Landkreis gibt im Rathaus Crashkurs zu ehrenamtlicher Flüchtlingshilfe

Scheeßels Helfer sind gut vernetzt

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Gerd Hachmöller warf einen fachkundigen Blick auf die Faktenlage.

Scheeßel - Wer hat Asylrecht, wie viele Flüchtlinge bleiben, wie steht es mit dem Recht auf Arzttransport und wie mit dem Versicherungsschutz für Helfer? Viele Themen, die in dem Kompakt-Kurs Flüchtlingshelfer von den Landkreisvertretern Gerd Hachmöller und Sandra Pragmann (Koordinierungsstelle Ehrenamt) am Donnerstagnachmittag im Rathaus in nur zwei Stunden angeschnitten wurden.

„Früher hieß das ‚Integrationslotsenkurs‘ und dauerte vier Monate“, so Hachmöller. Mittlerweile hat sich nicht nur die Dringlichkeit geändert, weshalb der Landkreis zusätzlich diese Basisworkshops eingeführt hat, sondern auch deren Zielsetzung: „Damals ging es darum, Menschen mit langfristigen Bleibeperspektiven zu begleiten“, so der frisch gebackene Leiter des Notaufnahmelagers Visselhövede, „heute muss man sich im Klaren sein, dass nicht alle bleiben – auch wenn die Kinder inzwischen hier integriert sind und Deutsch gelernt haben.“ So werde nur rund ein Prozent der Asylanträge positiv beschieden.

Das ist, so wurde in den Ausführungen seiner Kollegin Sandra Pragmann deutlich, denn auch eine der möglichen Herausforderungen für Flüchtlingshelfer: „Oft entstehen private Kontakte – wenn dann eine Familie nicht bleiben darf, muss man das erstmal aushalten und das deutsche Recht akzeptieren können!“

Während Hachmöller sehr fundiert und praxisnah die rechtlichen Aspekte, Zahlen und Fakten rund um die Flüchtlingsproblematik abarbeitete, gab Pragmann Einblicke in die persönliche Seite der Flüchtlingshilfe. Sie beschönigte das Bild der ehrenamtlichen Hilfe, die momentan regelrecht „im Trend“ sei, nicht: Nicht jeder könne sich abgrenzen, „viele Helfer sind genau wie die Behörden schlichtweg überfordert“. Sie zeigte aber auch Alternativen zur direkten „Arbeit am Flüchtling“: So sei es wichtig, für Vernetzung und Koordination von Aktivitäten zu sorgen, oder auch die Arbeit in der Kleiderkammer oder bei einer der Tafeln seien nötiger denn je.

Auch mit Vorurteilen gegenüber den Zugezogenen räumten die beiden kundigen Dozenten auf. „Die sind nicht alle hilflos – also stülpen Sie ihnen nicht Ihren Willen auf und verurteilen sie zur Passivität – viele haben einen Plan“, so Pragmann.

Die Einwürfe und Ergänzungen der rund 70 Interessierten zeigten: Scheeßel ist in Punkto Organisation und Vernetzung der Unterstützer so gut aufgestellt wie sonst nur wenige Gemeinden. Aus dem kirchlichen Asylkreis soll schon bald ein Verein werden, „der darf dann auch die Spenden derer annehmen, die sich nicht zeitlich, sondern finanziell engagieren möchten“, so Mit-Initiator Franz Wenzel.

Paul Göttert wies darauf hin, dass für die derzeit rund 130 Flüchtlinge, denen bis Ende des Jahres noch 70 und im ersten Quartal 2016 weitere 160 folgen könnten, dringend weitere Helfer gesucht werden, die sich langfristig engagieren möchten. Und auch Gemeindevertreter Frank Thies brachte Neuigkeiten auf den Tisch: Derzeit laufen Verhandlungen mit der Genossenschaft der Eichenschule, im ehemaligen Internatsgebäude rund 50 Flüchtlinge unterzubringen.

hey

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