of us“, erstaunlich nah am Original. Es gehört schon eine gehörige Mut dazu, diese eher religionskritische Nummer zu bringen – zur Übersetzung der Textstelle auf der Leinwand, was wäre, wenn Gott eine ganz gewöhnliche Schlampe wäre, fehlt indes der Mut.

Für den Mut hingegen, mit diesem Gottesdienstformat neue Wege zu finden, werden am Ende nicht nur die Band, sondern auch die Organisatoren ausgiebig beklatscht – zu Recht. - hey

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