Konzept bringt Menschen zusammen

Lebendiger Adventskalender: „Mehr ist nicht gleich mehr“

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Initiatorin Renate Freundlieb richtet den „Lebendigen Adventskalender“ am 12. Dezember aus.

Scheeßel - Bereits zum fünften Mal tritt ab dem 1. Dezember das Adventslicht der Kirchengemeinde, neben den gelben Sternen optisches Zeichen des „Lebendigen Adventskalenders“, seine Reise durch Scheeßel an. Jeweils um 18 Uhr kommen Besucher spontan an einem täglich wechselnden Ort zusammen, um für 20 bis 30 Minuten gemeinsam zu singen, eine Geschichte oder ein Gedicht zu hören und innezuhalten. Wie das Konzept des symbolischen Öffnens der eigenen Tür durch wechselnde Gastgeber, darunter Einzelpersonen, Familien, Gruppen, neue und „Wiederholungstäter“ angekommen ist, verriet uns die Initiatorin Renate Freundlieb im Interview.

Frau Freundlieb, würden Sie im fünften Jahr sagen, dass der „Lebendige Adventskalender“ in Scheeßel angekommen ist?

Renate Freundlieb: Auf jeden Fall. Es gibt einen Pool von Menschen, die interessiert sind, aber ich spreche auch immer wieder Neue an, damit es neue Impulse gibt. Wichtig ist mir die christliche Basis – es soll kein „Kuschel-Deko-Event“ sein.

Ist das auch ein Grund für die recht starre Struktur mit demselben Eingangs- und Schlusslied und dem Segen?

Freundlieb: Ja und nein. Es gibt vorher ein Treffen aller Gastgeber – die Terminvergabe wird vorab per Doodle abgewickelt –, wo die Teilnehmer nach ihren Vorstellungen gefragt werden und der Rahmen abgesteckt wird. Was sie daraus machen, ist offen. Es ist faszinierend, wie jeder das nahende Fest aus seiner ganz eigenen Perspektive beleuchtet. Das alles sind die verschiedenen Zutaten, die den Adventskalender lebendig machen.

Gab es denn da schon Überraschungen?

Freundlieb: Es gibt immer wieder Ungewöhnliches. Eine junge Frau hat mal das Weihnachtsgedicht von Loriot vorgelesen, Hermann Vajen eine Geschichte aus seinem eigenen Buch aus der Nachkriegszeit auf Platt. Das war anrührend. Oft sind es aber auch die Orte: Im Beekehaus war einmal das ganze Treppenhaus voller Rollatoren und Rollstühle, und das ganze Treppenhaus war voller Gesang.

Hat sich die die Etablierung des Konzepts eigentlich auch in steigenden Besucherzahlen niedergeschlagen?

Freundlieb: Das ist ganz unterschiedlich. Mal kommen zehn, mal mehr als 30 Menschen zusammen. Es hängt auch ein bisschen davon ab, wie bekannt der Gastgeber ist und wieviel Werbung er selbst macht. Aber: Mehr ist nicht gleich mehr. Das Ziel ist nicht, möglichst viele Menschen zu vereinen, sondern das Gemeinschaftsgefühl, das aufkommt. Für Einzelpersonen ist es so schon kaum zu wuppen. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Das macht Arbeit. Deshalb ist es toll, wenn sich die Familie oder Freunde zusammentun. So gibt es in der Seidorfer Straße eine kleine Bastelgruppe, die sich zusammen gefunden hat. Die überlegen lange vorher, wie sie den Carport schmücken und basteln auch mit den Besuchern unter Anleitung. So viel Aufwand muss man aber gar nicht betreiben.

Es fällt auf, dass immer mehr Institutionen hinzugekommen sind. Ist diese Art der öffentlichkeitswirksamen Selbstdarstellung mit dem Grundgedanken zu vereinbaren?

Freundlieb: Das ist manchmal ein schmaler Grat. Wir wollen keine Opulenz. Ich denke aber, eine Mischung ist schön. Schön ist es auch, wenn die Gastgeber mit Liebe bei der Sache sind – das habe ich nahezu überall gespürt. Viele wollen anderen etwas geben und entwickeln dabei eine enorme Kreativität. Das muss nicht unbedingt fromm sein, aber die Frömmigkeit hat da auch ihren Platz – es sollen alle angesprochen werden.

Finden sich denn auch Fremde zum gemeinsamen Singen ein?

Freundlieb: Das wohl weniger, es läuft schon viel über persönliches Ansprechen. Aber es gibt auch Leute, für die ist es im Advent ein fester Programmpunkt: Jeden Abend kurz vor 18 Uhr macht es bei manchen Leuten – mich eingeschlossen – im Kopf „Bimbim“ und dann wird losgegangen.

Die Termine im Überblick:

Die Gastgeber des „Lebendigen Adventskalenders“ – Start 18.00 Uhr, falls nicht anders vermerkt:

Fr, 1.12.: Beeke-Löwen, Vareler Weg 8 / Haupteingang Beekeschule;

Sa, 2.12.: Adelheid Kauel, Schmiedegasse 2; 

So, 3.12.: Gottesdienst St.-Lucas-Kirche 10 Uhr; 

Mo, 4.12.: Mechthild und Paul Göttert, Lönsweg 12; 

Di, 5.12.: Grundschule Scheeßel (Klasse 4a), Schulstraße 1/Aula/Eingang Mensa; 

Mi, 6.12.: Familie Gerlach, Gerberstraße 6; 

Do, 7.12.: Rotenburger Tafel, Bahnhofstraße/im Bahnhof; 

Fr, 8.12.: Familie Niemann, Theodor-Storm-Straße 3; 

Sa, 9.12.: Familie Villwock, Vareler Weg 30; 

So, 10.12.: Gottesdienst St.-Lucas-Kirche 10 Uhr; 

Mo, 11.12.: Familie Winkelmann, Rudolf-Kinau-Straße 17; 

Di, 12.12.: Renate Freundlieb, Petersstraße 5a; 

Mi, 13.12.: Haus im Garten, Bahnhofstraße 71, 

Do, 14.12.: Steinfelder Wohngruppen, Mühlenstraße/Nötelhaus; 

Fr, 15.12.: Mühlenverein Scheeßel, Mühlenstraße/Scheeßeler Mühle; 

Sa, 16.12.: Familie Pfennig, Flaßwort 4; 

So, 17.12.: Gottesdienst St. Lucas-Kirche 10 Uhr; 

Mo, 18.12.: Gunda Brunkhorst, Kohlhofweg 16, 

Di, 19.12.: Swimmies, Zevener Str./vor der Kirche (15.30 Uhr); 

Mi, 20.12.: Tagespflege Diakonie-Sozialstation, Friedrichstr. 12 (15.30 Uhr), 

Do, 21.12.: Heiner Rudolf, Varel 2; 

Fr, 22.12.: Familie Kuhlmann, Botheler Weg 2; 

Sa, 23.12.: Hanna Thilo, Eichenallee 9, Jeersdorf; 

So, 24.12.: Christvesper, St.-Lucas-Kirche.

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