Eichenschüler spenden 5 000 Euro für Kaniahilfe

Laufen für die Lehrerwohnung

Eine Vitrine voller Beweise einer Partnerschaft: Martina Patschull-Vellguth (v.l.), Seku Bangoura, Heike Buchhaupt, Birgit Wieborg, Ursel Brase, Christian Birnbaum und Heike Schütz freuen sich über die von Schülern erlaufenen Spenden. - Foto: Heyne

Scheeßel - Genau ein Jahr und neun Monate ist es her, dass just in dem Raum, in dem jüngst Vertreter der Elternschaft, der Schulleitung und des Vereins der „Kaniahilfe“ zusammensaßen, in einem denkwürdigen Telefonat mit einem Häuptling aus dem westafrikanischen Guinea eine Partnerschaft der Eichenschule mit einer Schule in Wondekhoure geschlossen wurde. Seitdem wurde an der Scheeßeler Bildungseinrichtung in freier Trägerschaft eine Vielzahl an Projekten, Spendensammlungen und Hilfsaktionen angeschoben: Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Alle haben sich daran beteiligt: So gab es einen Verkauf afrikanischer Speisen am Ende der Projektwoche, das Restgeld einer Studienfahrt, die Spenden aus dem Einschulungsgottesdienst; hiesige Abiturienten finanzierten den dortigen Schulgarten, die Lehrerschaft eine Kollegenstelle. Ein Schüler wünschte sich zum Geburtstag statt Handy oder Playstation von seinen Eltern die Patenschaft für eine „Dorfmutter“, Ansprechpartnerin vor allem für die zahlreichen Waisenkinder der Dorfschule für 120 Erst- bis Achtklässler.

Eine der größten Aktionen: Der von Birgit Wieborg und fünf anderen Eltern organisierte Spendenlauf im August. Von der stolzen Gesamtsumme von 17 000 erlaufenen Euro sollen 5 000 in den Bau einer Lehrerwohnung an der Partnerschule fließen. „Auf dem Land, wo es weder fließendes Wasser gibt noch ein Geschäft, ist es wichtig, Lehrkräfte zu halten“, weiß Sekou Bangoura, der Projektleiter vor Ort. Eine runde Steinhütte mit zehn Metern Durchmesser, einem Waschbecken und Fliesen auf dem Boden – das sei in seiner Heimat schon Luxus, der Lehrkräfte binde.

Gebaut wird von den Eltern selbst – „das Engagement der Eltern und Schüler für ihre eigene Schule ist eine der Gemeinsamkeiten der beiden Partnerschulen im ländlichen Raum“, erklärt Kaniahilfe-Mitinitiatorin Heike Schütz. Die Hilfe zur Selbsthilfe soll auch in Zukunft gestärkt werden, etwa bei der Einrichtung der Holz-, Näh- und Fahrradwerkstätten – „damit die Jugendlichen vor Ort auch nach Schulabschluss eine Perspektive haben und nicht in die Großstädte abwandern“, so der in Deutschland studierte Architekt Bangoura.

Vor deren Einweihung steht jedoch eine andere offizielles „Amtshandlung“ an: Gemeinsam mit einer insgesamt neunköpfigen Delegation werden Lehrerin und „Schnittstelle in der Schule“ Heike Buchhaupt und Heike Schütz im Dezember nach Guinea reisen, um dort die Schule und den 16 Meter tiefen Brunnen ganz offiziell einzuweihen.

Doch nicht nur finanziell, sondern auch thematisch beschäftigen sich die Eichenschüler mit ihrer Partnerschule in Afrika: Drei Vormittage lang hat Bangoura unterschiedlichen Kursen das Leben in Guinea nahe gebracht – Fragen beantwortet, etwa denen der Fünftklässler, wozu ein Haus eine Belüftung braucht oder warum Schuhe beim kilometerlangen Schulweg der Schüler – angesichts der Schlangen – eine Lebensversicherung sind. Die Sensibilisierung gerade der Fünftklässler für die Problematiken dort zahlt sich laut Erdkundelehrerin Heike Buchhaupt aus: „Das Bewusstsein wächst langsam hoch!“

Für ihre Reise sucht sie übrigens noch Handys mit Ladekabel: „Für die Dorfmütter ist das eine Art Lebensversicherung, wenn sie telefonisch um Unterstützung bei der gesundheitlichen Erstversorgung fragen können.“ J hey

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