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Herausforderungen für junge Politik auf dem Land

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Von: Ann-Christin Beims

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Bennett Meyer vor dem Scheeßeler Rathaus
Bennett Meyer sitzt derzeit noch im Scheeßeler Rat. © -

Scheeßel – Der Scheeßeler Gemeinderat präsentiert sich seit der Kommunalwahl im vergangenen Jahr deutlich anders: Der Frauenanteil in den Fraktionen und Gruppen ist gestiegen, und auch die Jugend hat mit gleich drei Schülern der Eichenschule eine Stimme bekommen. Und diese wird ernst genommen, ist die Erfahrung von Bennett Meyer. Der Scheeßeler sitzt seitdem für die CDU im Gemeinderat – allerdings wird er das vermutlich nicht mehr allzu lange.

Für Meyer ist es das Abschlussjahr. Der 19-Jährige wird bald seine Abiturprüfung ablegen. „Und dann möchte ich studieren gehen“, erzählt er. Schon als er sich bereit erklärt hatte, anzutreten, „war klar, dass ich vielleicht nicht die fünf Jahre im Gemeinderat bleibe“. Das sei kein Problem gewesen, habe man ihm gesagt, dann rückt jemand nach. Das habe er innerhalb der Fraktion offen kommuniziert, aber auch auf Nachfragen von außen hin nicht verschwiegen – die es natürlich gegeben habe.

Doch es gehe auch nicht anders, wenn man junge Leute im Rat möchte, meint Meyer – gerade im ländlichen Raum ist das ein Problem, dass auch die anderen Parteien und Gruppen nur zu gut kennen. „Das Problem haben nicht nur wir“, verweist er beispielsweise auf die Grünen, die mit Fabienne Schneider derzeit ebenfalls eine Schülerin im Scheeßeler Gemeinderat haben, die im kommenden Jahr ihr Abitur machen wird.

Das Problem der Überalterung kennen nicht nur Vereine. Junge Leute für politische Ämter zu gewinnen, „das ist ein Problem“, sagt Meyer. Seine Motivation, sich aufstellen zu lassen, sei gewesen, dass er die jüngeren Interessen vertreten möchte, junge Blickwinkel und Perspektiven einbringen. „Der Gemeinderat war vorher deutlich älter, jetzt ist er vielfältiger und lebendiger“, meint er. Dass ihm das Einbringen in den wenigen Monaten seit der Wahl gelungen ist, findet er schon. Werden Themen oder Anträge besprochen, geht immer die direkte Frage an ihn: „Wie denkt man darüber als junger Mensch?“

Das betont auch CDU-Gemeindeverbandsvorsitzender Günter Bassen: „Ich bin stolz darauf, dass es gelungen ist, junge Menschen für unsere Kommunalpolitik so sehr zu begeistern, dass sie sich haben aufstellen lassen.“ Zwar hätten nicht alle jungen Bewerber genügend Stimmen erhalten, seien aber weiter interessiert. „Die Auffassungen und die Darstellung ihrer Wertigkeiten, der Blick Richtung Zukunft, kann der Ratsarbeit nur dienlich sein. Ich bin zuversichtlich, dass das nicht verloren geht“, sagt er auch im Hinblick darauf, dass mit Meyers möglichem Ausscheiden wieder ein junges Ratsmitglied weniger am Tisch sitzt. Sollte sein Studienplatz in der Nähe sein, schließt Meyer nicht aus, seinen Ratssitz zu behalten. Selbst ein zeitweises Aussetzen sei denkbar, so Bassen. Wäre er aber nicht vor Ort, wäre es für ihn „nicht gerechtfertigt“ und er würde den Platz freimachen.

Politik im Podcast

Um Rats-Neuzugang Bennett Meyer geht es auch in der neuen Folge unseres Podcasts „Kreis und Quer“. Im Interview mit Hagen Wolf spricht der CDU-Politiker über die ersten Tage im Rat, hitzige Debatten und versöhnliche Gespräche nach der Sitzung. Außerdem gibt der 19-Jährige Einblick in seine Zukunftspläne, die der Beendigung der Amtszeit vielleicht im Weg stehen. Neben der Politik geht es außerdem um das Thema Valentinstag. Entsprechend heißt die Folge „Welche Blumen passen am Valentinstag?“ Sie ist ab sofort überall da verfügbar, wo es Podcasts gibt - und direkt hier im Artikel. Feedback und Anregungen gerne an podcast@kreiszeitung.de.

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