Detlef Reinicke taucht auch noch mit 76 Jahren

Weltweit auf Tauchstation: Abenteuer unter Wasser

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Detlef Reinicke in seinem Büro in Abbendorf. Hier zeigt er die Unterwasserbilder seiner vielen Tauchgänge in der ganzen Welt. „Die Natur unter Wasser zu erleben, das ist schon etwas Besonderes“, sagt er.

Scheessel - Von Heinz Goldstein. Detlef Reinicke (76) taucht gerne unter. Von Kindesbeinen an hält sich der Abbendorfer mit Sport fit. Aber erst vor fünf Jahren hat Reinicke sein Faible für das Sporttauchen entdeckt. Für den kommenden Herbst hat sich der pensionierte Rechtspfleger und Geschäftsleiter des Amtsgerichts Zeven ein großes Ziel gesetzt: Er will mit einem finalen Sicherheitskurs die Qualifikation „Masterdiver“ erwerben. Beamte werden von der Bevölkerung im Allgemeinen sicherlich nicht als dynamische, sportliche und abenteuerlustige Typen assoziiert. „Ich bin und war schon immer etwas anders“, sagt der Pensionär.

Die Grundvoraussetzung für den „Masterdiver“ hat Reinicke bereits mit der Taucherprüfung im Mai zum „Advanced Open Water Diver“ (fortgeschrittener Freiwasser-Taucher) erworben. Mit dieser Lizenz ist er berechtigt, auf Tiefen von mehr als 30 Metern zu tauchen. Genau das nutzt der Abbendorfer auf seinen Urlaubsreisen mit Tauchgängen in Gewässern rund um die Welt aus. Gesundheit und Fitness seien die Voraussetzungen, um diesen Sport ausüben zu dürfen und auch zu können, erzählt er. Begleitet wird Reinicke bei den Reisen von seiner Ehefrau Sabine, die zwar selbst „nur schnorchelt“, aber viel Verständnis für das späte Hobby ihres Ehemannes aufbringt.

Wie hat es der 76-Jährige geschafft, sich so fit zu halten, um sich freiwillig diesen physischen wie psychischen Strapazen auszusetzen und dabei auch noch Spaß zu haben? Schon als Kind sei er recht sportlich gewesen, sagt der drahtige Mittsiebziger. „Ich habe in der A-Jugend in meinem Heimatort in Friesland Fußball gespielt und auch in einem Klub geboxt.“ Nach der Schule habe er sich den Wunsch erfüllt, zur See zu fahren, „um in der Welt Abenteuer zu erleben“. So heuerte er in jungen Jahren als 17-jähriger Schiffsjunge auf einem Frachter an. Drei Jahre später legte er die Matrosenprüfung ab und wurde nach 56 Monaten „Fahrenszeit“ und dem Besuch der Seefahrtschule in Hamburg, Schiffsoffizier.

Der pensionierte Beamte taucht besonders gerne in den Niederländischen Antillen rund um die Insel Curaçao.

„Damals, in den Sechzigerjahren, waren die Frachtschiffe noch mit Stückgut unterwegs und hatten längere Liegezeiten in den Häfen, als die Containerschiffe heute“, erinnert sich der Pensionär. „Da war die Seefahrt noch richtig spannend und auch beim Landgang gab es ordentlich was zu erleben.“ So habe er auf der „Großen und Kleinen Fahrt“ in vielen Häfen der Weltmeere Menschen verschiedenster Nationalitäten kennengelernt. „Den ersten Hafen in der Karibik, den ich damals als Leichtmatrose mit einem Frachter angelaufen habe, war Curaçao“, so Reinicke.

Genau dort, auf die Karibikinsel in den Niederländischen Antillen, ziehe es ihn immer wieder hin, wenn er in Mittelamerika zum Tauchen unterwegs ist.

Reinicke taucht nie allein. Er hat immer zumindest einen sogenannten „Buddy“ an seiner Seite. Soeben ist er mit zwei Begleitern aufgetaucht.

