Landkreis-Vertreter informieren in Workshop über Möglichkeiten der Hilfe für Flüchtlinge

„Schicksal nicht zu eigen machen“

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Auch Samtgemeindebürgermeister Michael Niestädt meldete sich zu Wort.

Lauenbrück - Von Ulla Heyne. Schon der Auftakt der Infoveranstaltung „Basis-Workshop Flüchtlingshilfe“ im Rathaus in Lauenbrück zeigte, wie brisant das Thema momentan ist: Referent Gerd Hachmöller, seit einigen Wochen Leiter des Notaufnahmelagers in Visselhövede, kam viel zu spät – fast rund um die Uhr ist der Stabsleiter Wirtschaftsentwicklung im Landkreis momentan im Einsatz; sein letzter Arbeitstag hatte morgens um 4.30 Uhr nach der Ankunft weiterer Flüchtlinge geendet.

Entsprechend praxisnah fielen dann auch seine Schilderungen aus, die mehr als 30 Interessierte in dem rund zweieinhalbstündigen Vortrag verfolgten. Neben persönlichen Erfahrungen Hachmöllers ging es zunächst vor allem um Zahlen: Etwa darum, dass nur 0,3 Prozent der Asylanträge stattgegeben wird; dass der Bund in 37 Prozent der Fälle Flüchtlingsschutz gewährt und in Niedersachsen 2014 von 3600 Ausreisen nur 800 auch tatsächlich erfolgten.

Aber auch um „trockene Fakten“ ging es: Was bedeutet Asylbewerber im Grundgesetz, welche Fluchtgründe führen zu einer Anerkennung und wie verläuft das Procedere von Registrierung und Verteilung auf die Bundesländer. Dabei wurden auch Fragen wie dem Unterschied zwischen Erstaufnahmestelle und Notaufnahmelager erörtert. Hierzu stellte Hachmöller auch klar, dass Asylbewerber, die er eigentlich treffender mit „Flüchtlinge“ bezeichnet wissen möchte, keinen rechtlichen Anspruch auf Eingliederung, Deutschunterricht oder Familiennachzug haben: „Es gibt keine geregelte Zuständigkeit für Arztbesuche oder die Einbindung ins Dorfleben.“

Er warnte die potenziellen Ehrenamtler ausdrücklich davor, die Perspektive des Flüchtlings einzunehmen. In diese Kerbe schlug auch Sandra Pragmann von der Koordinierungsstelle Ehrenamt: „Grenzen Sie sich ab, machen Sie sich deren Schicksal nicht zu eigen, achten Sie darauf, dass Sie selbst nicht zu kurz kommen!“ Beim Aufzeigen der Möglichkeiten für Engagement stehe der Helfende im Vordergrund: „Seien Sie ehrlich zu sich: Können Sie das überhaupt leisten?“ So gebe es neben der direkten Hilfe wie Patenschaften, Nachhilfe oder Behördengängen auch die Möglichkeit der indirekten Unterstützung wie Hilfe in der Kleiderkammer, Koordinierungstätigkeiten oder Netzwerkarbeit.

Unter den Anwesenden hatte rund ein Drittel bereits praktische Erfahrungen in der Flüchtlingshilfe gesammelt. Inge „Schlingel“ Ullmann, die sich im Kochtreff und Fahrdienst engagiert und guten Kontakt zu ausländischen Nachbarn aus Flüchtlingskreisen hat, war gekommen, um persönliche Kontakte zu Gleichgesinnten zu knüpfen. „Mir ist durch den Vortrag klar geworden, was ich will“, so die Stemmerin. Sie möchte sich für diejenigen einsetzen, die länger bleiben.

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