Letzte Ruhe unter Bäumen

Ein Schild vor dem Friedhof weist auf den Waldfriedhof hin, der sich direkt an das Gelände anschließt. Foto: Beims

Wer auf das Gelände des Friedhofs kurz hinter dem Ortsausgang Westerholz fährt, sieht dort ein noch relativ neues Schild, das auf den Waldfriedhof hinweist. Am hinteren Ende führt ein Tor in den Wald, in dem seit Oktober vergangenen Jahres schon einige Menschen ihre letzte Ruhe gefunden haben.

VON ANN-CHRISTIN BEIMS

Westerholz – Der Realverband Westerholz bewirtschaftet das Waldgebiet rund um den Friedhof. Ein Hektar davon direkt an diesen angrenzend steht seit fast einem Jahr für einen Waldfriedhof zur Verfügung – betrieben von der eigens gegründeten Waldfriedhof Westerholz GmbH, der neben Heino Dreyer und Hartmut Klee vier weitere Mitglieder des Realverbandes angehören. Wie wird das Projekt angenommen und was hat sich seitdem getan? Dreyer und Klee ziehen im Gespräch mit der Kreiszeitung vor Ort ein Fazit.

Der Weg bis zur Eröffnung im Oktober vergangenen Jahres war steinig. Sechs Jahre dauerte es, bis die Genehmigung erteilt war. „Soweit ich weiß, ist das erstmalig, dass Privatleute einen Friedhof betreiben wollten. Da musste alles geprüft werden“, erklärt Klee. Denn Bestattungen dürfen laut Gesetz nur von Kirchen und Kommunen durchgeführt werden. „Aber das tun wir auch nicht, wir stellen nur die Grabstellen zur Verfügung“, macht Klee deutlich. Es seien bisher „schon einige“ aus dem Gemeindegebiet Scheeßels bestattet worden. Klee spricht von einem zweistelligen Bereich. Dazu kämen noch viele, die sich bereits ihren Platz unter Bäumen reserviert haben. Auch er und seine Mitstreiter: ein Baum, zwölf Plätze, zwei für jeden. „Da sind auch junge Leute dabei, die das einfach regeln möchten“, weiß Klee. Er sieht einen Grund des Interesses darin begründet, dass viele Menschen heutzutage nicht wissen, ob nach ihrem Tod jemand da ist, der sich um ein Grab auf einem „normalen“ Friedhof kümmern könnte. Viele Familien sind über Deutschland und ins Ausland verteilt. „Muss ich ein Sparvermögen vorhalten, dass 30 Jahre einen Gärtner finanziert? Das ist auf dem Waldfriedhof nicht der Fall“, meint Klee. Klein und gemütlich nennt Dreyer diesen. „Wenn jemand sich einen Baum aussucht, ist immer einer von uns dabei, wir gehen auf jeden ein“, sagt er und hebt das Persönliche hervor.

Das Waldstück bleibt dabei Eigentum des Realverbandes. „Wir sind zuständig und müssen zum Beispiel jetzt im Herbst Ordnung halten – dabei muss es aber immer ein Wald bleiben“, betont Dreyer. „Hier haben Rehe, Hirsche und Wildschweine freien Zugang.“ Ein paar Menschen hätten falsche Vorstellungen gehabt: So darf zum Beispiel kein Grabschmuck unter den Bäumen abgelegt werden. „Ein Wunsch war ein Dach zum Unterstellen und Parkbänke überall – aber wir sind keine Parklandschaft“, ergänzt Klee. Lediglich zwei Bänke am Eingang sind als kleiner Andachtsplatz hergerichtet worden, da auch Trauerfeiern direkt auf dem Waldfriedhof abgehalten werden.

Ursprünglich war der Gedanke der Westerholzer Landwirte, das rein für Westerholzer anzubieten. Daraus sind nun Waldbestattungen für die gesamte Gemeinde geworden. „Der Kostenaufwand hielt sich nicht mehr in kleinem Rahmen, wir brauchen die Einnahmen“, erläutert Klee. Aber es bleibe immerhin in der Gemeinde. „Wir wollen keinen Leichentourismus“, sagt Klee. Denn so etwas werde leider andernorts mitunter gemacht, frei nach dem Motto „günstig und weg“, fügt Dreyer hinzu.

Die „Naturelemente“, Bäume und Findlinge, sind nummeriert. „Wir haben etwa 100, an einem Element sind bis zu zwölf Bestattungen möglich.“ Etwa 700 bis 800 Grabstellen stehen zur Verfügung. Alle Bäume sind per GPS vermessen worden. „Wenn es eine Naturkatastrophe geben sollte und Bäume umfallen, können die Grabstellen wiedergefunden werden“, sagt Dreyer. „Da muss dann wieder ein Baum gepflanzt werden.“

Rückmeldungen aus der Bevölkerung hätten sie ebenfalls erhalten, beide sind bisher zufrieden. „Die Leute sagen, es ist ein schöner Ort, um Kraft zu tanken und Ruhe zu finden“, erzählt Klee. „Es ist eine alternative Bestattungsform – ob das nur eine Modeerscheinung ist oder sich langfristig etabliert, wissen wir nicht.“

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