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Klarheit schaffen: Lauenbrücker Umweltausschuss legt Kriterien für naturverträgliche Solarparks fest

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Von: Lars Warnecke

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Solarpark an der Fabrikstraße in Helvesiek: So dicht wie hier sollen die Strom erzeugenden Module in der Gemeinde Lauenbrück nicht platziert werden.
Solarpark an der Fabrikstraße in Helvesiek: So dicht wie hier sollen die Strom erzeugenden Module in der Gemeinde Lauenbrück nicht platziert werden. © Warnecke

Auch in der Gemeinde Lauenbrück liegen inzwischen mehrere Anträge zum Errichten von Solarparks auf Ackerflächen vor. Unter welchen Bedingungen diese Fotovoltaikanlagen genehmigt werden sollen, besprach man jetzt im Natur- und Umweltausschuss.

Lauenbrück – Große Fotovoltaik-Anlagen in der freien Landschaft scheinen ein lukratives Geschäftsmodell zu sein. Anders ist es nicht zu erklären, dass auch in der Gemeinde Lauenbrück bereits mehrere Solar-Investoren angeklopft haben. Die örtliche Politik hat sich entschieden: Sie will solche naturverträgliche und biodiversitätsfreundliche Parks auf Ackerland ermöglichen, um so die Ziele in der Energiewende erreichen zu können (siehe Kasten). Drei Projekte, mit denen die Gemeinde Neuland betritt, nehmen auch schon konkret Fahrt auf. Nur braucht es für die wie für alle zukünftigen Vorhaben einen vernünftigen Plan oder Leitfaden – also Vorgaben, was wo und wie gebaut werden darf.

39 Punkte auf dem Prüfstand

Kurzum: Bei den Standorten sind die Kommunen gefragt. Darum befasste sich der Lauenbrücker Natur- und Umweltausschuss jetzt auch mit einer Prüfliste, die später für alle ausgewiesenen Flächen gelten soll. 39 Bewertungspunkte, eingeteilt in Ausschluss- (nicht geeignet), Restriktions- (eher nicht geeignet) und Gunstflächen (potenziell geeignet), hat die Samtgemeinde Fintel darin zusammengetragen, beruhend auf einer Empfehlung des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes. „Wir müssen gucken, ob die Punkte, von denen viele bei uns erst gar nicht zum Tragen kommen werden, so bleiben sollen oder noch etwas ergänzt werden muss“, erklärte Bürgermeister Jochen Intelmann (SPD). In einem weiteren Schritt sei der Katalog, den der Lauenbrücker Rat übrigens in einer abgespeckten Version zuvor schon mal selbst erarbeitet hatte, noch auf Samtgemeindeebene zu verabschieden.

Schritt für Schritt gingen die Ausschussmitglieder das Kriterienwerk durch, kamen so unter anderem auf mögliches Wohnbauland als Ausschlussfläche zu sprechen wie auch auf ertragsschwache landwirtschaftliche Flächen als potenziell geeigneten Grund und Boden. Schlussendlich besteht die einzige Änderung nun darin, die Mindestgröße von Gunstflächen nicht auf den Quadratmeter genau drei Hektar betragen zu lassen (wie es im Leitfaden noch aufgeführt war), sondern es hier auch noch etwas Spielraum nach unten geben darf.

Nicht neu auf dem Tisch, offenbar aber immer noch diskussionswürdig: das Thema Einfriedung der Anlagen. Zwingend erforderlich seien solche Maßnahmen nicht, befand Ausschussvorsitzender Klaus Miesner (CDU). Vor allem dort nicht, wo wenig Publikumsverkehr herrscht. Für Wildtiere, so der Landwirt, könne der Verzicht auf eine Einzäunung jedenfalls nur von Vorteil sein.

Dem hielt der Bürgermeister aber entgegen, dass man sich in einer früheren Beratung schon auf eine Einfriedung, die für Kleintiere immer noch passierbar bleiben solle, verständigt habe. „Ich würde das auch grundsätzlich verlangen, weil es sich um elektrische Anlagen handelt, wo Strom produziert wird. Das kann auch gefährlich werden – so etwas gehört für mich eingezäunt“, so Jochen Intelmann.

Ja, eine Einfriedung sollte es schon sein, griff Axel Matthies (SPD), beratendes Mitglied im Gremium, den Faden auf – nur bestenfalls nicht durch den Einsatz eines Zaunes, sondern einen durch Hecken. „Wenn es aber aus versicherungstechnischen Gründen nicht anders geht, sollten wir zumindest eine Durchlässigkeit vorgeben.“ Dass man diesbezüglich das Rad gar nicht neu erfinden müsse, erklärte Horst Milbrodt (CDU): „In der Regel werden solche Flächen eingezäunt – wir sind nicht die ersten, die solche Anlagen bauen lassen.“

Rückbau langfristig nicht zu erwarten

Ob Zaun oder Hecke – das soll sich in Einzelfallprüfungen entscheiden. Bei letzterer Variante wäre jedoch unbedingt noch eine Mindestbreite zu bestimmen, brachte sich Ingo Norrenbrock (SPD) in die Debatte ein. Er sprach von diversen Gutachten, in denen mindestens von drei, am liebsten aber von fünf Metern die Rede sei. Solche Grünstreifen müssten von der bebaubaren Fläche dann aber ja noch abgezogen werden, bemerkte Miesner. Und: „Wenn die Anlagen in 20 oder 30 Jahren wieder abgebaut werden, möchte ich, dass auch die Hecke vom Acker wieder verschwindet.“ Dem entgegnete Monika Freitag (Bündnis 90/Die Grünen), dass mit einem Rückbau langfristig wohl nicht zu rechnen sei. Denn: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir in 20 oder 30 Jahren weniger Energie verbrauchen als jetzt.“

Starke Leistung

Um die Klimaschutzziele zu erreichen, sieht das niedersächsische Klimagesetz von 2020 vor, dass im Jahr 2040 der Energiebedarf zwischen Nordsee und Harz komplett mit erneuerbaren Energien gedeckt wird. Hierfür muss nach Angaben des Umweltministeriums außer der Windenergie auch verstärkt die Kraft der Sonne genutzt werden. Das bedeutet, dass bis 2040 in Niedersachsen Fotovoltaik-Module mit einer Gesamtleistung von 65 Gigawatt installiert sein müssen – davon 50 Gigawatt im bebauten und versiegelten Bereich und 15 Gigawatt auf sogenannten Fotovoltaik-Freiflächenanlagen, auch Solarparks genannt. Zum Vergleich: Fotovoltaik-Anlagen auf Einfamilienhäusern haben üblicherweise eine Leistung von vier bis zehn Kilowatt, auf Scheunendächern auch mal mehrere Hundert Kilowatt.

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