Schulung für Präventionsprojekt der Polizei

Lehrer lernen: „Wir sind stark“

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Selbstvertrauen tanken – das ist eines der Ziele bei dem Projekt „Wir sind stark“.

Scheeßel - Es ist eine ungewohnte Erfahrung für die Seminarteilnehmer. „Es kribbelt, und das Herz schlägt richtig schnell“, beschreibt Sandra Schulze ihre Gefühle vor dem Sturz.

In Socken hatte die Schulsozialarbeiterin von der Oberschule Sottrum einige Minuten zuvor auf einem Tisch gestanden. Hinter ihr: acht Mitstreiter, die die junge Frau auffangen sollten. Schulze konnte sie nicht sehen. Sie konnte nur ahnen, was hinter ihrem Rücken passieren würde. „Man braucht Vertrauen in andere“, sagt sie. Schulze nahm allen Mut zusammen und ließ sich rückwärts in die Arme der Gruppe fallen. Sie hat sich auf andere verlassen. Ihr Mut wurde, wie der auch anderer „Probanden“ durch dieses Erlebnis belohnt.

Die Übung ist eine von vielen des Gewaltpräventionsprojektes „Wir sind stark“, das die Polizei erarbeitet hat und den Schulen seit nunmehr schon zehn Jahren anbietet. „Fast alle weiterführenden Schulen im Landkreis sind dabei“, berichtet Kriminalhauptkommissarin Karin Stabbert-Flägel. Sie ist Leiterin des Präventionsteams der Rotenburger Polizei. Gemeinsam mit Carsten Bünger, Beauftragter für Jugendsachen von der Polizeiinspektion Harburg, bot sie Dienstag und Mittwoch im Scheeßeler Feuerwehrhaus eine Multiplikatorenschulung an, die sich an Lehrer, Schulsozialarbeitern, aber auch an Berufskollegen von der Polizei richtete.

Zivilcourage, Verantwortungsbewusstsein, Anti-Gewalt-Training, Selbstbehauptung – die knapp 30 Teilnehmer wissen fortan, worum es geht, wenn diese Stichworte fallen. „Und das ist auch Sinn der Sache“, sagt Stabbert-Flägel. Schließlich würden die vorwiegend jungen Leute selbst einmal als Mentoren das Projekt durchführen – dann mit Sechstklässlern in ebenfalls zweitägigen Workshops. Und einem auf Prävention spezialisierten Polizeibeamten an ihrer Seite. Dafür bekamen sie die entsprechenden Unterrichtsmaterialien am Ende gleich mit an die Hand.

„Dunkler Tunnel“ simuliert brenzlige Situationen

Eines der Rollenspiele, die den Teilnehmern Handlungsmuster und Lösungsstrategien für brenzlige Situationen aufzeigen sollte und so auch mit den Kindern durchgeführt wird: der „Dunkle Tunnel“. Hier mussten sich die Teilnehmer gegen einen Mann durchsetzen, der sich ihnen mit schlechten Absichten in den Weg stellt. Selbstbewusst weitergehen, laut werden, umdrehen – es kann verschiedene Lösungen geben. Nach dem Spiel wurden Erfahrungen und Gefühle in einer Gesprächsrunde erläutert. Carsten Bünger erklärte: „Auch Angst zu haben, ist etwas Gesundes. Sie kann uns vor Gefahr schützen.“ In vielen Situationen helfe es, Aufmerksamkeit bei Passanten zu erzielen und Lärm zu machen.

Die Wirkung des Projektes der Polizei wurde bisher nicht wissenschaftlich untersucht. Das Konzept basiert aber auf dem Projekt „Zammgrauft“ der Polizeidirektion München. Das hat sich die Ludwig-Maximilians-Universität München genau angeschaut. Sie bescheinigt ihm nicht nur eine Wissensvermittlung. Es verbessere auch die Verantwortung der Schüler. „Bei manchen merkt man richtig, wie ein Schalter umgelegt wird“, hat Karin Stabbert-Flägel beobachtet. Und mancher sonst eher ruhige Schüler sei mit voller Eifer dabei.

lw

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