Bei Gerhard Trochelmann landen die eigenen Gartenfrüchte in der Flasche

Auf den Likör gekommen

Wohl bekomms: Die aufgesetzten Liköre füllt Gerhard Trochelmann in diverse Flaschen ab. Fotos: Warnecke

Wohlsdorf - Von Lars Warnecke. In seinem Freundeskreis sind sie heiß begehrt, die leckeren Likörchen aus Früchten aller Art. Und auch er selbst ist längst auf den Geschmack gekommen. „Aber in Maßen, Komasaufen ist nicht mein Ding“, sagt Gerhard Trochelmann. Immer wenn es in seinem Garten etwas zu ernten gibt, verarbeitet der Wohlsdorfer es nicht nur ganz klassisch zu Marmeladen, Säften oder Gelees. Nein, der 54-Jährige zaubert daraus auch seine beliebten Obstgeister. „In diesem Jahr habe ich sogar die Jostabeere zu Likör verarbeitet“, erzählt er. Kostprobe gefällig? Na, klar. Lecker ist der. Wirklich richtig fruchtig. Und wie macht er das?

Trochelmann, der, wenn er nicht gerade für seinen Arbeitgeber, die Stadtwerke Rotenburg, unterwegs ist, seine Freizeit am liebsten im Garten verbringt, kann beispielsweise sofort zeigen, wie er einen Himbeerlikör ansetzt. Dafür werden die frisch vom Strauch gepflückten Vitaminbomben gewaschen und in ein großes Glas mit Schraubverschluss gegeben. Auf die roten Früchte verteilt das Oberhaupt einer vierköpfigen Familie nicht zu kleine Stücke weißen Kandis sowie eine gestückelte Vanilleschote und gibt eine Flasche Weinbrand dazu. Moment mal, Weinbrand? „Ja, ich habe das auch mit Wodka, Rum und Korn ausprobiert, aber Weinbrand passt zur Himbeere einfach am besten.“ Spricht‘s und seiht den Likör durch ein Leinentuch und füllt ihn in eine schöne 250-Milliliter-Flasche ab. Der Ansatz bleibt nun einige Wochen lang stehen, bevor er so weit gereift ist, dass er von den Früchten durch ein feines Sieb abgegossen werden kann. „Die lange Ziehzeit verleiht ihm erst den intensiv-fruchtigen Geschmack“, weiß er zu berichten.

So geht das nun schon den ganzen Sommer lang. Macht das Hobby angesichts des benötigten Alkohols, der dem Aufgesetztem zugegeben wird, auf Dauer nicht arm? „Ich achte da schon auf den Preis, halte viel nach Angeboten in den Werbeprospekten Ausschau“, sagt er. „Bei weißem Rum rum nehme ich zum Beispiel nicht den teuren Bacardi, sondern einfach nur weißen Rum – das ist eine gewaltige Preisersparnis, erfüllt aber den gleichen Zweck und hat genauso viel Wumms.“

Inzwischen hat Trochelmann, ob aufgesetzt oder nicht, weit mehr als 50 verschiedene Liköre kreiert. Deren Alkoholanteil pendelt – je nachdem, welche Spirituose er dazugibt – zwischen 15 und 20 Prozent. Inspiration für seine flüssigen Leckereien findet er in entsprechender Fachlektüre. „Allerdings habe ich mir die Rezepte großteils selber entwickelt.“

In allen Rot- und Gelbtönen schimmern die Geister aus Johannis-, Apfel-, Brom- und Himbeeren, Rhabarber, Traubenkirschen, Schlehen und Pflaumen. Auch bei Holunderblüten, Kaffeebohnen und Mandeln bedient er sich als geschmackvolle Basiszutat. Und das, was er nicht selbst im Garten anbaut, bringen ihm die Nachbarn vorbei. Am Ende der Fahnenstange sei er mit seiner Experimentierfreudigkeit damit aber noch längst nicht angekommen, sagt der Wohlsdorfer, der seine Gäste – ob das nun Freunde sind, die Familie oder eben die Nachbarn – nur allzu gerne die eigenkreierten Liköre beim geselligen Beisammensein verköstigen lässt. „Früher hat man eben nur ein Bierchen anbieten können, das hier ist schon ein ganz anderer Schnack.“

Eine, die dem nur beipflichten kann und selbst auch schon auf den Geschmack gekommen ist, ist Anja Schubert. Die junge Frau wohnt zur Miete mit auf dem Trochelmann‘schen Hof. „Ich finde es toll, was Gerhard da macht“, schwärmt die 30-Jährige, während ihr der Vermieter gerade einen exotischen, rot-braunen Josta-Likör einschenkt. „Außerdem“, Schubert zwinkert kurz mit dem Auge, „sitzt man hier ja auch immer an der Quelle, wenn man mal einen harten Tag hinter sich hat.“ Trochelmann gönnt sich selbst einen „Kurzen“. Die Josta, eine Kreuzung zwischen Stachel- und Schwarzer Johannisbeere, sei sein liebster Likör. „Den muss man einfach genießen, da heißt es nicht einfach nur ,Kopp in’ Nacken‘!“

Wie aber ist er nun auf die (Schnaps-)Idee gekommen mit der eigenen, ganz privaten Likör-Manufaktur? „Irgendwann hatten wir mal so viel Fliederbeersaft über, dass wir nicht mehr wussten, wohin damit“, erinnert sich der 54-Jährige. Und da ja im Hause Trochelmann bekanntlich nichts wegkommt, was da so alles im riesengroßen Garten gedeiht, habe damals der Gedanke, einen Likör daraus herzustellen, nicht fern gelegen. „Fliederbeere und Johannisbeere waren dann auch die ersten Produkte.“

Kommerzielle Zwecke verfolgt der Wohsldofer mit seinem neuen, lieb gewonnenen Hobby nicht. „Natürlich darf aber jeder mal gerne bei uns vorbeikommen und sich selbst vom Geschmack der Liköre überzeugen.“ Und wem es schmeckt, der könne die eine oder andere Flasche selbstverständlich auch gleich käuflich erwerben. „Nur meine Rezepte, die werde ich natürlich niemandem verraten.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Hallo-Verden-Festival in der Stadthalle

Hallo-Verden-Festival in der Stadthalle

Band Aha spielt vor ausverkaufter Bremer Stadthalle

Band Aha spielt vor ausverkaufter Bremer Stadthalle

Löw-Team bucht EM-Ticket - "Sehr zufrieden"

Löw-Team bucht EM-Ticket - "Sehr zufrieden"

Jahrestag der Proteste: "Gelbwesten" demonstrieren in Paris

Jahrestag der Proteste: "Gelbwesten" demonstrieren in Paris

Meistgelesene Artikel

Einmal den Jackpot knacken - Besuch in einer Rotenburger Spielhalle

Einmal den Jackpot knacken - Besuch in einer Rotenburger Spielhalle

Schäfer Marco Hörmann richtet Appell an Herrchen und Frauchen

Schäfer Marco Hörmann richtet Appell an Herrchen und Frauchen

Für ein besseres Busnetz

Für ein besseres Busnetz

Letzte Hürde: Grünstreifen

Letzte Hürde: Grünstreifen

Kommentare