Lebenslust statt Diabetesfrust

Kreiszeitungs-Mitarbeiterin Marié Detlefsen nimmt am Infocamp für Zuckerkranke teil

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Unsere Mitarbeiterin Marié Detlefsen (3.v.r.) mit weiteren Camp-Teilnehmerinnen beim „Holi Powder Special“. „Für mich eine der besten Veranstaltungen“, sagt die 19-Jährige.

Lauenbrück/Bad Segeberg - Von Marié Detlefsen. Rund 350 000 Menschen in Deutschland haben Diabetes Typ 1, eine unheilbare Krankheit und bundesweit Volkskrankheit Nummer eins. Die Betroffenen müssen ständig ihren Blutzuckerspiegel messen – und zwar besonders dann, wenn sie Sport machen wollen.

Sonst kann es für sie schnell gefährlich werden. Am vergangenen Wochenende trafen sich in Bad Segeberg wieder mehr als 400 junge Menschen aus ganz Deutschland im Diabetiker-Camp – unter ihnen war auch unsere Mitarbeiterin Marié Detlefsen. Die Lauenbrückerin ist selbst an Typ-1-Diabetes erkrankt. Wie sie die Veranstaltung erlebt hat, schildert die 19-Jährige der Kreiszeitung.

„Meinst du, ich habe genug Insulin und Traubenzucker dabei?“ – Jede Menge Fragen prasseln mir von den Teilnehmern entgegen, als ich das sogenannte „Camp D“ auf der Rennkoppel betrete. Schon bei der Anmeldung heißen mich viele freudige Betreuer willkommen und zeigen mir meinen Schlafplatz. Daraufhin verlasse ich mit meiner Zeltbewohnerin den Platz und begebe mich zum Essenszelt. Vorfreude breitet sich in mir aus, als sich vor uns zahlreiche Sitzgelegenheiten eröffnen, auf denen es sich mehr als 400 Diabetiker und 130 Betreuer gemütlich gemacht haben.

Wir gesellen uns zu unserer Zeltplatzgruppe und lauschen der Begrüßung der Leiterinnen Christina Maruhn und Birgit Lüthgens, die uns erklären, dass das diesjährige Motto „Colour your life“ dafürstehe, sein Leben bunt und vielfältig zu gestalten und dies vor allem selbst in die Hand zu nehmen. Die Erkrankten im Alter von 18 bis 25 Jahren sollen lernen, ungezwungen und konstruktiv mit Diabetes umzugehen.

Auch die Pausengespräche handeln auf einmal von Blutzuckerwerten oder Unterzuckerungen, was mir ein gutes Gefühl gibt, da man von anderen verstanden wird. Schließlich sind fast alle Teilnehmer hier an Diabetes Typ 1 erkrankt. „Man muss die Pumpe oder das Messgerät nicht mehr verstecken und nach dem Austausch kann ich nun viel besser Ruhe bewahren, weil ich weiß, dass andere dieselben Schwierigkeiten haben“, bestätigt mich Teilnehmerin Lea Biere.

Dazu tragen besonders die zahlreichen gleich am ersten Tag angebotenen Workshops bei, bei denen Ärzte, Experten und Professoren über verschiedene Themen, wie zum Beispiel Diabetes und Führerschein, Feiern und Alkohol oder über Weltreisen mit Diabetes sprechen. Besonders beliebt: der Workshop „Diabetes, Sexualität und Kinderwunsch“. Irgendwie beruhigt es mich, dass trotz meiner Krankheit für mich eine sichere und gesunde Zukunft möglich ist.

Sogar ein Weltrekordversuch läuft: Durch Stromerzeugung mithilfe von Fahrrädern versuchen wir das gesamte Wochenende über, einen Luftballon 24 Stunden lang zum Leuchten zu bringen. Wie das Schicksal es so will, stehe ich dann morgens von 3 bis 4 Uhr mit meiner Gruppe auf den Beinen, um Strom zu generieren. Mit etwas Schlafentzug trotte ich somit am Morgen zum Frühstück, um mich auf den Sporttag vorzubereiten. Die elf verschiedenen Angebote werden durch erfahrene Sportler wie dem Hockeynationalspieler Timur Oruz oder der ehemaligen Kickbox-Weltmeisterin Anja Renfordt geleitet, wobei ich persönlich vor allem von letzterer sehr begeistert bin.

Den Abschluss bildet das „Holi Powder Special“, bei dem sich alle Teilnehmer mit buntem Farbpulver bewerfen – aus meiner Sicht eine der besten Veranstaltungen dieses Wochenendes, auch wenn am Ende die Duschen überfüllt sind und ich 20 Minuten lang anstehen darf.

Mein Fazit nach drei Tagen Feriencamp: Es gibt keinen besseren Ort, an dem sich Diabetes-Betroffene und Experten besser austauschen könnten und gegenseitig von den Erfahrungen des anderen profitieren – da habe ich auch gerne den Schlafmangel in Kauf genommen.

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