Gemeindebücherei Scheeßel startet Ausleihe mit Bestellung

Lesefutter aus der Luke

Für die Wiederaufnahme der Ausleihe nimmt Anja Grobrügge gern ein frisches Arbeitsklima in Kauf.
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Für die Wiederaufnahme der Ausleihe nimmt Anja Grobrügge gern ein frisches Arbeitsklima in Kauf.

Scheeßel – Anja Grobrügge strahlt – zumindest lässt sich das aus der Distanz und hinter ihrer Maske vermuten. Am gerade mal zweiten Öffnungstag in diesem Jahr hat sich das auf der Gemeinde-Website bekannt gemachte neue Ausleihesystem bereits herumgesprochen. 17 Bestellungen an einem Tag, entweder telefonisch, „aber auch viele per E-Mail“ – das kann sich sehen lassen.

Gerade hat die Mitarbeiterin der Gemeindebücherei Scheeßel einen ganzen Stapel Bücher ins Fenster links neben der Eingangstür gestellt. Letztere war für viele Monate pandemiebedingt geschlossen – ein Zustand, der Grobrügge traurig gestimmt habe, wie sie sagt. Nicht nur wegen des fehlenden Kontakts zu ihren Kunden, sondern auch, „weil gerade in diesen Zeiten Lesen und Vorlesen, vor allem für Familien, wichtiger denn je sei. „Wie sollen die Kinder, die gehalten sind, ihre Lesekompetenz per Antolin zu erweitern, an neuen Lesestoff kommen?“

Dieser Zustand gehört nun der Vergangenheit an. Die Dame mittleren Alters, die zu den ersten gehört, die ihre Bestellungen von der Fensterbank nimmt und in zwei Stoffbeuteln verstaut, ist froh, wieder mit Lesestoff versorgt zu werden: „Heute beim Aufstehen hatte ich richtig schlechte Laune. Als Sie angerufen haben, hab‘ ich mich so gefreut – die schlechte Laune ist weg!“ Damit spricht sie wohl vielen aus der Seele, die lange auf die Wiedereröffnung der Institution gewartet haben. Möglich geworden ist die neue Ausleiheform, nämlich die Abholung des vorher bestellten Lesestoffs zu einem vereinbarten Termin am geöffneten Fenster durch die Fertigstellung des Online-Katalogs. Denn auch bei geschlossenen Pforten waren Grobrügge und ihre Kollegin Heike Komnick nicht untätig, galt es doch, mehr als 10 000 Titel, darunter Romane, Krimis, Sachbücher, aber auch Hörbücher und Zeitschriften, im Online-Katalog festzuhalten. Das ist vollbracht, und „von da aus war der Weg zur kontaktlosen Ausleihe nicht mehr weit“, so Grobrügge. Sie betont, dass dies das Ergebnis der Unterstützung vieler Menschen sei, nicht zuletzt der Gemeinde und der Büchereizentrale Lüneburg. „Dort hatten wir eine ganz tolle Ansprechpartnerin – die Dame war gerade im Homeoffice und hat uns zwischen den Feiertagen bei der Konfiguration und Details wie Farbabstimmung geholfen“, berichtet Grobrügge. Gerechnet habe man mit der Freischaltung des Onlinekatalogs irgendwann im Frühjahr, „aber das ging dann erstaunlich schnell.“ Auf der Gemeinde-Website scheessel.de unter „Sport & Freizeit“, Menüpunkt „Bücherei“ kann der virtuelle Besucher nach Herzenslust in der bedienerfreundlichen Maske stöbern. Sie erlaubt nicht nur die Suche nach Autor, Titel, Genre, Schlagworten oder Neuerwerben („Klar haben wir unsere Bestände auch in Corona-Zeiten um Neuerscheinungen ergänzt“, so Grobrügge), sondern zeigt auch an, ob das Gewünschte gerade ausgeliehen werden kann. Kunden sehen nach dem Einloggen mit der Nummer des gültigen Bücherei-Ausweises auch, welche Bücher sie gerade entliehen haben. Nur eine „Ausleihen“-Schaltfläche sucht der Nutzer vergebens. Und das aus gutem Grund: „Unser interner Katalog wird nur einmal täglich mit dem der Büchereizentrale synchronisiert“, so die Büchereidame. Mit diesem zunächst etwas umständlicheren System werde vermieden, dass bestellte Bücher dann doch schon vergriffen sind. „Das ist zwar etwas mehr Arbeitsaufwand, aber unsere Kunden sind vorbildlich bei ihren Bestellungen“, hat sie festgestellt. Auch könne man so, sollte etwas gerade nicht verfügbar sein, unbürokratisch Empfehlungen für vergleichbaren Lesestoff aussprechen. Schon mehr Arbeit macht das Zusammenstellen der Bücher. Das können bei lesefreudigen Familien schon mal ein Dutzend oder mehr sein. „Wenn die noch auf beiden Etagen verteilt sind, ist man ganz schön in Bewegung“, schmunzelt Grobrügge. „Das machen wir aber gerne – wir haben ja auch drunter gelitten, dass der Kundenverkehr lahmgelegen hat.“ Den – auch mit Termin – zurückgegebenen Bücher wird eine mindestens zweitägige Quarantäne verordnet, die beiden Mitarbeiterinnen arbeiten im Schichtsystem.

Doch auch außerhalb der Öffnungszeiten geht die Arbeit hinter den Kulissen weiter: dann werden Bücher wegsortiert, Neuzugänge katalogisiert und eingebunden. „Priorität haben bei uns jedoch die E-Mail-Bestellungen“, stellt Grobrügge klar. Die würden so schnell wie möglich zusammengestellt. „Bis jetzt haben wir das mit einem Tag Vorlaufzeit noch immer hinbekommen.“  hey

Und so funktioniert‘s

Bestellungen können per E-Mail an gemeindebücherei@scheessel.de oder telefonisch während der regulären Öffnungszeiten unter der Nummer 04263 / 4899 getätigt werden. Die Terminvergabe zur Abholung erfolgt in der Regel telefonisch oder auch per E-Mail.

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