Die Bühne als Plattform: 

Lebenstraum vom Hurricane erfüllt

+
Nach 30 Minuten war für Who killed Frank? schon wieder Schluss. Dennoch, sagt Frontmann Hinni Hummers: „Für mich ist mit dem Hurricane-Auftritt ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen.“

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Jedes Jahr das Gleiche: Unzählige Bands und Solo-Künstler aus aller Welt, gerade erst ins Rampenlicht der Musikwelt getreten, spielen bei den sommerlichen Mega-Festivals dieser Republik auf – wohl stets auch in der Hoffnung, der Auftritt vor großem Publikum könne die eigene Karriere voranbringen.

Wie muss es sich da erst für jemanden anfühlen, der bis dato nur auf der lokalen Bühne Erfahrungen gesammelt hat?

Zugegeben, gänzlich Unbekannte waren Who killed Frank?, die 2010 zusammengefundene Rotenburger Indie-Rock-Band um Frontmann Hinni Hummers, nach ihrem „Live in Bremen“-Sieg und der Teilnahme am New Music Award nicht. Und auch Everlaunch, die Ende der neunziger Jahre gegründete Alternative-Band mit ihrem Sänger Thorsten „Todde“ Finner, hatte schon längst nicht mehr den Status einer Garagen-Band, als sie 2006 ihren Einstand auf dem Eichenring gaben.

Everlaunch beim Hurricane 2006. 

Dennoch, vor einigen Tausend Menschen aus nahezu allen Ecken der Republik aufzutreten – Who killed Frank? spielten erst im vergangenen Jahr auf der Hauptbühne, Everlaunch waren sogar dreimal dabei – erwies sich für beide Gruppen nicht nur als einschneidendes Erlebnis, sondern ebenso als popularitätsfördernde Plattform. „Als wir vor fünf Jahren unser Debüt-Album veröffentlichten, haben wir auf der Tour schon öfter gehört, dass diverse Besucher uns auf dem Festival für sich entdeckt hätten“, sagt der momentan wieder auf musikalischen Solopfaden wandelnde Finner. „Besonders schön ist es natürlich, wenn Leute aus München so etwas sagen und die Reise in den Norden auf sich nehmen, anstatt um die Ecke zum Schwesterfestival Southside zu fahren.“

Weshalb Festival-Macher Folkert Koopmans die Mitte der Nullerjahre noch weitgehend unbekannten Everlaunch als Local-Heroe engagierte, erklärt sich der Rotenburger Musiker so: „Ich behaupte einfach mal ganz selbstbewusst, dass wir über viele Jahre die aktivste Band in der Region waren, die in das Raster passte. Ich würde nicht sagen, dass wir die besten Alben veröffentlicht haben, aber wir haben verdammt hart an Everlaunch gearbeitet.“

Und Hinni Hummers? Für ihn, sagt der Neuenkirchener, sei mit der Verpflichtung seiner noch jungen und doch schon erfolgsverwöhnten Band im vorigen Jahr „ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen“. „Schade nur, dass für uns lediglich 30 Minuten Spielzeit drin waren. Man hat ja schließlich nicht bei jedem Auftritt so eine riesige Belegschaft vor sich und alle wollen einen sehen“, erzählt er.

Nur allzu gerne blickt der Sänger und Gitarrist auf die Backstage-Treffen mit den „Großen“ zurück, mit Alt-J, Triggerfinder – und Casper. „Mit dem bin ich sofort in eine Diskussion über Musik eingestiegen“, erinnert sich Hummers. „Das Hurricane ist für die deutsche Musikszene auch immer so eine Art Familientreffen“, so seine Beobachtung.

„Bizarr“, nennt sein Musikerkollege Thorsten Finner den ersten Auftritt auf dem Scheeßeler Eichenring. „Der weite Blick von der Bühne über die Menschenmenge – dieses Bild hat sich in meinen Kopf gebrannt.“ Dass er nach 2006, ’09 und ’12 irgendwann ein weiteres Mal mit seiner Band das Festival „heimsuchen“ wird, schließt er aus. Und auch als Solokünstler bekommen ihn die Festivalbesucher nicht zu Gehör, wenngleich sich FKP-Scorpio-Chef Koopmans ihm gegenüber schon als Fan seiner neuen Platte geoutet habe. „Bezogen auf das Album gibt es sicherlich andere Festivals, die besser zu mir passen würden.“

Schade finden es beide, dass es beim diesjährigen Open-Air wohl keine lokale Gruppe zu Hurricane-Ehren bringen wird. Dabei hätten ihrer Expertise nach einige Kandidaten durchaus Potential – wenngleich auch noch nicht für die ganz große Bühne auf dem Eichenring: „Die Scheeßeler Alternative-Pop-Band The Daily Story könnte mal ganz groß werden, aber das wäre eher was für nächstes oder übernächstes Jahr“, schätzt Hinni Hummers die Lage ein.

Die Zevener Indie-Pop-Band The Dashwoods, „Live in Bremen“-Abräumer von 2011, wäre nach Finners Ansicht eine geeignete Wahl. „Allerdings sind die Musiker in Hinblick auf eine Albumveröffentlichung leider etwas hinterher“, sagt der Rotenburger. Ein derart umfangreiches Projekt wie eine Platte aufzunehmen, daran würden nicht wenige Bands letztendlich scheitern, so seine Beobachtung.

Das könnte Sie auch interessieren

Eine Vision vom Wohnen von der IMM

Eine Vision vom Wohnen von der IMM

Zehn Dinge, die Sie im Bewerbungsgespräch sofort disqualifizieren

Zehn Dinge, die Sie im Bewerbungsgespräch sofort disqualifizieren

Rope Skipping: Seilspringen liegt wieder im Trend

Rope Skipping: Seilspringen liegt wieder im Trend

Dem Föhn im Gesicht getrotzt: Kerber nun gegen Scharapowa

Dem Föhn im Gesicht getrotzt: Kerber nun gegen Scharapowa

Meistgelesene Artikel

Hausmeister entdeckt Leiche im Birkenhaus

Hausmeister entdeckt Leiche im Birkenhaus

Neue Radiologie kommt

Neue Radiologie kommt

Schluss nach mehr als 80 Jahren: Geschäft Karlstedt schließt

Schluss nach mehr als 80 Jahren: Geschäft Karlstedt schließt

Dorferneuerung ist das große Ziel

Dorferneuerung ist das große Ziel

Kommentare