Bereits vor dem Tauchen hat Detlef Reinicke viel Aufregendes erlebt. Während seiner 20-jährigen Tätigkeit beim Amtsgericht Zeven lernte er in Seedorf Menschen kennen, die sich mit dem Fallschirmspringen beschäftigten – „und da war es damals wieder, das Kribbeln im Bauch, das ich oft in meinem Leben verspürt habe“, erinnert Reinicke sich zurück an die 1980er-Jahre. Schnell habe er das Springen aus einem Flugzeug mit Schirm aus luftiger Höhe von der Pike auf gelernt und viele Sprünge in Deutschland absolviert. Nach einem missglückten Sprung aus tausend Metern Höhe, als sich der Fallschirm nicht öffnete und auch der Ersatzschirm Schwierigkeiten machte, verletzte er sich schwer. Danach habe er das Fallschirmspringen auf Wunsch seiner Familie aufgegeben.

Reinicke mit einem „Buddy“ vor dem Tauchgang.

„Als Ersatz-Hobby schafften wir uns ein zehn Meter langes Segelschiff an. Die Lizenzen zum Führen des Bootes hatte ich ja bereits mit meiner Ausbildung zum Schiffsoffizier erworben“, so der „Freizeit-Kapitän“. Gemeinsam mit seiner Ehefrau schipperte Reinicke, wann immer die Freizeit es zuließ, über die Nord- und Ostsee. Das sei übrigens auch heute noch so, wenn nicht gerade der nächste Tauchgang angesagt ist.

Seine neue Leidenschaft entdeckte der Abbendorfer bei einem Schnuppertauchen im Roten Meer in Ägypten während eines Urlaubsaufenthaltes in Hurghada. Da war Reinicke 71 Jahre alt. „Es machte mir Spaß, trotz der Kraftanstrengung die Welt unter Wasser hautnah zu erleben.“ In ihm sei der Entschluss gereift, eine Tauchlizenz zu erwerben.

Die faszinierenden Eindrücke unter Wasser, wie hier eine vorbeiziehende Meeresschildkröte, machen für den Abbendorfer den Reiz des Sporttauchens aus.

Wieder zu Hause angekommen, habe er sofort eine Ausbildung bei einer internationalen Tauchschule in Bremen begonnen. Hier hat der Senior Theorie gebüffelt und sein Wissen bei den praktischen Tauchübungen umgesetzt. Schnell hatte der Pensionär die Qualifikation zum „Open Water Diver“ geschafft und war damit berechtigt, weltweit in offenen Gewässern zu tauchen. Es folgten Speziallehrgänge wie zum Beispiel das Nachttauchen bis hin zum Nitrox-Tauchen (höherer Sauerstoffanteil als normale Luft im Tauchgerät). „Diese Tauchgeräte werden eingesetzt, um die Anreicherung von Stickstoff im Gewebe zu verlangsamen“, erklärt Reinicke. Nach 50 Tauchgängen habe der 76-Jährige dann am 19. Mai das Diplom „Advanced Open Water Diver“ gemacht. Als Mitglied in einem Bremer Tauchverein nimmt er an vielen Tauchgängen im Bremer Uni-See teil. Mehrmals im Jahr fährt Reinicke mit Vereinsmitgliedern nach Dänemark an den Kleinen Belt, um das Strömungstauchen zu üben. „Die Kraft der Strömung ist so stark, dass ich körperlich sehr gefordert werde. Aber noch halte ich mit“, sagt er. „Ich möchte noch lange die Unterwasserwelt erleben und genießen.“

Eine Muräne hat scharfe Zähne, und die können nicht nur für die Beutefische gefährlich sein.

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. „Ich habe schon einige Male Taucher getroffen, die älter als 80 waren“, hofft auch Reinicke auf viele weitere Unterwasserabenteuer in der Zukunft. Dazu muss er aber jedes Jahr zum Arzt und sich die Tauchfähigkeit attestieren lassen.

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